Diskriminierungsvorwurf Gleichstellungsbeauftragte klagt gegen Frauenministerium

Manuela Schwesig ist Ministerin für Familie und Frauen - und hat Ärger im eigenen Haus. Die Gleichstellungsbeauftragte Kristin Rose-Möhring bemängelt den Auswahlprozess bei der Vergabe von Spitzenpositionen. Nun steht eine Klage über Fälle aus der Amtszeit ihrer Vorgängerin an.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD): Ihre Behörde wird wegen Diskriminierung verklagt
DPA

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD): Ihre Behörde wird wegen Diskriminierung verklagt


Berlin - Ausgerechnet die Behörde, die für gleiche Rechte für Männer und Frauen sorgen soll, muss sich am kommenden Donnerstag vor Gericht verantworten - es geht um einen Diskriminierungsvorwurf gegen das Bundesfamilienministerium, der im eigenen Haus erhoben wird.

Frauen würden bei der Besetzung von Führungspositionen im Familienministerium nicht ausreichend unterstützt. Das wirft die Gleichstellungsbeauftragte Kristin Rose-Möhring ihrer Behörde vor und zieht in drei Fällen vor Gericht. Wie das Verwaltungsgericht Berlin mitteilt, möchte die Klägerin festgestellt wissen, dass sie bei der Besetzung von Spitzenpositionen im Ministerium - jeweils mit Männern - nicht beziehungsweise nicht rechtzeitig beteiligt wurde. Rose-Möhring ist seit Jahren im Familienministerium tätig, Mitherausgeberin der Fachzeitschrift "GiP - Gleichstellung in der Praxis" und schreibt einen Blog über das Gleichstellungsrecht.

Nach Informationen von "Süddeutsche.de" handelt es sich um folgende Positionen:

  • die des Pressesprechers und Abteilungsleiters, die 2011 mit Christoph Steegmans besetzt wurde,
  • die des Beauftragten für Kindesmissbrauch, zu dem Johannes-Wilhelm Rörig 2011 ernannt wurde,
  • und die des Staatssekretärs, die Lutz Stroppe 2012 erhielt.

Die Gleichstellungsbeauftragte gibt an, dass sie keine Möglichkeit der Einflussnahme gehabt habe, die Personalentscheidungen seien bereits getroffen worden, als sie davon unterrichtet wurde.

Die drei Fälle fallen in die Amtszeit von Kristina Schröder (CDU), aber nach Meinung von Rose-Möhring habe sich auch unter der neuen Ministerin Manuela Schwesig (SPD) nichts an dieser Praxis geändert. Eine Sprecherin des Familienministeriums wies dies laut der Online-Zeitung zurück. "Die Verhältnisse haben sich geändert", sagte sie "Süddeutsche.de". "Das Ministerium bezieht die Gleichstellungsbeauftragte bei ihren Personalentscheidungen ein." Zwei von drei Staatssekretären seien weiblich, demnächst auch drei von fünf Abteilungsleitern. Mehr als die Hälfte der Referatsleiter seien Frauen.

abl



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 83 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dickebank 03.05.2014
1. ungerecht
Zitat von sysopDPAManuela Schwesig ist Ministerin für Familie und Frauen - und hat Ärger im eigenen Haus. Die Gleichstellungsbeauftragte bemängelt den Auswahlprozess bei der Vergabe von Spitzenpositionen. Nun reicht sie Klage ein. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gleichstellungsbeauftragte-klagt-gegen-bundesfamilienministerium-a-967357.html
Wenn die tatsächlich so weit weg sind von einer 100%-Quote, dann stellt das eine erhebliche Benachteiligung von Frauen im Höheren Dienst dar. Schließlich heißt es *die* Exekutive, von gleichberechtigten Männern kann da überhaupt keine Rede sein. Deshalb ist *der* Gleichstellungsbeauftragte grundsätzlich weiblich - zumindest laut Personalausweis und Geburtsregister.
hansgustor 03.05.2014
2. Männerminderheit
Da jetzt mehr Frauen Staatssekretär bzw. Abteilungsleiter sind, werden jetzt wieder Männer bevorzugt, oder?
seppfrieder 03.05.2014
3. Werbung?
Zitat von sysopDPAManuela Schwesig ist Ministerin für Familie und Frauen - und hat Ärger im eigenen Haus. Die Gleichstellungsbeauftragte bemängelt den Auswahlprozess bei der Vergabe von Spitzenpositionen. Nun reicht sie Klage ein. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gleichstellungsbeauftragte-klagt-gegen-bundesfamilienministerium-a-967357.html
[qute=SPON]Rose-Möhring ist seit Jahren im Familienministerium tätig, Mitherausgeberin der Fachzeitschrift "GiP - Gleichstellung in der Praxis" und schreibt einen Blog über das Gleichstellungsrecht.[/quote] Kann es nicht sein das es nur um Werbung für besagtes Blatt geht? Das läßt schon den Schluß zu da, die Gleichstellungsbeauftragte, Frau Möhring ja in 2 Fällen gute 3 Jahre wartet, anstatt Zeitnah zu reagieren
pike3000 03.05.2014
4. Das zeigt nur,
dass sie ihr Ministerium nicht im Griff hat. Und das sollte man wenn man an einer solchen Position sitzt. Ein Hoch auf die Frauenquote die Unternehmen zwingt ungeeignetes Personal einzustellen. Die Frauen die wirklich qualifiziert sind setzen sich auch ohne Quote durch. Und wenn ich mit meiner Chefin darüber spreche.... Für sie ist die Quote eine Beleidigung für alle Frauen die es ohne geschafft haben.
ambulans 03.05.2014
5. also,
dass sich die aktuelle ministerin (erst seit knapp fünf monaten im amt) für sünden ihrer vorgängerin - und das auch noch vor gericht! - "verantworten" soll, das hat schon was. frage: hat die "gleichstellungsbeauftragte" im ministerium vielleicht schlecht geschlafen - oder gehört sie eventuell einer bestimmten, großen volkspartei an, die bei der besetzung der spitzenposition hier "leider" leer ausging? wie man so hört, kloppen sich (bildlich!) auf den koppeln des herrn die pferde-damen genau so wie anderswo auch ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.