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17. November 2012, 14:04 Uhr

Ermittlungen gegen Ex-Bundespräsident

Glaeseker vs. Christian Wulff

Auf 90 Seiten hat das Landeskriminalamt Niedersachsen die Vorwürfe gegen Olaf Glaeseker aufgeführt: Demnach ließ sich der ehemalige Sprecher von Alt-Bundespräsident Wulff regelrecht mit kostenlosen Urlaubstrips "anfüttern". Glaeseker bestreitet die Vorwürfe - und widerspricht damit ausdrücklich Wulff.

Hamburg - 18 Freiflüge, 17 Urlaubstrips nach Spanien und Südfrankreich: Im Verfahren gegen Olaf Glaeseker, dem ehemaligen Sprecher von Alt-Bundespräsident Christian Wulff, hat das Landeskriminalamt Niedersachsen nach Informationen des SPIEGEL einen 90-seitigen Ermittlungsbericht vorgelegt. Glaeseker, dem Bestechlichkeit vorgeworfen wird, sei demnach von Party-Veranstalter Manfred Schmidt mit kostenlosen Urlaubsaufenthalten und Flügen "angefüttert" worden.

Als Regierungssprecher in Niedersachsen soll er im Gegenzug Sponsoren für drei Veranstaltungen des sogenannten Nord-Süd-Dialogs akquiriert haben, mit denen Schmidt mindestens 871.644 Euro verdient haben soll.

Insgesamt 18 Freiflüge sollen Glaeseker und seine Ehefrau Vera im Gesamtwert von 8860 Euro auf Kosten des Eventmanagers genutzt haben. Bei 17 Urlaubstrips zu Schmidts Ferienresidenzen in Spanien und Südfrankreich soll das Ehepaar mindestens 26.572 Euro an Übernachtungskosten gespart haben, errechneten die Ermittler.

Für den Zeitraum von 2007 bis 2009, in dem der Nord-Süd-Dialog stattfand, sollen die Glaesekers gemeinsam für insgesamt 16.118 Euro haften.

Sabine Christiansen als Zeugin erbeten

Olaf Glaeseker bestreitet die Vorwürfe in einer 52-seitigen Stellungnahme. Er habe Schmidt nicht geholfen, weil er eine Gegenleistung erwartet habe, sondern weil er ein guter Freund sei. Es gebe daher, so argumentiert Glaesekers Anwalt, einen "persönlichen Beziehungsüberhang".

Die besondere Verbindung zu Schmidt könne durch zahlreiche Zeugenaussagen belegt werden, wie etwa von der Fernsehmoderatorin Sabine Christiansen, um deren Vernehmung Glaeseker bittet.

Die Stellungnahme Glaesekers bringt auch seinen früheren Chef in Bedrängnis. Ex-Bundespräsident Christian Wulff hatte in dem Korruptionsermittlungsverfahren als Zeuge behauptet, nur vage über Glaesekers Reisen zu dem Partymanager Manfred Schmidt nach Frankreich und Spanien gewusst zu haben. Glaeseker sei in seinen Urlauben stets komplett abgetaucht und nicht erreichbar gewesen.

Glaeseker widerspricht dieser Darstellung nun und verweist unter anderem auf das Reisetagebuch seiner Ehefrau. Dort finden sich mehrere Einträge, die auf Telefonate, Faxe und SMS zwischen Glaeseker und Wulff hindeuten.

Sollte Sabine Christiansen vernommen werden, wäre sie nicht die erste TV-Prominente, die in der Causa Wulff befragt wird. Die TV-Managerin Edda Kraft hat bereits erklärt, vor Gericht für seinen Ex-Sprecher Glaeseker und gegen Wulff auszusagen.

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jjc

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