"Globale Islamische Medienfront" Neues Drohvideo gegen Deutschland und Österreich

Harsche Drohungen gegen Deutschland und Österreich: Die "Globale Islamische Medienfront" verkündet in einem neuen Video das Ende der "Schonzeit". Außerdem fordern die selbst ernannten Qaida-Sprecher die Freilassung ihrer verhafteten Anführer.

Von Yassin Musharbash


Berlin - Ein neues islamistisches Drohvideo ist dem Österreichischen Rundfunk (ORF) zugespielt worden. Darin werden Deutschland und Österreich dazu aufgefordert, ihre Soldaten aus Afghanistan abzuziehen. Außerdem wird die österreichische Regierung dazu aufgerufen, zwei in Wien inhaftierte Islamisten freizulassen - "sonst werdet ihr es bereuen".

Video-Ankündigung der GIMF: "Die deutschen Soldaten besetzen immer noch Afghanistan"

Video-Ankündigung der GIMF: "Die deutschen Soldaten besetzen immer noch Afghanistan"

SPIEGEL ONLINE liegt ebenfalls ein Video der "Globalen Islamischen Medienfront" (GIMF) vor, offenbar das gleiche, das auch an den ORF gelangte. Sein Titel lautet: "Ein Aufruf an die Regierungen von Deutschland und Österreich". Das neue Drohvideo wurde allerdings von der GIMF selbst bisher nicht ins Netz gestellt. Es gibt lediglich einen Hinweis auf eine Veröffentlichung morgen.

Das Video enthält Warnungen an die beiden Länder, insbesondere wegen ihres militärischen Engagements in Afghanistan. Eine ähnliche Aufnahme war bereits im März dieses Jahres aufgetaucht.

In dem neuen Video heißt es: "Die deutschen Soldaten besetzen immer noch Afghanistan und wir wiederholen den Aufruf aus dem letzten Video, dass Deutschland seine Truppen aus Afghanistan abziehen soll, dies dient nur zu eurer eigenen Sicherheit in eurem Land." Ein nicht zu erkennender Sprecher spricht diese Sätze mit verzerrter Stimme. Dazu werden Bilder eingeblendet, unter anderem jene, die deutsche Soldaten in Afghanistan beim Hantieren mit Totenschädeln zeigen.

Auch eine Aufnahme von Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident George W. Bush wird gezeigt. Weiter heißt es: "Dasselbe gilt auch für Österreich. Die Mudschahidin haben euch bisher noch verschont, deshalb ist die Zahl eurer getöteten Soldaten nicht besonders hoch, doch dies wird bald anders sein." Es folgt ein Verweis auf den Taliban-Kommandeur Mansur Dadullah, der vergangenen Woche eine Winteroffensive der Taliban im Norden Afghanistans ankündigte, wo die Bundeswehr stationiert ist.

Zudem verlangt die "Globale Islamische Medienfront" die Freilassung ihrer mutmaßlichen Gründer: "Wir fordern euch auf, die in Wien festgenommenen Geschwister sofort freizulassen, sonst werdet ihr es noch bereuen, dass ihr es gewagt habt, Muslime in eure Gefängnisse einzusperren."

In einer ersten Reaktion auf das Video sagte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble am Rande der BKA-Herbsttagung SPIEGEL ONLINE: "Wir wissen, dass Deutschland in das Bedrohungsfeld des islamistischen Terrors geraten ist." Der Minister riet zu "Gelassenheit und Geschlossenheit".

BKA-Chef Jörg Ziercke geht davon aus, "dass das Video echt ist". Es sei vergleichbar mit dem Video von März, erklärte er SPIEGEL ONLINE, enthalte aber "keine konkrete Bedrohung" und bedeute "keine konkrete Veränderung der Gefahrenlage". Der Freipressungsversuch, der darin enthalten ist, sei "untauglich". Mit Blick auf die namentliche Nennung islamischer Verbände sagte Ziercke: "Ich würde das nicht überbewerten". Das Video werde analysiert, man werde auch Spracherkennungsprogramme anwenden. "Wir wissen nicht konkret, wer hinter diesem Video steht", fasste Ziercke zusammen.

Mitte September hatte die Polizei in der österreichischen Hauptstadt die beiden mutmaßlichen Gründer der GIMF festgenommen. Beide, ein junges Ehepaar, haben arabische Wurzeln, sind aber in Österreich geboren. Ihnen wird vorgeworfen, das erste Drohvideo der GIMF produziert zu haben.

Ehrenamtliche Propagandisten des Terrorismus

Bei der deutschsprachigen GIMF handelt es sich um eine Art Netzwerk ehrenamtlicher Propagandisten von al-Qaida und verwandten Organisationen. Seit Ende 2005 werden unter diesem Label alle möglichen Communiqués, Videos, Ansprachen und Bekennerschreiben von dem Netzwerk Osama Bin Ladens ins Deutsche übersetzt und auf der GIMF-Website verbreitet. Außerdem gibt es ein Diskussionsforum der GIMF, in dem unter anderem Links zu Videoanleitungen für den Bombenbau gepostet werden.

Die deutsche GIMF ist eine wahrscheinlich in Eigenregie entstandene Filiale der ursprünglich rein arabischsprachigen "Global Islamic Media Front", die bereits seit 2003 Propaganda im Dienste von al-Qaida betreibt. Seit einigen Jahren gibt es ehrenamtliche Cyber-Dschihadisten, die genau dasselbe unter demselben Namen auf Englisch, Französisch und eben Deutsch machen. Die mutmaßlichen GIMF-Gründer, die in Wien verhaftet wurden, sollen nach Informationen von SPIEGEL ONLINE bei der Errichtung ihrer Internetplattform die Hilfe der englischsprachigen GIMF mit Sitz in Kanada in Anspruch genommen haben. Auch dort gab es in diesem Zusammenhang im September Festnahmen.

Nur Tage nach den Festnahmen von Wien hatte sich eine neue Website der deutschen GIMF etabliert - wahrscheinlich handelt es sich bei den Betreibern um Bekannte der Festgenommenen, die die Polizei bislang nicht identifiziert hat. Jedenfalls war die neue Gruppe in der Lage, die Arbeit der "ersten Generation" nahezu aus dem Stand fortzuführen. "Ihr könnt machen, was ihr wollt, macht so viele Festnahmen wie ihr wollt... ihr werdet euer Ziel nie erreichen, wir werden immer weitermachen bis wir den Sieg erlangen oder das Märtyrertum", hieß es in einem GIMF-Statement Ende September.

Hetze gegen muslimische Verbände

Das Video, das heute publiziert wurde, richtet sich, anders als das erste, in weiten Teilen nicht nur an die Regierungen Österreichs und Deutschlands, sondern auch an die Muslime in diesen beiden Ländern. Sie werden dazu aufgerufen, nicht der "Religion der Demokratie" zu verfallen. Bilder von Führungspersonen des Zentralrats der Muslime in Deutschland und anderer Muslimverbände werden eingeblendet, dazu heißt es, diese seien "Freunde der Juden und Christen". Ihre Institutionen seien nicht wahrhaft islamisch.

Die Behörden tun sich schwer, die GIMF einzuschätzen. Einige Analysten halten ihre Aktivisten im Wesentlichen für "Sessel-Dschihadisten", die durch Drohungen und Warnungen Aufmerksamkeit erregen und Angst verbreiten wollen. Andere fürchten, dass Teile der GIMF durchaus bereit sein könnten, selbst zur Tat zu schreiten. Unbestätigten Presseberichten zufolge sollen der festgenommene mutmaßliche Gründer der deutschen GIMF und sein E-Mail-Partner von der englischen GIMF in Kanada über Terroranschläge während der Fußball-Europameisterschaft im kommenden Jahr in Österreich und der Schweiz sinniert haben.

Einig sind sich alle Analysten in jedem Fall darin, dass die Website der GIMF eine wichtige Plattform für die Radikalisierung darstellt. "Da kann man die Radikalisierung quasi in Echtzeit beobachten", sagte ein Verfassungsschützer SPIEGEL ONLINE. Seit das GIMF-Forum vor wenigen Wochen wieder auferstand, haben sich dort Dutzende Dschihad-Fans angemeldet.

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