Greenpeace gegen DaimlerChrysler: Marshall-Plan für die Umwelt

Von Sebastian Knauer, Magdeburg

Auf dem Uno-DaimlerCrysler-Umweltforum in Magdeburg wird der Autokonzern von Greenpeace scharf angegriffen. Uno-Umweltchef Klaus Töpfer unterstützt den Dialog mit kritischen Umweltgruppen. Ein globaler "Marshall Plan" für die Umwelt soll auch den internationalen Terrorismus bekämpfen.

Wollen Kritiker künftig miteinbeziegen: Die Forums-Veranstalter Matthias Kleinert und Klaus Töpfer
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Wollen Kritiker künftig miteinbeziegen: Die Forums-Veranstalter Matthias Kleinert und Klaus Töpfer

Die kleine Truppe von Greenpeace hatte in Magdeburg vor dem Maritim-Hotel nur ein Plakat ausgerollt - doch das zeigte Wirkung. "Von Verantwortung reden, aber Menschen und Umwelt vergiften", kritisiert Greenpeace-Campagner Wolfgang Lohbeck die Bemühungen des deutsch-amerikanischen Automobilkonzerns DaimlerChrysler, zusammen mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen eine "nachhaltige Mobilität" zu realisieren.

Greenpeace moniert, dass der größte Konzern Deutschlands immer noch nicht serienmäßig Partikelfilter gegen die möglicherweise Krebs erzeugenden Russemissionen in den Dieselfahrzeugen einbaue. Zudem folge DaimlerChrysler bei den Klima schädigenden Kohlendioxid-Emissionen der Politik der deutschen Autoindustrie, die entgegen EU-Recht den "Spritverbrauch von Neufahrzeugen" für den Konsumenten nicht offen lege. Durch "Statistik-Tricks" würden zudem die besonders "Sprit fressenden Off-Roader" mit einem Marktanteil von gut zehn Prozent als Kleinlastwagen aus dem "Durchschnittsverbrauch" herausgerechnet.

Die von DaimlerChrysler als Selbstverpflichtung erklärte "Global Corporate Responsibility", kritisiert Greenpeace-Manager Lohbeck, bleibe somit eine "Worthülse".

"Das sind unfaire Behauptungen, die wir alle widerlegen können", sagt dagegen DaimlerChrysler-Generalbevollmächtigter Matthias Kleinert. Der Konzern investiere jährlich rund 1,5 Milliarden Euro in die Umweltforschung zur Entwicklung neuer Kraftstoffe wie Bio-Diesel, der emissionsfreien Brennstoffzelle oder Naturstoffen wie Flachs oder Kokos, die im Fahrzeugbau eingesetzt werden können.

Auf dem Dritten Umweltforum in Magdeburg präsentiert der Konzern zudem die Weiterentwicklung elektronischer Fahrhilfen, die sowohl zur Unfallverhütung als auch zur Einsparung von Energie und Ressourcen entwickelt wurden. "Natürlich sind wir eine Firma die Profite machen will", sagt Kleinert, "aber nur dann können wir auch unserer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen."

Der Exekutivdirektor des Uno-Umweltprogramms, Klaus Töpfer, Mitveranstalter des Magdeburger Umweltforums, kritisiert, dass "die Hausarbeiten von Rio und Johannesburg" noch nicht gemacht seien. Die Ankündungen der Industriestaaten die Entwicklungshilfe auf "0,7 Prozent des Bruttosozialprodukts" zu verdoppeln, seien im vergangenen Jahrzehnt nicht eingelöst worden. Tatsächlich sind die Leistungen an die ärmeren Länder weiter von 0,35 auf 0,22 Prozent abgesunken.

"Schlechte Wirtschaftspolitik", urteilt Töpfer, "ist auch immer schlechte Umweltpolitik", wie er schon als ehemaliger Bundesumweltminister in Deutschland erfahren musste.

Einen internationalen "Marshall-Plan" für die Umwelt und gegen den Terrorismus fordert auch der Präsident des Club of Rome, Al Hassan bin Talal. "Jeder Dollar, den wir zur Verbesserung der Lebensverhältnisse ausgeben", sagt al-Hassan, "hilft, den politischen Terrorismus einzudämmen." Das Mitglied des jordanischen Könighauses kritisiert die US-Regierung von Präsident George W. Bush, der zuletzt "Milliarden Dollar" in den Aufbau eines Heimatschutz-Ministeriums und den "Ausbau der Festung Amerika" gesteckt habe. "Wir wissen zwar, wie man Kriege führt", sagt al-Hassan, "aber wir wissen nicht, wie wir sie beenden können."

Der Präsident des Club of Rome befürwortet eine "Abgabe auf jede geförderte Tonne Öl" zur Finanzierung eines Umwelt orientierten "Global Marshall Plan", der die Kosten des weltweiten Terrorismus und der umweltbedingten Flüchtlingsbewegungen vermindere. "Damit können wir ein neues ökologisches Wirtschaftswunder erreichen", sagt al-Hassan gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Die Weigerung der USA und Russlands, das internationale Klimaschutzabkommen von Kyoto umzusetzen, kritisiert er als "völlig unbefriedigend". "Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist", zitiert al-Hassan den französischen Denker Victor Hugo.

Für das von DaimlerChrysler für das Jahr 2005 angekündigte 4. Umweltforum in Magdeburg will Klaus Töpfer die Kritiker gleich mit einbeziehen. So sollen die Aktivisten von Greenpeace und anderen Umweltorganisationen nicht frierend draußen vor der Tür stehen, sondern eine eigene Veranstaltung "aller Nicht-Regierungsorganisationen" bekommen.

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