Entschädigung für Kriegsverbrechen Bundesregierung lehnt Athens Forderungen ab

Im Streit über Reparationen für NS-Verbrechen plant Athen die Beschlagnahmung von deutschem Eigentum in Griechenland und fordert Entschädigungszahlungen. Doch die Bundesregierung lehnt das ab: Das Kapitel sei abgeschlossen, heißt es.

Varoufakis und Tsipras: Deutschland weist Forderungen zurück
AFP

Varoufakis und Tsipras: Deutschland weist Forderungen zurück


Berlin - Die griechische Regierung lässt nicht von den Reparationsforderungen aus dem Zweiten Weltkrieg ab. Deutsches Eigentum solle in Griechenland beschlagnahmt werden, fordert Justizminister Nikos Paraskevopoulos. Ministerpräsident Alexis Tsipras fordert eine Milliardenzahlung. Doch die Bundesregierung winkt ab. "Die Frage von Reparationen und Entschädigungszahlungen ist rechtlich und politisch abgeschlossen", bekräftigte Regierungssprecher Steffen Seibert.

Ein Sprecher des Finanzministeriums sagte, für die Bundesregierung falle auch eine 1942 von Deutschland verhängte Zwangsanleihe unter das Kapitel Reparationen. "Und dieses Kapitel ist für uns rechtlich und politisch abgeschlossen", sagte er.

Aktuell gebe es auch keine Gespräche darüber: Das Thema sei weder in den Gesprächen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Tsipras noch zwischen Finanzminister Wolfgang Schäuble und dessen griechischen Amtskollegen Giannis Varoufakis angesprochen worden, sagten die Sprecher.

Die Linken-Politikerin Annette Groth, Vorsitzende der deutsch-griechischen Parlamentariergruppe im Bundestag, forderte hingegen eine Zahlung von elf Milliarden Euro an Griechenland. "Es ist eine moralische Verpflichtung Deutschlands, das Geld zu zahlen, selbst wenn es völkerrechtlich dazu verschiedene Meinungen gibt", sagte Groth der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich finde den Vorschlag des griechischen Finanzminister Giannis Varoufakis richtig, dass das Geld verwendet werden sollte, um in Griechenland eine Förderbank nach Vorbild der KfW aufzubauen."

Die Drohung aus Athen, deutsches Eigentum zu beschlagnahmen, überschattete den Start der ersten Gespräche zwischen Griechenland mit den Experten seiner internationalen Geldgeber seit dem Amtsantritt der neuen Regierung in Athen Ende Januar. Am Nachmittag sollten dazu Vertreter der griechischen Regierung und Experten der bisherigen Gläubiger-Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Brüssel zusammenkommen.

vek/Reuters/AFP

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insgesamt 116 Beiträge
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kimba_2014 11.03.2015
1.
Die Linken natürlich mal wieder gegen deutsche Interessen, wen wundert es noch. Wenn es nach denen geht, zahlt Deutschland wirklich für alles und jeden.
h.kuebler 11.03.2015
2. hab ich erwartet
Das war ja klar, dass Griechenland heute einen Brüller für die Presse brauchte, nachdem heute die Verhandlungen mit der Troika (ähäm, soll man ja anders nennen) wieder angefangen haben. Da muss doch abgelenkt werden, nach dem spektakulären "Rauswurf" und den Versprechungen im Wahlkampf.
dereuropaeer 11.03.2015
3.
Obelix würde sagen" Die spinnen, die Griechen". Und auf Erpressung steht bekanntluch eine Gefängnisstrafe.
oidahund 11.03.2015
4. Das immer gleiche ....
Spiel! Die Reparationen sind abschließend geregelt worden. Damit ist gut. Der bloße Zufall will es natürlich, dass die Forderungen aus GR ziemlich genau den bisherigen Schulden entsprechen. Durch das ständige darauf herumkauen wird doch nur bewirkt, dass bei der Erwähnung des 2 WK inklusive der damit in Zusammenhang stehenden Verbrechen, immer mehr Menschen genervt abwinken uund die Bereitschaft mit der Beschäftigung und den moralischen Lehren, die daraus zu ziehen sind, untergehen.
senioriii 11.03.2015
5. Rohrkrepierer
Das ist ein doppelter Rohrkrepierer für Griechenland. Nicht nur deutsche Unternehmer werden es sich jetzt allein auf Grund der Drohung zweimal überlegen in Griechenland zu investieren. Und umgekehrt kann die griechische Flotte ja auch Ziel von Beschlagnahmungen wegen unbezahlter Rechnungen des griechischen States werden.
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