Hamburg/Berlin - Die Aufregung ist groß in Berlin - genauer gesagt: Es gibt Riesenärger. Und mal wieder geht es um den richtigen Umgang mit dem größten aller Sorgenkinder der Euro-Zone. "Mehr als skeptisch" hatte sich FDP-Chef Philipp Rösler am Sonntag in der ARD gezeigt, dass Griechenland die Auflagen seiner internationalen Kreditgeber erfüllen könne. Dann schob der Bundeswirtschaftsminister noch ziemlich unverblümt den Rat an die Regierung in Athen hinterher, den Euro aufzugeben und zur Drachme zurückzukehren. "Für mich hat ein Austritt Griechenlands längst seinen Schrecken verloren."
Damit hat Rösler den Unmut vieler auf sich gezogen: "Unverantwortlich" nannte die Opposition in Person des SPD-Haushaltsexperten Carsten Schneider die Einlassungen Röslers und forderte von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) die Entlassung ihres Ministers. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin brachte Röslers Aussagen in Verbindung mit der drohenden Abstufung der deutschen Top-Bonität durch die Rating-Agentur Moody's.
Und Griechenlands Regierungschef Antonis Samaras zürnte, einige europäische Politiker täten "alles, was in ihrer Macht steht, damit wir scheitern". Selbst aus den Reihen der eigenen Koalition bezog Vizekanzler Rösler Schelte, sein Parteifreund Jorgo Chatzimarkakis erklärte gar im griechischen Fernsehen, er schäme sich für die Äußerungen.
Dabei sind derartige Irritationen fast schon der Normalfall im chaotischen Umgang der schwarz-gelben Koalition mit der Causa Griechenland, seit im Herbst 2009 offenbar wurde, wie sehr das Land jahrelang über seine Verhältnisse gelebt hatte.
Mit immer neuen Äußerungen erwecken Politiker von Union und FDP seitdem den Eindruck, dass sich die Koalition beim Umgang mit der Griechenland-Krise im kontinuierlichen Blindflug befindet: Unterschätzten sie anfangs die brisante Situation noch fast einmütig, traten sie bald mit einander widersprechenden Vorschlägen und Forderungen auf.
SPIEGEL ONLINE dokumentiert die griechische Tragödie und das Chaos in der Krisenpolitik der schwarz-gelben Koalition in Zitaten:
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