Prozess in Hannover Wulff-Vertrauter Glaeseker weist Korruptionsvorwürfe zurück

Vor dem Landgericht Hannover hat der Korruptionsprozess gegen Olaf Glaeseker begonnen. Der frühere Sprecher von Ex-Bundespräsident Wulff bestreitet alle Vorwürfe: "Ich habe mich im Sinne meines Dienstherren engagiert."

Olaf Glaeseker im Landgericht Hannover: Gegenleistung für Sponsorensuche?
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Olaf Glaeseker im Landgericht Hannover: Gegenleistung für Sponsorensuche?


Hannover - Er war der Spindoctor und Vertraute des früheren Bundespräsidenten und niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff: Lange Jahre beriet Olaf Glaeseker den Politiker, er war als dessen Sprecher tätig. Am Montag hat nun vor dem Landgericht Hannover der Korruptionsprozess gegen den 52-Jährigen begonnen. Zum Auftakt bestritt Glaeseker alle Vorwürfe. "Ich habe mich im Sinne meines Dienstherren engagiert", sagte er. Einen direkten Auftrag habe es aber nicht gegeben.

Die Staatsanwaltschaft Hannover wirft Glaeseker vor, bestechlich gewesen zu sein: Er soll dem mitangeklagten Eventmanager Manfred Schmidt 2007 bis 2009 bei der Sponsorensuche für das Promi-Fest Nord-Süd-Dialog geholfen haben.

Es wurden dabei mehr als 600.000 Euro von Sponsoren für drei Veranstaltungen des Nord-Süd-Dialogs eingeworben. Im Gegenzug, so rechnet die Staatsanwaltschaft vor, habe der damalige Wulff-Sprecher "als Belohnung für seine Gefälligkeiten" von Schmidt neun unentgeltliche Urlaubsaufenthalte in dessen Feriendomizilen in Frankreich und Spanien sowie 19 Freiflüge im Gesamtwert von 12.000 Euro erhalten. An den drei Veranstaltungen hat Schmidt laut Staatsanwaltschaft rund eine Million Euro verdient.

Glaeseker bestreitet den Vorwurf der Bestechlichkeit. Er habe Schmidt nicht geholfen, weil er eine Gegenleistung erwartet habe, sondern weil er ein enger, langjähriger Freund sei. Bei einer Verurteilung droht ihm laut Strafgesetzbuch eine Höchststrafe von fünf Jahren.

Im Februar soll Wulff als Zeuge in dem Prozess aussagen. Er steht derzeit selbst vor Gericht. Ihm wird Vorteilsnahme vorgeworfen. Im Mittelpunkt des Prozesses steht das Beziehungsgeflecht zwischen Wulff und dem Filmfinanzierer David Groenewold. Der soll 2008 eine München-Reise der Familie Wulff gesponsert und 753,90 Euro an Kosten übernommen haben. Die Summe setzt sich unter anderem zusammen aus einem Hotelzimmer-Upgrade und einem Festzeltabend auf dem Oktoberfest.

heb/dpa

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Seite 1
j.vantast 09.12.2013
1. Ach. Und das ist legal?
Zitat von sysopGetty ImagesVor dem Landgericht Hannover hat der Korruptionsprozess gegen Olaf Glaeseker begonnen. Der frühere Sprecher von Ex-Bundespräsident Wulff bestreitet alle Vorwürfe: "Ich habe mich im Sinne meines Dienstherren engagiert." http://www.spiegel.de/politik/deutschland/wulffs-ex-sprecher-glaeseker-weist-korruptionsvorwuerfe-zurueck-a-937968.html
Aha. Sein Amt zu benutzen um "Freunden" zu helfen ist also legal? Werden die Leute nicht eher dafür bezahlt dem Staat zu dienen als irgendwelchen "Freunden"? Derlei "Freundschaftsdienste" gehören genauso verboten.
vroni1203 09.12.2013
2. und ...
Herr Wulff hat von dem allem nichts gewusst??
volker w. rieble 09.12.2013
3. Freundschaftsdienste?
Selten habe ich in den Kommentaren zu diesem und Wulffs Prozess soviel Scheinheiligkeit und vor allem Weltfremdheit gelesen. Wenn Wulff z.B. nach München reist, um bei Siemens für den John Rabe Film zu werben und damit die Produktion des Filmes in Niedersachsen zu unterstützen, ja dann ist es doch sebstverständlich, dass der Produzent alle seine Kosten übernimmt. Und dann wird auch noch von einer Sause im Bierzelt gesprochen ( Staatsanwaltschaft ). Wie ich jetzt lese, ist Wulff Anti-Alkoholiker. Eine Sause ohne Schampus o.ä.? Also das muss dieser best informierte Staatsanwalt mal vormachen. Und wozu diente dieser Nord-Süd-Dialog? Sicher nicht Herrn Schmidt.
saiber 09.12.2013
4. Schmierentheater bis zum geht nicht mehr
Ja, der "korrupte" Wulff. 750 Euro zu seinem Vorteil soll er eingeheimst haben. Hotelupgrade und vielleicht ein Haehnchen und Selters beim Oktoberfest. Wirklich, diese Neidgesellschaft weisst einfach nicht wo Schluss ist. Ich weiss gar nicht ob diese sogenannten Staatsanwaelte sich noch irgendwo blicken lassen können. Die werden doch nur ausgelacht.
unixv 09.12.2013
5. Ausgelacht?
Zitat von saiberJa, der "korrupte" Wulff. 750 Euro zu seinem Vorteil soll er eingeheimst haben. Hotelupgrade und vielleicht ein Haehnchen und Selters beim Oktoberfest. Wirklich, diese Neidgesellschaft weisst einfach nicht wo Schluss ist. Ich weiss gar nicht ob diese sogenannten Staatsanwaelte sich noch irgendwo blicken lassen können. Die werden doch nur ausgelacht.
Ausgelacht, werden nur alle ehrlichen, moralisch anständigen Bürger! Es ist schon richtig, das wenn einer korrupt ist, auch vor dem Kadi landet! Da unsere Beamten und Politiker für ihre Ehrlichkeit z.B. mit einer fetten Pension, sicheren Arbeitsplatz und ein 1 Liga Krankenkassen-Bonus ausgestattet werden und kein ALG 2 Damoklesschwert über sie schwebt, sollten sie ihre Vorbildfunktion auch ausführen und nicht ausnutzen! Bei uns " den Arbeitern/Angestellten!" kommt man schon für eine Bulette oder einen Pfandflaschen Bon vor das ***H4 Gericht, um so älter, um so höher die Strafe! ** Lebenswerk vernichten! *
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