Minister-Streit über Glyphosat Chemie gestört

Die EU-Staaten beraten am Montag über die Zukunft von Glysophat. In der Bundesregierung sorgt der Unkrautvernichter für Streit. Die zuständigen Minister werfen sich "Taktik" und "Ideologie" vor.

Barbara Hendricks
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Die Haltung der Bundesregierung zum Thema Glyphosat ist ein klarer Fall: Es gibt sie nicht. Wenn am Montag die EU-Staaten über die Zukunft des umstrittenen Unkrautvernichters entscheiden, wird sich Deutschland enthalten. Beim Umweltministerium klingt das offiziell so: Es gebe "weiterhin keine einheitliche Auffassung".

Glyphosat ist der weltweit am meisten eingesetzte Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln. In Deutschland kommt er auf rund 40 Prozent der Felder zum Einsatz. Allerdings: Die Substanz steht im Verdacht, Krebs zu erregen. In drei Wochen läuft die Zulassung des Stoffes aus. Die EU-Kommission schlägt eine Verlängerung für 12 bis 18 Monate vor. In dieser Zeit soll die EU-Chemikalienagentur Echa ihre Bewertung der Substanz vorlegen.

Die Frage, wie gefährlich Glysophat ist, sorgt auch in der schwarz-roten Koalition in Berlin für Streit. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Union sind für eine neue Zulassung - die SPD-Minister lehnen dies bis auf Weiteres ab.

Schmidt greift Hendricks an

Gezankt wird mittlerweile mit offenem Visier. Kurz vor der Abstimmung in Brüssel hat Agrarminister Christian Schmidt (CSU) nun Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) scharf angegriffen. Gegenüber der "Rheinischen Post" verwies Schmidt auf Studien, die zu dem Ergebnis gekommen seien, dass an der Unbedenklichkeit des Wirkstoffs Glyphosat bei fachgerechter Anwendung keine Zweifel bestünden.

"Grundsätzlich sehe ich es mit Sorge, dass in einer solchen Frage Politik nach Belieben betrieben wird und nicht auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse", sagte der CSU-Politiker. Nur die Forschungsergebnisse sollten die Zulassungsverlängerung beeinflussen dürfen - "und nicht etwa politische Taktik oder Ideologie", sagte Schmidt.

Umweltministerin Hendricks ging im Gespräch mit den Zeitungen des "Redaktionsnetzwerks Deutschland" ebenfalls in die Offensive. Die Sozialdemokratin forderte eine "grundsätzlich andere Landwirtschaftspolitik". Gefördert werden sollte "nur noch die Produktion gesunder Lebensmittel, die Pflege von Natur und Landschaft, der Gewässerschutz", sagte sie. "Es ist höchste Zeit zum Umsteuern."

Kommission will Auflagen vorschlagen

Die bisherige staatliche Förderung der Bauern nach der Größe der Landwirtschaftsfläche sei "ein unsinniges Prinzip", so Hendricks. "Das Prinzip muss sein: Öffentliches Geld nur für Leistungen im Interesse der Allgemeinheit."

Wenn bei der Abstimmung an diesem Montag die nötige Mehrheit nicht zustande kommt, würde eine weitere Entscheidung in einem höherrangig besetzten Gremium nationaler Experten nötig. Dies gilt im Moment als wahrscheinlich. Fehlt auch hier die nötige Mehrheit, liegt die Entscheidung bei der EU-Kommission.

Die Kommission will den Staaten auch eine Reihe von Auflagen für den Glyphosat-Einsatz vorschlagen, etwa einen möglichst geringen Einsatz in Parks oder auf Spielplätzen. Die Entscheidung darüber kann aber jeder Staat selbst treffen. Das Bundesumweltministerium erklärte am Sonntag, nationale Beschränkungen könnten zu Wettbewerbsverzerrungen zwischen den Staaten führen.

kev/AFP/dpa



insgesamt 84 Beiträge
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prisma-4d 06.06.2016
1. ...und warum nicht einfach ausprobieren?
Es gab Zeiten da wurde noch kein Glyphos-dings eingesetzt. Wenn das Zeug schädlich ist, dann einfach mal für 5 oder 10 Jahre verbieten. Wenn sich der Bienenbestand erhohlt, oder andere Faktoren besser werden.... das ist Glyphosat offensichtlich der Schuldige. Und wenn alles noch schlimmer wird (weil die Alternativen eingesetzt wurden) das ist das Zeug doch besser als sein Ruf. Also einfach ausprobieren... oder ist es tatsächlich schon wieder "Alternativlos". Ach ja, ich hatte vergessen, das haben ja nicht wir zu entscheiden...
granathos 06.06.2016
2. man glaubt es nicht
was hat denn eine solche SUbstanz auf Spielplätze oder und unseren Feldern zu suchen? Ich esse überhaupt keine Backwaren mehr. Vielen Dank dafür, Herr Schmidt. Wer sich den Anstieg der Krebserkrankungen in den letzten 20 Jahren anschaut, kann nur erschaudern.
ash26e 06.06.2016
3.
Von was faselt diese Frau denn? Frau Hendricks fällt immer öfter durch unqualifizierte Aussagen zu naturwissenschaftlichen Themen auf. soll das Lebensmittel jetzt aus einer gesunden Pflanze stammen und was ist das? oder soll das lebensmittel uns Verbraucher gesund machen? Was für Sprechblasen leistet sich Deutschland als Minister.
rkinfo 06.06.2016
4. Gefährliche Glyphosat - Strahlung ...
Das Mittel wird weltweit in großer Menge und vielen Anwendungen eingesetzt. Ähnlich zu den 1.001 Untersuchungen zur Gefahr von Handystrahlung wird man immer Studien mit Auffälligkeiten finden - so die reine Mathematik der Statistik. Gemäß Wikipedia sind sich weder nationale noch internationale Experten angesichts der Datenlage einig. Ähnlich zu Formaldehyd mit maximal 0,3 ml/m3 (Stand 2015) Zulässigkeit bedeuten Auffälligkeiten nicht, dass Substanzen mit Verdacht auf Krebserzeugung vom Markt weg müssen. Bei 'sachgemäßer Anwendung' von Glyphosat liegt man deutlich unter den Schwellenwerten die auffällig sein könnten. Es geht aber um Politik gegen die Landwirtschaft und dubiose Hinterleuten.
noalk 06.06.2016
5. Es ist wie immer
Die Entscheidung wird letztlich von Leuten getroffen, die von der Materie eigentlich keinen blassen Schimmer haben (frei nach Richard P. Feynman).
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