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Großrazzia gegen IS-Unterstützer: Salafisten sollen in Kirchen eingebrochen sein

Von , Düsseldorf

Polizei und Justiz haben ein Netzwerk von Islamisten gesprengt. Neun Männer aus Nordrhein-Westfalen sollen dschihadistische Gruppierungen in Syrien unterstützt haben, unter anderem mit Diebstählen aus Kirchen und Schulen.

Den Sicherheitsbehörden aus Bund und Ländern ist ein schwerer Schlag gegen die dschihadistische Unterstützerszene in Deutschland gelungen. Bundesanwaltschaft und Staatsanwaltschaft Köln haben am Mittwochmorgen in Nordrhein-Westfalen insgesamt neun Islamisten festgenommen. Sie sollen Terrororganisationen in Syrien wie den "Islamischen Staat" unterstützt haben.

"Die Festnahmen und Durchsuchungen beweisen, dass die Sicherheitsbehörden wachsam sind und sämtliche Möglichkeiten zur Bekämpfung extremistischer Salafisten nutzen", sagte NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD). Insgesamt hatten 240 Beamte 40 Wohnungen in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, und Bayern durchsucht.

Bei den Salafisten handelt es sich nach Erkenntnissen der Beamten um eine Gruppierung, die sich um den 31-jährigen Kais B. O. gebildet hatte. Dazu zählten seine Brüder Lazhar, 22, Sofien, 35, und Omar, 25, sowie seine Freunde Mustapha A., 25, Anoaur J., 25, Ali Ö., 23, und Usman A., 29. Ihnen wird die Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat vorgeworfen.

Die Ermittlungsgruppe "Reise" der Kölner Polizei ist überzeugt, dass die in Köln, Siegen, Bergisch-Gladbach, Kreuztal und Netphen lebenden Männer in zahlreiche Schulen und Kirchen eingebrochen sind und dort wertvolle sakrale Gegenstände gestohlen haben. Die Beute hätten die Täter zum Teil an Dschihadisten in Syrien weiterleiten wollen. Zum anderen Teil wollten sie damit die Ausreise von Gesinnungsgenossen nach Syrien finanzieren, wie die Staatsanwaltschaft Köln mitteilte.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE waren Unbekannte im vergangenen Dezember in die St.-Bartholomäus-Kirche im Kölner Stadtteil Porz eingedrungen. Sie hatten damals mehrere Kelche entwendet.

Verdeckte Ermittlungen seit Mai 2013

Gegen Kais B. O. ermittelt zugleich auch der Generalbundesanwalt in Karlsruhe, weil der aus Siegen stammende Salafist seit 2013 mindestens drei Kämpfer für den IS angeworben haben soll. Außerdem habe er die Terrortruppe "Junud al-Sham" mit 200 Euro unterstützt, hieß es. Zusammen mit dem ebenfalls festgenommenen Mirza Tamoor B., 58, und sechs weiteren Personen bildete Kais B. O. nach Angaben der Ermittler ein IS-Unterstützernetzwerk. B. wiederum habe mitgewirkt, zwei weitere sogenannte Gotteskrieger aus Deutschland nach Syrien zu schleusen, teilte die Bundesanwaltschaft mit. Außerdem habe er dem IS und der Terrororganisation "Ahrar al Sham" insgesamt 3200 Euro und einen Transporter zur Verfügung gestellt.

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen sind von diesen fünf nach Syrien gereisten Kämpfern mittlerweile zwei gestorben.

Laut NRW-Innenministerium ermittelte die Kölner Polizei seit Mai 2013 verdeckt gegen die Salafisten. Demnach geht es um 44 Beschuldigte, überwiegend deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund. Die meisten stammen aus Nordrhein-Westfalen, andere aus Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Bayern. Einige Beschuldigte aus dem "radikalen salafistischen Spektrum" stehen nach Angaben der Kölner Staatsanwaltschaft im Verdacht, gefälschte Pässe und Geld für Dschihadisten beschafft zu haben.

Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen hatte das baden-württembergische Landeskriminalamt den Kölner Ermittlern noch im Spätsommer die Auswertung eines Handys übermittelt, das bei einer Jugendlichen sichergestellt worden war. Das Mädchen, das offenbar nach Syrien ausreisen wollte, unterhielt erstaunlich viele Kontakte in die Salafistenszene. Unter anderem chattete sie mit der Schwester von Munir I., der sich in Syrien dem IS angeschlossen haben soll. Und womöglich kannte sie auch das Netz um Kais B. O.

Es wird erwartet, dass noch am Mittwoch gegen alle neun Salafisten Untersuchungshaft verhängt wird.

Mitarbeit: David Walden

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 31 Beiträge
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1. mittlerweile sollte man fragen,wie vernachlaessigung in diesem Staat gewertet wird...
kraichgau12 12.11.2014
jede moschee,jede synagoge hat ihr eigenes sicherheitssystem.... aber bei den kirchen der ureinwohner hat der staat kein interesse,diese zu schützen,gehören doch die besucher nur zum "Wahlvolk",bis die oberen entschieden haben,das eine neue Zusammensetzung desselben ihren plänen genehmer ist achja,und die 9 kamen aus NRW????? schön,das der spon die vornamen aufzählt,kein einziger von diesen jungs haette je die staatsbürgerschaft erhalten dürfen,wie sie slebst bewiesen haben eine schande,was diese "Republik" in unserem Namen so alles "toleriert" hat und weiterhin toleriert denn das ganze ist nur eine stecknadelgrosse Spitze eines täglich wachsenden Problems in Pakistan,wo diese Irren herkommen,sind christen im Wortsinn vogelfrei und diesen Zustand wünschen Sie auch für unsere Zukunft
2. Eine weitere rote Linie
muffelkopp 12.11.2014
Eine weitere rote Linie wurde überschritten. Auch, wenn ich mich selber als areligiös bezeichnen würde, habe ich großen Respekt vor dem Glauben anderer Menschen - auch habe ich Respekt vor dem Islam. Selbst in einem seitens des Islam offen praktizierten Krieg gegen alles Unislamische ist es eine Kränkung aller Christen, Wertsachen einer Kirche für den Krieg gegen sie einzusetzen. Bei vielen Aktionen der Islamisten kann man seinen Schrecken nicht in Worte fassen, in diesem Fall aber genügt ein einfaches "Sowas macht man einfach nicht!" Wie kann es sein, dass solche Leute unter uns, in Deutschland, leben?
3. Warum werden deutsche Kulturgüter nicht nachhaltig geschützt ?
nickleby 12.11.2014
Es drängt sich der Eindruck auf, dass die christlichen und abendländischen Kulturgüter wie z.B. Kirchen den Moscheen untergeordnet werden. Das ist ein bedauerlicher Trend in der Bundesrepublik. Ich als Urweinwohner dieses Landes fühle mich iimmer mehr entfremdet, weil man meint, der Islam gehöre zu Deutschland, das Christentum aber eine wohlfeile und zu verachtende Glaubensrichtung sei. Das Gegentei ist aber richtig : erst durch das Christentum konnten wir in Europa unsere kulturellen Glanzleistungen hervorbringen ich wage zu behaupten, dass die Vorherrschaft des Islams in Europa uns kulturell und wissenschaftlich nicht nur behindert, sondern das Erreichen unseres jetzigen Standards unmöglich gemacht hätte. Dem sollte man sich standhaft entgegenstellen Darüber sollte man in Ruhe nachdenken
4.
silėre 12.11.2014
Radikale Gruppierungen leben nicht umsonst hier wieder auf/werden gestärkt bei solchen Abschaum ! Ich ärger mich als Christ,wenn ich von solchen Schändigungen meiner Religion höre & auch als Deutscher wegen des Kulturraubes. Jeder Mann ist zurecht willkommen & sollte eine Chance bekommen -egal aus welchen Erdteil & egal welcher Konfession. Als Europäer lernt man tolerant zu sein & das ist auch richtig so. Aber solche Menschen, die gnadenlos das Grundgesetz übertreten, sollte man aus der EU einfach rausschmeißen! Es gibt genug niveauvolle Menschen in Krisengebieten,die hier überglücklich wären eine Existens aufzubauen!
5.
chewbakka 12.11.2014
was wohl bei umgekehrtem Vorzeichen die Sharia konforme Strafe für Einbruch und Diebstahl in einer Moschee wäre ........ Der Rechtsstaat hier bewahrt uns vor einer solchen Reaktion - aber der Rechtsstaat sollte sich wehrhaft und nicht zaghaft zeigen, damit er auch ein Rechtsstaat bleibt.
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