Ermittlungen gegen Ex-Bundespräsident: Glaeseker vs. Christian Wulff

Auf 90 Seiten hat das Landeskriminalamt Niedersachsen die Vorwürfe gegen Olaf Glaeseker aufgeführt: Demnach ließ sich der ehemalige Sprecher von Alt-Bundespräsident Wulff regelrecht mit kostenlosen Urlaubstrips "anfüttern". Glaeseker bestreitet die Vorwürfe - und widerspricht damit ausdrücklich Wulff.

Olaf Glaeseker mit Christian Wulff: Das Tagebuch von Vera Glaeseker soll aufklären helfen Zur Großansicht
dapd

Olaf Glaeseker mit Christian Wulff: Das Tagebuch von Vera Glaeseker soll aufklären helfen

Hamburg - 18 Freiflüge, 17 Urlaubstrips nach Spanien und Südfrankreich: Im Verfahren gegen Olaf Glaeseker, dem ehemaligen Sprecher von Alt-Bundespräsident Christian Wulff, hat das Landeskriminalamt Niedersachsen nach Informationen des SPIEGEL einen 90-seitigen Ermittlungsbericht vorgelegt. Glaeseker, dem Bestechlichkeit vorgeworfen wird, sei demnach von Party-Veranstalter Manfred Schmidt mit kostenlosen Urlaubsaufenthalten und Flügen "angefüttert" worden.

Als Regierungssprecher in Niedersachsen soll er im Gegenzug Sponsoren für drei Veranstaltungen des sogenannten Nord-Süd-Dialogs akquiriert haben, mit denen Schmidt mindestens 871.644 Euro verdient haben soll.

Insgesamt 18 Freiflüge sollen Glaeseker und seine Ehefrau Vera im Gesamtwert von 8860 Euro auf Kosten des Eventmanagers genutzt haben. Bei 17 Urlaubstrips zu Schmidts Ferienresidenzen in Spanien und Südfrankreich soll das Ehepaar mindestens 26.572 Euro an Übernachtungskosten gespart haben, errechneten die Ermittler.

Für den Zeitraum von 2007 bis 2009, in dem der Nord-Süd-Dialog stattfand, sollen die Glaesekers gemeinsam für insgesamt 16.118 Euro haften.

Sabine Christiansen als Zeugin erbeten

Olaf Glaeseker bestreitet die Vorwürfe in einer 52-seitigen Stellungnahme. Er habe Schmidt nicht geholfen, weil er eine Gegenleistung erwartet habe, sondern weil er ein guter Freund sei. Es gebe daher, so argumentiert Glaesekers Anwalt, einen "persönlichen Beziehungsüberhang".

Die besondere Verbindung zu Schmidt könne durch zahlreiche Zeugenaussagen belegt werden, wie etwa von der Fernsehmoderatorin Sabine Christiansen, um deren Vernehmung Glaeseker bittet.

Die Stellungnahme Glaesekers bringt auch seinen früheren Chef in Bedrängnis. Ex-Bundespräsident Christian Wulff hatte in dem Korruptionsermittlungsverfahren als Zeuge behauptet, nur vage über Glaesekers Reisen zu dem Partymanager Manfred Schmidt nach Frankreich und Spanien gewusst zu haben. Glaeseker sei in seinen Urlauben stets komplett abgetaucht und nicht erreichbar gewesen.

Glaeseker widerspricht dieser Darstellung nun und verweist unter anderem auf das Reisetagebuch seiner Ehefrau. Dort finden sich mehrere Einträge, die auf Telefonate, Faxe und SMS zwischen Glaeseker und Wulff hindeuten.

Sollte Sabine Christiansen vernommen werden, wäre sie nicht die erste TV-Prominente, die in der Causa Wulff befragt wird. Die TV-Managerin Edda Kraft hat bereits erklärt, vor Gericht für seinen Ex-Sprecher Glaeseker und gegen Wulff auszusagen.

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jjc

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1. Wie billig und schäbig manche Gutverdiener ihre Seele...
mainzelmännchen 1 17.11.2012
...verkaufen, verwundert mich immer wieder - von persönlicher Ehre nicht die Spur.
2.
RALF ALG III 17.11.2012
Zitat von mainzelmännchen 1...verkaufen, verwundert mich immer wieder - von persönlicher Ehre nicht die Spur.
Da es sich um private Urlaubsfahrten handelte, wäre es taktlos gewesen, wenn Wulff allzu tief in seinen Mitarbeiter Glaeseker gedrungen wäre, um von diesem zu erfahren, was man so trieb. Das macht ein sensibler AG nicht. Dagegen muß sich jeder selbstbewußte AN wehren, etwa so: Wulff: "Wo warst Du?" Glaeseker: "In Spanien." Wulff: "Und wo da?" Glaeseker: "Am Meer." Wulff: "Genauer bitte!" Glaeseker: "Direkt am Meer." Wulff: "Lass Dir bitte nicht die Würmer aus der Nase ziehen. Wer hat Dich eingeladen?" Glaeseker: "Christian, jetzt reicht es aber. Wo ich meinen Urlaub verbringe, geht Dich nichts an. Ich frage Dich ja auch nicht, wer *Dich und Bettina* eingeldane hat!" Wulff: "Is ja gut."
3. Causa Wulff
luxus64 17.11.2012
Der Wulff wird bis zu seinem Lebensende seine Diener in Berlin haben und auch sein staatliches Auto und seine 217000Euro "-Ehrenrente-". Die Richter werden es schon so drehen das dem nichts passiert. Die Merkeln steht doch hinter ihm. Das nennt man heute Demokratie. Die Kleinen hängt man und die Großen läßt man laufen.
4.
Obi-Wan-Kenobi 17.11.2012
Zitat von sysopdapdAuf 90 Seiten hat das Landeskriminalamt Niedersachsen die Vorwürfe gegen Olaf Glaeseker aufgeführt: Demnach ließ sich der ehemalige Sprecher von Alt-Bundespräsident Wulff regelrecht mit kostenlosen Urlaubstrips "anfüttern". Glaeseker bestreitet die Vorwürfe - und widerspricht damit ausdrücklich Wulff. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/glaeseker-gegen-wulff-lka-legt-ermittlungsbericht-vor-a-867788.html
Wenn nichts unvorhergesehenes passiert wird Glaesekers Kopf rollen und Wulff ist aus dem Schneider. Sonst wäre auch die jährliche Überweisung des *räusper* "Ehrensoldes" zu peinlich. So kann man Wulff immer noch als Opfer der Medien und Glaesekers hinstellen. Ohne das Geld wird man ihn nicht lassen, da der Ausflug seiner Gattin in die Literatur ja anscheinend auch nicht taugt um die Familie zu ernähren und sonst kann er ja nichts. Jedenfalls nichts, was so viel Geld einbringt, dass er seine Schulden bezahlen kann. Einen Ex-Präsidenten beim Jobcenter oder im Knast wird die CDU zu verhindern wissen.
5. Sündenbock
polyphon 17.11.2012
Glaeseker ist doch nur der Sündenbock. Er hat im Auftrag seines Paten gehandelt, hatte dessen Karriere im Blickpunkt. Dann wurde er geopfert. Der Prozess soll die Bürger darüber hinwegtäuschen, dass diese Republik kein Rechtsstaat mehr ist. Übrigens: Glaeserkers Weste ist wohl nicht weiß, aber er scheint immerhin günstig geflogen zu sein. Für knapp 9000 Euro immerhin 18 Flüge mit Ehefrau, also 500 Euro pro Flug. Das entspricht innerdeutsch Lufthansa Economy im umbuchbaren Tarif. Sicher geht es billiger, aber Luxusreisen sind das nicht. Ist zu Guttenberg jetzt eigentlich immer noch Berater der EU? Da kommt sicher mehr zusammen (interkontinental Business). Die Politiker bedienen sich hemmungslos, werden von den Bürgern in der Regel bis ans Lebensende finanziert und juxen über das "Stimmvieh", das dumm genug war, ihnen die Stimme zu geben. Diese Republik geht kaputt.
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