FDP-Chef zur Krise Lindner plädiert für vorübergehenden Euro-Austritt Griechenlands

Sollte Griechenland aus dem Euro ausscheiden? Ja, findet FDP-Chef Lindner: "Ein zeitweiliger Grexit wird Europa stärken", sagte er laut Zeitungsbericht.

FDP-Chef Lindner: "Brexit wäre gefährlicher als ein Grexit"
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FDP-Chef Lindner: "Brexit wäre gefährlicher als ein Grexit"


FDP-Chef Christian Lindner sieht Vorteile bei einem Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone, wenn der Grexit zeitlich begrenzt ist. "Unsere Strategie war Solidarität gegen Reformen. Dazu stehen wir - aber in aller Konsequenz. Wenn sich Griechenland Reformen verweigert, darf es keine weiteren Hilfen geben", sagte Lindner der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Lindner findet sogar, "der Gedanke des vereinten Europa" werde "im Zweifel gestärkt, wenn ein chronisch unsolides Mitglied die Eurozone mindestens zeitweise verlässt". Werde "die Autorität des gerade erneuerten Rechts wieder relativiert, würden Fliehkräfte in der EU größer", wird der FDP-Chef zitiert. Der Brexit, das Ausscheiden Großbritanniens aus der EU, wäre für dagegen für Lindner "geostrategisch gefährlicher als der Grexit aus dem Euro".

Er wünsche sich aber "nicht, dass der Plan B nötig wird", sagte Lindner. "Für uns alle wäre die beste Lösung, dass Griechenland noch eine 180-Grad-Wende macht und die Reformen anpackt. Über technische Details für das Krisenszenario will ich nicht öffentlich spekulieren."

Der Europäischen Zentralbank rät Lindner, das Anleihekaufprogramm auszusetzen: "Erstens sollte die EZB Regierungen und Märkte darauf vorbereiten, dass die Zinsen nicht für alle Zeit so niedrig bleiben können. Zweitens sollte sie ihr Anleihekaufprogramm aussetzen. Nicht, weil es nicht erfolgreich wäre, sondern weil es zu erfolgreich ist."

Die Euroländer hatten das Hilfsprogramm für das vom Staatsbankrott bedrohte Griechenland im Februar nochmals um vier Monate bis Ende Juni verlängert. Voraussetzung für weitere finanzielle Hilfe ist eine Liste mit belastbaren Reformen, welche die neue Regierung in Athen bisher aber trotz vieler Zusagen nicht vorgelegt hat. Termin dafür war eigentlich Ende April. Am 11. Mai findet das reguläre Treffen der Euro-Finanzminister statt.

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