Berlin - Der Brief, der in der Linken für viel Ärger sorgt, beginnt mit den Worten: "Lieber Genosse Fidel Castro". Es folgt ein schwärmerisches Glückwunschschreiben zum 85. Geburtstag des kubanischen Revolutionsführers, gezeichnet von den Linken-Chefs Gesine Lötzsch und Klaus Ernst.
Nach parteiinterner Kritik hat Lötzsch das Schreiben nun verteidigt, das auf der Seite der kubanischen Botschaft in Deutschland zu lesen ist. Gratulationsbriefe zum Geburtstag seien nicht dazu da, grundsätzliche Kritik zu üben, sagte die Politikerin.
Kritische Worte zu der Menschenrechtslage in Kuba? Gab es in dem Brief nicht. Stattdessen Ausführungen über Castros "kampferfülltes Leben" und sein "erfolgreiches Wirken an der Spitze der kubanischen Revolution". Die Linken-Chefs versichern dem kubanischen Genossen ihre "unverbrüchliche Freundschaft".
Am Montag jedoch erklärte Lötzsch, Vertreter der Linken bei ihren Besuchen auf Kuba immer wieder die Menschenrechtslage angesprochen. Presse-, Versammlungs- und Meinungsfreiheit seien wichtig. Die Kubaner sollten einen "friedlichen Weg zu Reformen finden". Sie räumte in Bezug auf das Glückwunschschreiben ein: "Natürlich kann man immer alles besser und schöner formulieren."
"Ich hätte es anders geschrieben"
Lötzsch äußerte sich einen Tag nach Fraktionschef Gregor Gysi. Dieser hatte das Schreiben der beiden Parteichefs zwar grundsätzlich gerechtfertigt, zugleich aber den Stil kritisiert. "Ich hätte es anders geschrieben", sagte er am Sonntagabend in der ARD.
Auch bei anderen Linken-Politikern stieß der Brief auf Unverständnis. Kurz vor den zwei wichtigen Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und in Berlin wächst in der Linken der Unmut über den Zustand der Partei. "Wir springen derzeit über jeden Stock und nutzen Nebenthemen, um uns so richtig zu zerfetzen", sagte die parlamentarische Geschäftsführerin im Bundestag, Dagmar Enkelmann, am Montag. Linken-Spitzenkandidat in Mecklenburg-Vorpommern, Helmut Holter, griff das Führungsduo an. Das Schreiben an Castro entspreche nicht einer "modernen Linken", sagte er dem "Tagesspiegel".
Zuletzt sah sich Parteichefin Lötzsch auch zu einer Erklärung genötigt, dass sie den Bau der Mauer nicht für eine zwangläufige Folge des Zweiten Weltkriegs hält. Sie hatte zuvor in einem Interview über zwei Jahrestage im Jahr 2011 gesprochen, die "eng miteinander verbunden sind", dabei handele es sich um den 50. Jahrestag des Mauerbaus und den 70. Jahrestag des Überfalls Deutschlands auf die Sowjetunion. Schon Anfang des Jahres hatte die Berlinerin für massive Unruhe in ihrer Partei gesorgt, weil sie einen Gastbeitrag für die marxistische Zeitung "Junge Welt" unter dem Titel "Wege zum Kommunismus" verfasst hatte.
kgp/dpa/AFP
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