Grass zu Lafontaine "Halt's Maul, trink deinen Rotwein!"

Das Ende einer Freundschaft: Der Literatur-Nobelpreisträger Günter Grass hat mit dem ehemaligen SPD-Vorsitzenden Oskar Lafontaine wegen dessen Abrechnung mit der SPD gebrochen.


Günter Grass
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Hamburg - "Es passiert mir selten, dass ich Freundschaften aufkündige. Sie sind belastbar. Die mit Oskar Lafontaine ist zu Ende." Das sagte Grass der Zeitung "Die Woche". Der Schaden, den Lafontaine seiner eigenen Partei zugefügt habe, sei zu groß.

Direkt an Lafontaine gewandt, fügte Grass hinzu: "Halt's Maul! Trink deinen Rotwein, fahr in die Ferien, such dir eine sinnvolle Beschäftigung!" Lafontaine habe jeden Anspruch verspielt. Den Rücktritt als Finanzminister halte er für denkbar und möglich. "Aber den Parteivorsitz hinzuschmeißen, das Bundestagsmandat niederzulegen und dann wenige Monate später aus der Ecke zu kommen und seine Abrechnung zu veröffentlichen, das finde ich unentschuldbar", sagte Grass. Die Linke in der SPD solle sich nun nicht verwaist vorkommen. "Es geht auch ohne Oskar Lafontaine."

Über Gerhard Schröder sagte Grass, er sei noch nicht ganz in der Rolle des Bundeskanzlers. Ihm mangele es noch an inhaltlicher Substanz, "das ist durch Show alleine nicht zu machen". Das wisse Schröder aber selber. Weit schwieriger sei es für ihn, in die Rolle des SPD-Vorsitzenden hineinzuwachsen. "Er wird kein Willy Brandt werden, er wird kein August Bebel werden. Aber er könnte von Hans-Jochen Vogel lernen. Ich habe immer noch die Hoffnung, dass er es schaffen wird."



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