Großburgwedel Ermittler durchsuchen Haus von Christian Wulff

Der Druck auf Christian Wulff steigt. Die Staatsanwaltschaft Hannover hat das Haus des zurückgetretenen Bundespräsidenten in Großburgwedel durchsucht. Gegen Wulff wird wegen Verdachts auf Vorteilsannahme ermittelt. Eine Überraschung war der Auftritt der Ermittler für ihn nicht.


Hamburg - Die Staatsanwaltschaft Hannover hat am Freitag das Privathaus des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff in Großburgwedel durchsucht. Das bestätigte die Behörde SPIEGEL ONLINE. Es geht um den Verdacht der Vorteilsannahme.

Ein Staatsanwalt und fünf Beamte des Landeskriminalamts begannen gegen 17.15 Uhr mit der Durchsuchung. Es seien unter anderem Computer mit Festplatten beschlagnahmt worden. Gegen 21 Uhr verließen die Ermittler das Haus.

Ursprünglich war die Aktion offenbar bereits am Donnerstag geplant gewesen, wegen starken Medienandrangs aber verschoben worden. Überraschend kamen die Ermittler in diesem Fall jedoch nicht: Die Aktion habe im Einvernehmen mit dem Ehepaar Wulff stattgefunden, hieß es. Daher sei ein förmlicher Durchsuchungsbeschluss nicht nötig gewesen. "Der Herr Bundespräsident a.D. ist kooperativ", sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Jürgen Lendeckel.

Wulffs Anwalt Gernot Lehr erklärte: "Zur zügigen Aufklärung des gegen ihn erhobenen Vorwurfs hat Herr Christian Wulff die Durchführung von Ermittlungsmaßnahmen in seinen Privaträumen freiwillig angeboten und ermöglicht. Diese Maßnahmen finden seine volle Unterstützung."

Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt gegen Wulff und den Filmproduzenten David Groenewold wegen des Verdachts der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung. Wulff hatte sich als niedersächsischer Ministerpräsident auf Kosten Groenewolds einen Kurzurlaub auf Sylt bezahlen lassen. Wulff will die Kosten dafür in bar erstattet haben. Eine von Groenewolds Firmen hatte zuvor in Niedersachsen eine Landesbürgschaft erhalten. Wulff war nach dem Antrag auf Aufhebung der Immunität am 17. Februar vom Amt des Bundespräsidenten zurückgetreten.

Niedersächsische Staatskanzlei übergibt 450 Seiten an die Staatsanwaltschaft

Am Donnerstag hatte bereits bei Groenewold eine erstaunlicherweise ebenfalls vorab vereinbarte Durchsuchung stattgefunden. Bei der Durchsuchung der Büroräume und der Privatwohnung in Berlin sei umfangreiches Daten- und Aktenmaterial sichergestellt worden.

Die niedersächsische Staatskanzlei hat inzwischen weitere Unterlagen an die Staatsanwaltschaft übergeben. "Insgesamt wurden rund 450 Seiten aus unserem Haus abgegeben", sagte ein Sprecher von Ministerpräsident David McAllister (CDU). In allen Ministerien würden Mitarbeiter weiter nach Unterlagen zum Verhältnis von Wulff und dem Filmproduzenten suchen. Es werde zudem nach Akten zum Verhältnis von Groenewold und Wulffs früherem Sprecher Olaf Glaeseker gesucht.

Gegen Glaeseker ermittelt die Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit dem Lobbytreffen Nord-Süd-Dialog wegen Verdachts der Bestechlichkeit. Glaeseker war schon Sprecher von Wulff, als dieser noch Ministerpräsident in Niedersachsen war. Im Dezember war Glaeseker von seinen Aufgaben entbunden worden.

Ehrensold ist rechtens

Nachdem das Bundespräsidialamt bereits der Auszahlung des Ehrensolds in Höhe von 199.000 Euro pro Jahr an Wulff zugestimmt hatte, haben nun auch die Haushaltsexperten des Bundestags das umstrittene Ruhegeld durchgewinkt.

Eine Aberkennung des Ehrensolds sei auch dann nicht möglich, sollte das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Hannover zu einer Verurteilung Wulffs führen.

Ex-Präsident Köhler: Mehr Wahrhaftigkeit in der Politik

Unterdessen hat sich der frühere Bundespräsident Horst Köhler zu den Turbulenzen um das Amt des Bundespräsidenten geäußert. Die Lehre aus dem Rücktritt von Christian Wulff müsse sein, "dass wir in Deutschland mehr Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit in der Politik brauchen und mehr Respekt nötig ist, wie man zwischen Politikern und Nicht-Politikern miteinander umgeht", sagte Köhler laut einem Vorabbericht der "Stuttgarter Nachrichten" bei einer Veranstaltung.

Köhler betonte, sein Rücktritt und der von Wulff seien zwei völlig unterschiedliche Fälle. Für den Rücktritt von Wulff gebe es "ein komplexes Ursachenbündel", man könne nicht den Medien die alleinige Schuld geben.

lgr/ffr/dpa/dapd/AFP/Reuters

insgesamt 172 Beiträge
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Seite 1
flower power 02.03.2012
1. Ich lach mich schlapp
Zitat von sysopErmittler haben Christian Wulff einen Besuch abgestattet. Wegen des Verdachts der Vorteilsannahme gegen den ehemaligen Bundespräsidenten haben sich Beamte am Freitagabend in Wulffs Wohnhaus in Großburgwedel aufgehalten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,818993,00.html
Da hat das LKA bei Wulff´s vorher anfragen lassen, wann es genehm wäre. Wenn die bei allen so unprof. und alegant vorgehen fangen die nie einen. Herr Verbrecher sind sie persönlich am telefon? Wann dürfen wir ihnen die Aufwartung machen....ja gehts noch. Die Banane hat DE erobert - Bananenrepublik Deutschland.
by_the_way 02.03.2012
2. Kaminfeuer
Zitat von sysopErmittler haben Christian Wulff einen Besuch abgestattet. Wegen des Verdachts der Vorteilsannahme gegen den ehemaligen Bundespräsidenten haben sich Beamte am Freitagabend in Wulffs Wohnhaus in Großburgwedel aufgehalten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,818993,00.html
Da wird es ja gestern kuschelig bei Wulffs gewesen sein - so beim Kaminfeuer. Durchsuchung mit Ankündigung - ich fasse es nicht
andrews45 02.03.2012
3.
Zitat von sysopErmittler haben Christian Wulff einen Besuch abgestattet. Wegen des Verdachts der Vorteilsannahme gegen den ehemaligen Bundespräsidenten haben sich Beamte am Freitagabend in Wulffs Wohnhaus in Großburgwedel aufgehalten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,818993,00.html
Warum die kurzfristige Absage der Durchsuchung am Vormittag des Vortages? Da muss man ja fast zwangsläufig anfangen zu spekulieren.
sugar1 02.03.2012
4. Hallo, so blöd ist nicht mal Wullf...
Zitat von sysopErmittler haben Christian Wulff einen Besuch abgestattet. Wegen des Verdachts der Vorteilsannahme gegen den ehemaligen Bundespräsidenten haben sich Beamte am Freitagabend in Wulffs Wohnhaus in Großburgwedel aufgehalten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,818993,00.html
Kluge Entscheidung jetzt nach 3 Monate das Objekt zu durchsuchen.^^ Falls was gefunden werden sollte bitte auf die Sonderschule mit dem Ex-Präsi, doppellach...
pumpernickl1811 02.03.2012
5. was soll das schon wieder?
Zitat von sysopErmittler haben Christian Wulff einen Besuch abgestattet. Wegen des Verdachts der Vorteilsannahme gegen den ehemaligen Bundespräsidenten haben sich Beamte am Freitagabend in Wulffs Wohnhaus in Großburgwedel aufgehalten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,818993,00.html
Am Donnerstag Durchsuchung bei Groenewold (wurde bei Spon nicht berichtet, oder?). Wenn das keine saubere Vorwarnung für Wulff war, noch rechtzeitig verdächtige Unterlagen zu entsorgen.
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