Gorbatschow-Archiv: Genossen im Untergang

Von Christian Neef

Erich Honecker wusste lange vor dem Mauerfall, dass die DDR am Ende ist. Wie Dokumente aus dem privaten Gorbatschow-Archiv zeigen, bekannten seine Kader bei Kontakten mit Sowjets schon 1988: Die Lage ist ausweglos. Zu spät erkannte man den eigenen Fehler - die Verteufelung der Perestroika.

Gorbatschow-Archiv: Die Genossen taumeln in den Untergang Fotos
DPA

Als die Sowjetunion 1991 ihrem Ende entgegentaumelt, sitzt in Moskau ein alter Mann, der die Ereignisse aus nächster Nähe mitverfolgt: der frühere SED-Chef Erich Honecker, 79. Er ist im März in die UdSSR geflüchtet. Dass Honecker ausgerechnet bei Gorbatschow Schutz gesucht hat, um nach der deutschen Wiedervereinigung strafrechtlicher Verfolgung zu entgehen, ist nicht ohne Ironie - er hat den russischen Reformer nie leiden können. Und hat er nicht auch Recht behalten mit seiner Warnung, dessen Experimente gefährdeten den sozialistischen Vorzeigestaat DDR? Die Sowjetunion lebt zwar noch, wenn auch in Agonie, aber sein eigenes Land ist bereits perdu.

Die Zusammenarbeit zwischen Gorbatschow und Honecker war immer schwierig gewesen. Schon als der sowjetische Generalsekretär im Mai 1987 das zweite Mal zu einem offiziellen Besuch nach Berlin kam - beide waren damals noch per "Sie" -, war das Gesprächsklima frostig.

Honecker hatte sich über die Unfähigkeit Moskauer Wirtschaftsfunktionäre beklagt, über nicht eingehaltene Verträge und darüber, dass er wegen der skandalös schlechten Qualität sowjetischer Anlagen Schienen beim österreichischen Stahlkonzern Voest-Alpine kaufen müsse - auch weil es im Lande Gorbatschows "keinerlei moderne Elektronik" gebe. Und war den Kremlchef gleichzeitig um zusätzliche zwei Millionen Tonnen Erdöl pro Jahr angegangen - schließlich würden Moskaus Truppen in der DDR viele der dort produzierten Ölprodukte verschlingen.

Michail Gorbatschow hatte in gleicher Manier über den Tisch hinweg zurückgeblafft: Moskau sehe die Zusammenarbeit mit Ost-Berlin "skeptisch", die DDR beteilige sich ja nicht einmal an der Erschließung von Rohstoffen in der Sowjetunion. Honecker, so müsse er schlussfolgern, gehe es "nur um kurzfristige Vorteile" für sich.

Es war ein unter Genossen ungewöhnlicher Ton. Honecker wollte, dass Gorbatschow die DDR-Bürger nicht weiter mit seiner Perestroika und der Idee von Glasnost belästige: Er solle die "unglücklichen Veröffentlichungen, die in Euren Zeitschriften in deutscher Sprache erscheinen, kontrollieren", forderte er von Gorbatschow. Der lehnte eine Rückkehr zur Zensur entschieden ab.

Verspottung der SED-Führung

Der sowjetische KP-Chef hat sich oft über den starrsinnigen Alten in Berlin geärgert, er nennt Honecker im kleinen Kreis durchaus schon mal einen "Sack". Er kann das auch deswegen tun, weil er über die Stimmung in Ost-Berlin ziemlich gut im Bilde ist: Honeckers eigene Genossen geben in vertraulichen Gesprächen mit Sowjetfunktionären regelmäßig interne Details nach Moskau weiter. Auch diese Berichte liegen im Gorbatschow-Archiv, veröffentlicht wurden sie nie.

Gorbatschow-Berater Wadim Sagladin zum Beispiel, stellvertretender Chef der Internationalen Abteilung in der Parteiführung, trifft sich im Juni 1988 mit Honecker in Berlin - und gleich danach mit dem Außenpolitik-Chef der SED-Zentrale, ZK-Sekretär Günter Sieber. Er wolle "streng vertraulich darüber berichten", wozu er eigentlich nicht ermächtigt sei, sagt Sieber zu Sagladin - und nimmt kein Blatt vor den Mund. Sagladin gibt die Botschaft sofort an Gorbatschow weiter:

Die wirtschaftliche Lage (der DDR) hat sich in letzter Zeit verschlechtert. Die optimistischen Berichte in der Presse entsprechen nicht der Wirklichkeit. Die Auslandsschuld wächst unaufhaltsam, aber die Genossen wissen nicht, was man da tun kann. Selbst in Teilen der Partei sind ironische Kommentare über die Führung weit verbreitet. Davon zeugt die Welle unangenehmer, ja feindseliger Anekdoten über Honecker persönlich.

Honecker und andere Führungsmitglieder haben richtige Angst vor den möglichen Folgen der wirtschaftlichen und politischen Lage. Sie fürchten Erschütterungen im Land und eine Wiederholung der Vorgänge von 1953 oder irgendetwas nach Art der polnischen Ereignisse.

Noch 17 Monate bis zum Mauerfall

Von Sagladin danach befragt, ob er eine Lösung sehe, antwortet Sieber:"Nein, ein Ausweg ist nicht in Sicht." Es ist ein bemerkenswertes Eingeständnis, denn bis zum Mauerfall sind es da noch 17 Monate.

Natürlich gehen die beiden denkbare Alternativen zu Honecker im Politbüro durch, aber auch hier hält Sieber keinen Trost für seinen Moskauer Kollegen bereit. ZK-Sekretär und Medienkontrolleur Joachim Herrmann? "Würde gern aufsteigen", sagt Sieber, "aber viele im Politbüro fürchten ihn und trauen ihm nicht." Egon Krenz? "Hat nicht genügend Autorität und von Wirtschaft wenig Ahnung." Wirtschafts-Sekretär Günter Mittag? "Eine Kreatur" Honeckers. Ideologie-Papst Kurt Hager? "Widersprüchlich." Der Außenpolitiker Hermann Axen? "Klug, hat aber zwei Gesichter." Regierungschef Willi Stoph immerhin sei ein Mann mit vernünftigen Ansichten, sagt Sieber, habe aber leider mit "dem Kämpfen längst aufgehört".

Honecker, immerhin, begreift noch vor dem Mauerfall, dass er mit der Verteufelung der Gorbatschowschen Perestroika einen strategischen Fehler begangen hat, er weiß spätestens 1988, auf welch wackligen Füßen seine DDR inzwischen steht. Das lässt sich aus einem anderen Bericht ersehen: Da empfängt - am 2. Februar 1989 - Sagladin in Moskau den Vize-Außenminister Harry Ott.

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1. Immer noch kein Titel
garfield 11.08.2011
Zitat von sysopErich Honecker wusste lange vor dem Mauerfall, dass die DDR am Ende ist. Wie Dokumente aus dem privaten Gorbatschow-Archiv zeigen, bekannten seine Kader bei Kontakten mit Sowjets schon 1988: Die Lage ist ausweglos. Zu spät erkannte man den eigenen Fehler -*die Verteufelung der Perestroika. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,778590,00.html
Das fällt schwer zu glauben, dass Honecker die Verteufelung der Perestroika letztendlich als Fehler einschätzte. Er blieb betonköpfig bis zum Schluss. Sein "Baby", die DDR - und nur um deren Erhalt ging es ihm - wäre mit Perestroika und Reformen genausowenig zu retten gewesen. Denn die hätten letztendlich ebenso eine Öffnung oder wenigstens Durchlässigkeit der Mauer bedeutet. Und DAMIT hatte er recht: Ohne Mauer war die DDR am Ende.
2. Nicht nur Honecker
Hubert Rudnick 11.08.2011
Zitat von sysopErich Honecker wusste lange vor dem Mauerfall, dass die DDR am Ende ist. Wie Dokumente aus dem privaten Gorbatschow-Archiv zeigen, bekannten seine Kader bei Kontakten mit Sowjets schon 1988: Die Lage ist ausweglos. Zu spät erkannte man den eigenen Fehler -*die Verteufelung der Perestroika. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,778590,00.html
Das die DDR untergehen würde, dass wusste nicht nur E Honecker, jeder der in der DDR gelebt hatte und seine Augen nicht verschloss konnte den Untergang täglich miterleben. Auch wenn man es sich nicht eingestehen wollte und es dem Volk so deutlich sagte, aber in vielen ihren Reden hätte es jedem klar sein können, dass man am Ende angekommen war. Viele Parteifunktionäre gaben es hinter der vorgehaltenden Hand zu verstehen, dass man nicht mehr weiter wüsste und wer ihnen aufmerksam zuhörte der hätte das Kaos was ja auch zu sehen war auf uns zukommen sehen müssen. Nur eines wurde von M Gorbatschow auch angesprochen, dass man sich als Sozialismus und Kommunismus nicht mehr als Sieger der Geschichte fühlte und das man seine Augen aufmachen sollte und gerade das wollte E Honecker und einige seiner engsten Parteifreunde nicht wahr haben. Der Sozialismus war auf ganzer Ebene gescheitert und die ständige Propagander über die scheinbaren Erfolge des Sozialismus machten alles nur noch lächerlich. Aber die Situation und die Welt real zu betrachtren wollten viele Parteibonzen noch verhindern und man setzte dagegen seine schäfste Waffe, das MfS ein, man glaubte doch tatsächlich mit Waffengewalt noch mal alle hinauszuziehenzu können, aber zum Glück gelang es ihnen nicht. Man kann nicht immer nur die Wahrheit verbergen, man sollte die Fehler erkennen, aber das können ja die heutigen Machthaber auch nicht, auch sie wollen ihren Fehler in der gesellschaftlichen Entwicklung nicht eingestehen und auch heute wird alles scheinbar unternommen um diess Machthaber, das Kapital weiter am Leben zu erhalten. Es ist eben für alle immer schwer selbstkritisch zu sein und Fehler einzugestehen. HR
3. Wie immer
tafkar 11.08.2011
Zitat von sysopErich Honecker wusste lange vor dem Mauerfall, dass die DDR am Ende ist. Wie Dokumente aus dem privaten Gorbatschow-Archiv zeigen, bekannten seine Kader bei Kontakten mit Sowjets schon 1988: Die Lage ist ausweglos. Zu spät erkannte man den eigenen Fehler -*die Verteufelung der Perestroika. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,778590,00.html
Die Lohnschreiberlinge können nicht lesen und nicht formulieren. Nichts in dem Artikel gibt die Eingangsbehauptung her. Aber das macht nichts. Schreibt ruhig so weiter. Ich finde interessant, auf welche Weise der "Große Bruder" (HarHarHar) auf (berechtigte??? Das würde mich interessieren!) Kritik an seiner Art, verträge einzuhalten, reagierte. "Ihr helft ja nicht beim Suchen der Bodenschätze!" (blaffte er zurück) Wer solche Freunde hat...
4. Bitte tiefer schürfen
condor2000 11.08.2011
„der frühere SED-Chef Erich Honecker, 79. Er ist im März in die UdSSR geflüchtet. Dass Honecker ausgerechnet bei Gorbatschow Schutz gesucht hat, um nach der deutschen Wiedervereinigung strafrechtlicher Verfolgung zu entgehen, ist nicht ohne Ironie..“ Dieses Thema scheint für als Autoren? getarnte Nebelkerzenwerfer ein wahrer Leckerbissen zu sein. . Da drückt man schon schnell mal in den Skat , daß eben Herr Gorbatschow Herrn Honnecker wie auch andere ehrlich Rothäute in Bonn gegen ein stattliches Sümmchen ( Mrd) verkauft hat. Auch sollte man nun einmal seinen Wetterhahn auf eine Richtung einstellen. Denn Jahre später hat der nun gefeierte Anti-Kommunist und Maulwurf des Kapitals in der Sowjetspitze Gorbatschow in Ankara mit dem ehrlichsten Gesicht der Welt ( dem gleichen Gesicht wie Powel als er Massenvernichtungswaffen im Irak fand oder Scharping , als er den bösen Hufeisenplan enttarnte ) erklärt , daß sein Lebensziel schon immer der Sturz des Sozialismus war. „ Michail Gorbatschow hatte in gleicher Manier über den Tisch hinweg zurückgeblafft: Moskau sehe die Zusammenarbeit mit Ost-Berlin "skeptisch", die DDR beteilige sich ja nicht einmal an der Erschließung von Rohstoffen in der Sowjetunion. Honecker, so müsse er schlussfolgern, gehe es "nur um kurzfristige Vorteile" für sich. „ Da hat der Nebelkerzenwerfer wohl die vielen Dankesbriefe sowohl der Sowjets als auch des Vorstandes der bundesdeutschen Gas- Holding in den Skat gedrückt , der fast wörtlich formulierte , daß eine solche Leistung der DDR ( gemeint war die Erdgastrasse ) in seinem Wirtschaftsgebiet unmöglich gewesen wäre ..... Der damalige Bundesjustiz- und spätere Außenminister Klaus Kinkel erklärte . am 23. September 1991 auf dem Deutschen Richtertag: „Ich baue auf die deutsche Justiz. Es muss gelingen, das SED-System zu deligitimieren, das bis zum bitteren Ende seine Rechtfertigung aus antifaschistischer Gesinnung, angeblich höheren Werten und behaupteter absoluter Humanität hergeleitet hat, während es unter dem Deckmantel des Marxismus-Leninismus einen Staat aufbaute, der in weiten Bereichen genauso unmenschlich und schrecklich war wie das faschistische Deutschland, das man bekämpfte und – zu Recht – nie mehr wieder erstehen lassen wollte.“ Man muß kein besonderer Denker sein , um darin nicht die Aufforderung zum tausendfachen Rechtsbruch und zum Beginn einer Menschenjagd gegenüber Rothäuten zu erkennen. Mal ehrlich , Herr Nebelkerzenwerfer , wären Sie freiwillig in Kenntnis dessen nach Deutschland zurückgekehrt ? Fazit : Wer die, durch den Maßstab einer starkbebilderten Zeitung vorgegebene, geistige Schürftiefe in der BRD überschreitet , landet in der Ursubstanz , aus dem dieser Artikel zusammengegossen wurde.
5. Farbenlehre
Brand-Redner 11.08.2011
Zitat von Hubert RudnickAber die Situation und die Welt real zu betrachtren wollten viele Parteibonzen noch verhindern und man setzte dagegen seine schäfste Waffe, das MfS ein, man glaubte doch tatsächlich mit Waffengewalt noch mal alle hinauszuziehenzu können, aber zum Glück gelang es ihnen nicht. HR
Ergänzung: Als die Widersprüche anlässlich der Leipziger Montagsdemonstrationen zur Entscheidung drängten, blieb den Herrschenden nur noch die Alternative, aufs eigene Volk zu schießen oder nachzugeben. Gott sei Dank entschieden sie sich für Letzteres, was allerdings den totalen Machtverlust für sie einläutete: Honecker-Ablösung, Maueröffnung und freie Wahlen waren nur noch logische Folge dieses Ganges über den Rubikon. Nicht missverstehen: Deswegen haben Honecker, Krenz & Co. jetzt keinen Ordén verdient, aber man sollte es erwähnen: Diese Diktatur trat - wenn auch spät - ab, ohne dass sie von außen besiegt werden musste. Sie verzichtete auch auf den Versuch, "ihr" Volk mit in den Abgrund zu reißen. Dies für alle jene, welche die politische Farbenlehre nicht beherrschen und immer noch behaupten, Rot sei dasselbe wie Braun!
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Parteienystem der DDR
Parteienbildung nach 1945
Die Sowjetische Militäradministration ließ mit ihrem Befehl Nr. 2 vom 10. Juni 1945 zwar schon frühzeitig die Bildung von Parteien zu (die KPD, die SPD, die CDU und die LDPD). Sie tat dies jedoch vor allem, um die Richtung der Parteien von vornherein steuern zu können. Nachdem es kurzfristig so ausgesehen hatte, als könnten die Kommunisten einen eigenständigen deutschen Weg zum Sozialismus einschlagen, wurde jedoch bald deutlich, daß die sowjetische Führung nicht willens war, in ihrer Besatzungszone Parteien mit unterschiedlichen Konzeptionen zu dulden.

Zwangsvereinigung von KPD und SPD
Im April 1946 kam es zur Zwangsvereinigung von KPD und SPD. Die neue Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) errang dank der sowjetischen Besatzungsmacht allmählich ein Machtmonopol. Die beiden anderen Parteien - die CDU und die LDPD - verloren ihre Eigenständigkeit. Der abgesetzte Vorsitzende der CDU Jakob Kaiser ging in den Westen; der konzessionsbereite Vorsitzende der LDPD Wilhelm Külz verstarb 1948.

In jenem Jahr wurden von der SED zwei weitere Parteien gegründet: die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NDPD).

Blockparteien
Bis 1989 waren die Christliche Demokratische Union der DDR (CDU), die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD), die Liberale Demokratische Partei Deutschlands (LDPD) und die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NDPD) mit der Sozialistischen Einheitspartei (SED) im Demokratischen Block zusammengeschlossen. Als Blockparteien waren sie sowohl in der Volkskammer als auch in der Regierung vertreten - hatten jedoch nahezu keinen politischen Einfluss.

Die Bedeutung der Blockparteien, die die Führungsrolle der Kommunisten anerkannten, erwies sich für die SED als ambivalent. Einerseits schirmten sie deren Herrschaft ab, andererseits hatten sie auch für diejenigen eine Nischenfunktion, die sich der SED entziehen wollten.

Nationale Front
In der Nationalen Front der Deutschen Demokratischen Republik, die jeweils eine Einheitsliste für die Wahlen aufstellte, waren sämtliche Parteien zusammen mit den Massenorganisationen vereinigt. Zu ihnen gehörten der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB), die Freie Deutsche Jugend (FDJ), der Demokratische Frauenbund Deutschlands (DFD), der Kulturbund der DDR (KB) sowie die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB). Diese Massenorganisationen sollten die Bürgerinnen und Bürger der DDR ideologisch erfassen, für die Ziele der SED gewinnen und letztlich auch kontrollieren.

Quelle: Bundeszentrale für politische Bildung