Rückkehr auf den Kapitalmarkt CSU-Vize Gauweiler kritisiert Emission griechischer Staatsanleihen scharf

Erleichtert registrieren Berlin und Athen den erstmaligen Verkauf von griechischen Anleihen seit Ausbruch der Krise. Doch es gibt auch Bedenken: Investoren hätten "schon wieder jedes Risikobewusstsein verloren", warnt CSU-Vize und Euro-Kritiker Gauweiler.

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CSU-Politiker Gauweiler: "Bezahlen müssen diesen Wahnsinn die Steuerzahler der Geberländer"
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CSU-Politiker Gauweiler: "Bezahlen müssen diesen Wahnsinn die Steuerzahler der Geberländer"


Berlin - Peter Gauweiler gehört schon lange zu den schärfsten Kritikern der Euro-Politik. Mehrmals ist er deswegen vor das Bundesverfassungsgericht gezogen, hat für Mitsprachrechte des Parlaments gestritten, teils erfolgreich.

Den jüngsten Verkauf von Staatsanleihen durch den griechischen Staat - erstmals seit Ausbruch der Krise vor fast vier Jahren wurden damit drei Milliarden Euro in die Staatskasse gespült - sieht der CSU-Vizevorsitzende nicht als positives Signal einer Erholung.

Während Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Weg zu einem Kurzbesuch nach Athen war, warnte Gauweiler an diesem Freitag in einer Presseerklärung vor dem Anleihe-Programm und kritisierte insbesondere die Europäische Zentralbank (EZB) und den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM).

"Finanzpolitisch ist die Anleiheemission ein Alarmsignal: Die Marktteilnehmer haben schon wieder jedes Risikobewusstsein verloren. Die Investoren wiederholen exakt dieselben Fehler, die die Krise verursacht haben: Sie finanzieren einen Schuldner, der zur Rückzahlung der Kredite - also der Staatsanleihen - definitiv nicht in der Lage sein wird. Bezahlen müssen diesen Wahnsinn die Steuerzahler der Geberländer", so Gauweiler.

Nach Ansicht des CSU-Politikers sind allein die Investoren die Profiteure. Die Banken holten sich bei der EZB für 0,5 Prozent Zinsen Kredit und kauften damit griechische Staatsanleihen, für die sie 4,75 Prozent Zinsen bekämen. "Die Euro-Krise wird durch diese Politik verschärft", glaubt der CSU-Bundestagsabgeordnete.

"Wenn jetzt die Emission griechischer Staatsanleihen am Kapitalmarkt auf großes Interesse stößt, dann liegt das einzig und allein daran, dass die privaten Investoren sich darauf verlassen können, dass ESM und EZB für die Risiken geradestehen", so Gauweiler. Die Investoren strichen jetzt risikolose 4,75 Prozent Zinsen ein, während die Euro-Staaten sich mit durchschnittlich 1,5 Prozent Zinsen für ihre Hilfskredite begnügten, kritisierte er die Anleihenausgabe.

Vorsichtigen Optimismus äußerte hingegen im Interview mit SPIEGEL ONLINE der Chef der EU-Task-Force, Horst Reichenbach:. "Dies ist ein potentieller Wendepunkt für das Land", sagte er. Die Märkte würden sehen, dass es in Griechenland politische Unterstützung und Zustimmung für Reformen gebe.

Erleichterung in Athen

Internationale Geldgeber und griechische Regierung reagierten erleichtert auf die geglückte Rückkehr Griechenlands an den Kapitalmarkt. Nach Angaben des Finanzministeriums wurden insgesamt drei Milliarden Euro am Anleihemarkt eingesammelt, rund eine halbe Milliarde mehr als angepeilt.

Die Nachfrage nach den neuen Staatspapieren mit fünfjähriger Laufzeit war enorm: Es gingen Gebote über 20 Milliarden Euro ein. Fast 90 Prozent der Papiere wurden laut Ministerium an Investoren im Ausland verkauft. Um die Titel am Markt unterzubringen, holte sich Athen Unterstützung großer Banken, darunter Goldman Sachs, JPMorgan und die Deutsche Bank.

Griechenland war seit der Beinahepleite im Frühjahr 2010 vom privaten Kapitalmarkt abgeschnitten, weil Anleger wegen des finanziellen Desasters das Vertrauen in das Land verloren hatten. In der Schuldenkrise kletterte die Rendite zehnjähriger Papiere zeitweise auf über 30 Prozent - das konnte sich der griechische Staat nicht mehr leisten.

Nun erhalten die Anleger eine Nominalverzinsung von 4,75 Prozent. Das ist in Zeiten rekordniedriger Leitzinsen und im Vergleich zu den meisten anderen Euro-Ländern viel, aber dennoch deutlich weniger als erwartet. "Alles was unter 5,3 Prozent liegt, ist für uns super", hatte es vor der Versteigerung aus dem Finanzministerium geheißen.

Mit Reuters

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caligus 11.04.2014
1. Dass mir der Gauweiler ...
... eines Tages mal aus der Seele spricht, hätte ich nie für möglich gehalten. Wir werden gerade alle erneut nach Strich und Faden ver...
man 11.04.2014
2. Der Ruf
des Mahners verhallt in der alternativlosen Eurorettungsmanie selbstverliebter Politiker, Förderer des systemischen Roulette der Banken, Fonds zu Lasten der Steuerzahler.
Binideppert? 11.04.2014
3. Der...
...Gauweiler ist wieder einer der wenigen, die es blicken! Hier wird wieder auf den Bail Out spekuliert!
kv21061929 11.04.2014
4. ein Geschenk für Investoren
wie recht der Gauweiler doch hat. Risikolos 4,75% einstreichen, weil Merkel garantiert. Es ist keine Frage mehr das das ganze Euro- System kolabieren wird, und es wird schneller kommen als wir denken. Hoffentlich denken dann alle CDU- Wähler daran wen sie das zu verdanken haben. Merkel ist und bleibt der Schutzpatron der Investoren, des Kapitals, der internationalen Konzerne. Es lebe Merkels marktkonforme Demokratie.
romeov 11.04.2014
5. Es grüßt die Europawahl
Freundliche, lächelnde Politiker überall. Die Kanzlerin wird wahrscheinlich im baisser-rosafarbenen Hosenanzug anreisen wegen dem Kontrast zu den Schäfchen-Wolken und dem strahlend blauen Himmel. Sie wird in höchsten Tönen die Fortschritte in Griechenland loben, bis uns der Laden nach der Europawahl wieder erneut um die Ohren fliegt.
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