Gysi über Wagenknecht "Sahra ist keine Göttin, und das weiß sie auch"

Da werde "nichts Wesentliches" kommen: Gregor Gysi hat Sahra Wagenknechts Idee einer neuen linken Sammelbewegung kritisiert. Zwar sei die Fraktionschefin "eine Art Ikone". Das heiße aber nicht, dass sie immer recht habe.

Gregor Gysi (2015)
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Gregor Gysi (2015)


Kurz vor dem Linken-Parteitag hat sich Ex-Fraktionschef Gregor Gysi von seiner Nachfolgerin Sahra Wagenknecht und ihrer Idee einer linken Sammlungsbewegung distanziert. Auch wenn er die Idee eigentlich vernünftig finde, sei das Problem, "dass hier eine Bewegung neben der Linkspartei organisiert werden soll und wir schon längst Gesprächskreise mit Unzufriedenen etwa bei den Grünen oder bei der SPD haben", sagte Gysi der "Berliner Zeitung".

Im Übrigen sei es ein Fehler, dass die Sammlungsbewegung von oben und nicht von unten komme. "Man kann so was nicht von oben beschließen. Und der Druck von unten ist nicht da." Da werde "nichts Wesentliches" kommen.

Zwar sei Wagenknecht erfolgreich, "eine Art Ikone, die in den Medien sehr geschickt und klug auftritt und dabei eigenständige Positionen vertritt", sagte Gysi. Das müsse man selbstverständlich nutzen. Aber das heiße auf der anderen Seite nicht, dass sie immer recht habe: "Sahra ist keine Göttin, und das weiß sie auch."

Die Linke kommt ab Freitag in Leipzig zu ihrem Bundesparteitag zusammen - begleitet von Machtkämpfen und Auseinandersetzungen um den Kurs der Partei. Die Linke plagt seit Langem ein Zerwürfnis zwischen der Spitze der Partei und der Führung der Bundestagsfraktion. In Leipzig wird der Parteivorstand neu gewählt. Die Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger stellen sich zur Wiederwahl.

Wagenknecht hatte als Startpunkt für die linke Sammlungsbewegung den September genannt. Sie solle ein Angebot für Menschen sein, "die früher einmal SPD oder auch Grüne gewählt haben, vielleicht auch noch Mitglieder sind, aber mit dem Kurs ihrer Parteien überhaupt nicht mehr einverstanden sind", hatte sie geworben. Wagenknecht und ihr Ehemann, der Ex-Parteivorsitzende Oskar Lafontaine, hatten nach der Bundestagswahl die Idee einer neuen linken Sammlungsbewegung vorangetrieben. Sie begründeten dies damit, dass die klassischen linken Parteien in Deutschland keine Mehrheit mehr hätten.

Der Vorstoß sorgt innerhalb der Linken für heftige Kritik. Die Parteiführung lehnt Wagenknechts Idee einer Sammlungsbewegung ab, weil sie fürchtet, die Linkspartei damit überflüssig zu machen.

Video: Wahlversprechen und andere Lügen - Sahra Wagenknecht

dbate.de

aar/dpa



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sterling 06.06.2018
1.
Gysi hat doch keine Ahnung wovon er redet. Er ist ein Träumer genauso wie die Kipping. Die beiden passen eher zu den Grünen als zu den Linken. Würde Wagenknecht eine eigene Partei gründen hätte sie meine Stimme. In meinen Augen ist sie momentan auch die einzige, die ich mir Kanzler vorstellen könnte. Die restlichen Politiker die ihr Unwesen momentan treiben haben einfach nicht das Format dazu.
mirage122 06.06.2018
2. Konkurrenz-Denken
Es kann wohl nicht sein, was nicht sein darf. Old Boy Gysi soll doch froh sein, dass Sahra bundesweit auf allen Ebenen so ein hohes Ansehen genießt. Bei den augenblicklichen internen Querelen der Linken kann so eine positive Außendarstellung doch nur von Nutzen sein. Die Idee der Sammelbewegung kann durchaus positiv gesehen werden. Die links, sozial, liberal und Neuzeitlich denkenden Wählerschichten benötigen dringend eine Heimat gegen den Murks, den die Merkel-Regierung täglich abliefert.
akohle 06.06.2018
3. Urteile über Personen
fällt man nicht so direkt, wie indiskret. Warum versuchen die nicht einfach mal zusammen zu arbeiten. Mehr schlecht als Recht, Energie-Verschwendung die Nr. Sagt doch auch mal was positives.
RalfHenrichs 06.06.2018
4. Sehe es ähnlich wie Gysi
Es braucht schon bald eine Sammlungsbewegung der vielen Sammlungsbewegungen auf der linken Seite und keine bringt wirklich etwas wesentliches zusammen. Allerdings muss man bei seinen Äußerungen auch berücksichtigen, dass Gysi nie ein Wagenknecht-Fan war. Er hat ja lange dagegen gekämpft, dass sie Fraktionschefin wird. Und jetzt macht sie dies - offenbar auch nach seinen Worten - erfolgreich. Ob seine einseitigen (oder hier nur einseitig zitierten, das weiß ich nicht) Äußerungen vor dem Bundesparteitag sinnvoll sind, bezweifel ich.
GinaBe 06.06.2018
5. Keine Göttin, aber Ikone!
Sicherlich wird die Linke zerrissen, wenn diese neue Ultra- Linken Partei zusammenfände, die selbstverständlich die bisherige überflüssig macht, es sei denn, sie spaltet und vermehrt sich. Anhänger der bisherigen müssten sich entscheiden- und wenn sie ein Konzept hätte, welches enttäuschte Grüne und SPDler überzeugend anzieht, käme eine größere Wählergemeinde zusammen, als bisher... Die Frage ist viel mehr, ob diese Menschen nicht längst das Lager gewechselt haben?! Die neue Sammelbewegung könnte ebenso besonders diese vergrätzen, neues politisches Desinteresse hervorrufen und zu Nicht- Wählern machen. Macht endlich Schluß mit dem Herumgehampel in den Linken Reihen!!
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