Koalitionspoker SPD bei Betreuungsgeld zu Kompromiss bereit

Die SPD geht einen weiteren Schritt in Richtung Große Koalition. Nach SPIEGEL-Informationen signalisieren die Genossen Entgegenkommen beim Betreuungsgeld - das sie im Wahlkampf strikt abgelehnt hatten: Künftig sollen die Länder über die Auszahlung entscheiden.

SPD-Idee: Länder könnten über Betreuungsgeld entscheiden
DPA

SPD-Idee: Länder könnten über Betreuungsgeld entscheiden


Berlin/Hamburg - Vor der zweiten Sondierungsrunde für eine Große Koalition rückt die SPD von ihrer harten Haltung bei der Abschaffung des Betreuungsgelds ab. Nach SPIEGEL-Informationen will die Parteispitze bei der Union für einen Kompromiss werben.

Titelbild
Mehr dazu im SPIEGEL
Heft 42/2013
Der Papst der Armen und sein verschwenderischer Bischof

Demnach sollen die Bundesländer mit Hilfe einer Öffnungsklausel selbst entscheiden können, ob sie die Leistung auszahlen wollen oder nicht. Die Bundesländer, die das Betreuungsgeld abschaffen würden, könnten dann das gesparte Geld bei Bedarf in den Kita-Ausbau stecken. Hamburgs Erster Bürgermeister und stellvertretende SPD-Chef Olaf Scholz sagte dem SPIEGEL, er sei überzeugt, dass der Bund für das Betreuungsgeld "nicht zuständig ist". Die Stadt Hamburg klagt vor dem Bundesverfassungsgericht gegen das Betreuungsgeld.

SPD-Vize Scholz: "Die Wähler haben uns beauftragt"

Scholz hat sich vor Beginn der zweiten Sondierungsrunde mit der Union für eine Große Koalition ausgesprochen: "Die Wähler haben uns beauftragt, aus dem Wahlergebnis etwas zu machen", sagte Scholz im Interview mit dem SPIEGEL. "Die SPD hat vor vier Jahren nicht wegen ihrer Beteiligung an der Großen Koalition ein so miserables Ergebnis erzielt." Er fürchte sich nicht vor einer Neuauflage: "Eine Niederlage ist keine Gesetzmäßigkeit nach einer Großen Koalition."

Zugleich forderte der Hamburger Erste Bürgermeister Konsequenzen aus der Wahlniederlage der SPD bei der Bundestagswahl: "Wer annimmt, dass wir dieses Ergebnis nicht debattieren werden, liegt falsch", sagte Scholz. Man könne nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. "Die Diskussionen werden auf alle Fälle kommen", so der SPD-Politiker.

Indirekt nannte Scholz den Streit zwischen Parteichef Sigmar Gabriel und Kanzlerkandidat Peer Steinbrück als eine Ursache für die Niederlage. "Man muss zusammenhalten", so Scholz. Das sei "überwiegend" gelungen.

Auch in der Union wächst die Zahl der Unterstützer einer schwarz-roten Koalition. "Die anstehende Legislaturperiode ist die wichtigste seit der Einheit", sagt Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU). "Die Finanzausstattung der Länder, der Solidarpakt und der Länderfinanzausgleich müssen neu geregelt werden. Dafür brauchen wir alle SPD-regierten Länder im Boot. Das ist ein entscheidendes Argument für Schwarz-Rot im Bund."

Am Montag treffen sich Union und SPD zur zweiten Sondierungsrunde, am Dienstag steht das nächste Gespräch mit den Grünen an. Spätestens für Mitte der Woche wird mit einer Entscheidung im Koalitionspoker gerechnet.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 106 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Ralf1412 13.10.2013
1. Es war einmal im Jahre 2013
eine Volkspartei namens SPD, die sich über den Wählerwillen, zugunsten einiger Minister-Posten ,hinweg setzten. Im Jahre 2017 gab es die Volkspartei nicht mehr! Stattdessen gab es in Deutschland eine Einheitspartei namens CED mit einer allmächtigen Staats(rat)-Vorsitzenden namens A.M.....wirklich ein Märchen?
keksen 13.10.2013
2.
Zitat von sysopDPADie SPD geht einen weiteren Schritt in Richtung Große Koalition. Nach SPIEGEL-Informationen signalisieren die Genossen Entgegenkommen beim Betreuungsgeld - das sie im Wahlkampf strikt abgelehnt hatten: Künftig sollen die Länder über die Auszahlung entscheiden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/grosse-koalition-spd-bei-betreuungsgeld-zu-kompromiss-bereit-a-927574.html
Die SPD wird sich schon selbst zurecht stutzen. Die Linke wird sich freuen. Aber vielleicht hilft das den weniger roten Genossen sich wieder an alte Zeiten zu erinnern. Zu wünschen wäre das.
mehrgedanken 13.10.2013
3. Man könne nicht einfach zur Tagesordnung übergehen
Zitat von sysopDPADie SPD geht einen weiteren Schritt in Richtung Große Koalition. Nach SPIEGEL-Informationen signalisieren die Genossen Entgegenkommen beim Betreuungsgeld - das sie im Wahlkampf strikt abgelehnt hatten: Künftig sollen die Länder über die Auszahlung entscheiden. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/grosse-koalition-spd-bei-betreuungsgeld-zu-kompromiss-bereit-a-927574.html
Tut Ihr aber! Scholz ist also das nächste Windei-letzte Woche verkündete er noch patzig dass er keine Neuwahlen meiden würde... jetzt möchte er ein Ministeramt? Man kann Euch, mit Verlaub, nicht mehr ernst nehmen. Die nächsten Wahlen kommen bestimmt, dann fliegt Euch das Taktieren für Posten um die Ohren. dto bei den Grünen. Nahles und KGE, das Dreamteam schlechthin, malt die Kanzlerin rot oder grün an, was muss man eigentlich tun um so masochistisch draufzukommen?
berns 13.10.2013
4. Die SPD macht sich noch unglaubwürdiger.
Diese SPD kann man nie mehr wählen. Sie verrät zum abertausendsten mal ihr eigenes Programm und verarscht die Wähler.
jayram 13.10.2013
5. Konnte man erwarten
dass die SPD umfällt, schon das sich die CDU/CSU ein weiteres Mal mit den Grünen trifft, hat den SPD Oberen den Schweiß unter die Axeln getrieben. Man möchte am großen Haushaltspot mit ganz vorne sein. Bei der nächsten Wahl sind es dann noch 15%, das hätten sie verdient diese Umfaller.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.