Aus Kabul berichtet Matthias Gebauer
Im Zuge einer Anti-Terror-Operation von afghanischen und amerikanischen Spezialkräften ist im Raum Kunduz ein hochrangiger Taliban-Führer getötet worden. Wie SPIEGEL ONLINE aus amerikanischen Militärkreisen erfuhr, wurde der Taliban-Kommandeur Kari Bashir bei heftigen Kämpfen bereits am Dienstag nahe der Ortschaft Gul Tepa westlich der Stadt Kunduz getötet.
Kari Bashir gilt als einer der wichtigsten Kommandeure der Region. Er befehligte eine Gruppe von bis zu 70 Kämpfern, die Teile des Distrikts Khanabad östlich von Kunduz kontrollierten.
Der Tod von Bashir, einem etwa 35-jährigen Mann, gilt nach Aussagen von Geheimdienstlern in Afghanistan als "großer Erfolg" im Kampf gegen die im Raum Kunduz operierenden Taliban-Gruppen. Der afghanische Geheimdienst NDS führte Bashir seit Jahren in einer Art Fahndungsliste mit den zehn meistgesuchten Taliban der Region.
Der Kommandeur soll bei mehreren Anschlägen gegen die Bundeswehr in den vergangenen Monaten mitgewirkt haben. Die Bundeswehr wurde von der US-Armee umgehend informiert, deutsche Kräfte waren jedoch an der Operation selbst nicht beteiligt.
Die US-Spezialkräfte sind derzeit nicht im Rahmen des Mandats der Schutztruppe Isaf im Raum Kunduz eingesetzt. Die streng geheim agierenden Kräfte der "Operation Enduring Freedom" suchen im Raum Kunduz seit Dienstag gemeinsam mit afghanischen Einheiten gezielt nach Taliban und anderen Terroristen. Dem Vernehmen nach töteten sie auch mehrere ausländische Kämpfer.
Mehrmals warfen US-Jets auch Bomben über dem Gebiet ab, es soll zusätzlich gezielte Attacken von unbemannten Drohnen gegeben haben. Die Bundeswehr wurde vor der Operation informiert, damit deutsche Kräfte nicht in Gefahr gerieten.
Der Gouverneur von Kunduz sagte SPIEGEL ONLINE, seit Beginn dieser Operation seien 38 Taliban-Kämpfer getötet, zehn verletzt und acht festgenommen worden. Unter den getöteten Personen seien vier tschetschenische Kämpfer und mehrere lokale Kommandeure der Aufständischen.
Den Angaben zufolge soll die Operation noch mehrere Tage andauern. Neben der Ortschaft Gul Tepa werde auch in dem bei den Deutschen gefürchteten Unruheherd Chahar Darreh gekämpft.
US-Spezialkräfte schrecken vor gezielter Tötung nicht zurück
Die Großoperation illustriert, wie sich die Lage rund um Kunduz gegenwärtig verändert. Immer häufiger gehen Spezialeinheiten der US-Armee gezielt gegen die Taliban vor, die mit Anschlägen und Straßensperren die Nachschubroute der Nato durch den Norden lahmlegen wollen.
Im Gegensatz zu den Deutschen schrecken die Amerikaner dabei vor gezielten Tötungen von Verdächtigen nicht zurück und gehen rigoros bei ihren Einsätzen vor. Ob es bei den Angriffen auf die Aufständischen auch zu zivilen Opfern gekommen ist, wurde bisher nicht bekannt.
Anfang Oktober hatten deutsche Elitesoldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK) ebenfalls in einem Dorf bei Aliabad, gut 20 Kilometer südlich des Bundeswehrstandorts in Kunduz, 15 Verdächtige festgenommen. Die KSK-Kämpfer griffen gegen drei Uhr morgens zu, Kampfhubschrauber unterstützten die Aktion aus der Luft.
Die Operation wurde gemeinsam mit dem afghanischen Geheimdienst NDS durchgeführt, verletzt wurde niemand. Der afghanische Dienst vermutet, dass die Festgenommenen zu der Gruppe gehörten, die Nato-Transporte angegriffen hatte.
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