Segelschulschiff der Marine Bundesrechnungshof prüft Kosten für "Gorch Fock"

Hat sich eine Werft mit der Reparatur der maroden "Gorch Fock" reich saniert? Der Bundesrechnungshof untersucht nun die enormen Kostensteigerungen. Der Bund der Steuerzahler spricht von einem Trauerspiel.

Die "Gorch Fock" 2014 in Kiel
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Die "Gorch Fock" 2014 in Kiel


Es dürfte darum gehen, ob der Auftrag korrekt ausgeschrieben wurde - und ob die Reparatur lohnt: Nach enormen Kostensteigerungen für die Überholung der "Gorch Fock" prüft der Bundesrechnungshof den Umgang mit dem maroden Segelschulschiff der Marine.

Die jahrelange Reparatur des Dreimasters soll statt ursprünglich veranschlagter 10 Millionen inzwischen 135 Millionen Euro kosten. "Wir haben im Juni eigene Prüfer in die Werft geschickt, die sich das Schulschiff angeschaut haben", sagte ein Sprecher des Rechnungshofs.

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) berichtet, die Elsflether Weserwerft in Niedersachsen habe seit der Jahrtausendwende jede Ausschreibung gewonnen, "obwohl teilweise bis zu vier weitere Werften sich um die Aufträge bemühen". Eine Bestätigung für diese Information gibt es bislang nicht.

Steuerzahlerbund: Neubau wäre günstiger

Details über den Prüfauftrag für die "Weiße Lady" machte der Sprecher des Rechnungshofs keine. Generell prüfe man aber Ordnungsmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit. Auf dem Schiff, das 1958 vom Stapel gelaufen war, wurde jahrzehntelang der Offiziersnachwuchs der Marine ausgebildet.

Der Präsident des Bundes der Steuerzahler Schleswig-Holstein, Aloys Altmann, sprach angesichts der hohen Kosten für das üblicherweise in Kiel stationierte Schiff von einem "Trauerspiel ohne Ende". Bereits vor vielen Jahren habe man geraten, ein Neubau eines Segelschulschiffes käme viel günstiger als die vielen Reparaturen.

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Bundeswehr: "Mircea" ersetzt "Gorch Fock"

In diesem Sommer nutzt die Marine für Ausbildungsfahrten das rumänische Segelschulschiff "Mircea" - wie bereits 2017 - als Ersatz für die "Gorch Fock". Sie soll voraussichtlich im Frühjahr 2019 wieder einsatzbereit sein. Die Runderneuerung soll eine Nutzungsdauer über das Jahr 2040 hinaus ermöglichen.

Auf den traditionellen Rahseglern lernen die Kadetten der Marine den Seemannsalltag mit Wind, Wetter und Seegang kennen. In den vergangenen Jahren hatte die "Gorch Fock" vor allem mit der Aufarbeitung des Todes der jungen Kadettin Jenny Böken für Schlagzeilen gesorgt. Sie war 2008 bei einer Fahrt in der Nordsee über Bord gegangen.

apr/dpa



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