Grüne für feministische Außenpolitik Mehr Frauen für mehr Frieden

Eine Frauenquote für Botschafter, eigene Frauenbatallione auf Friedensmissionen - und mehr Geld für Geschlechtergerechtigkeit: Die Grünen wollen die Außenpolitik verweiblichen.

Bundeswehrsoldatin (Symbolbild)
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Seit Januar sitzt Deutschland wieder im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen, für zwei Jahre. Die Grünenfraktion will, dass die Bundesregierung diese Zeit nutzt, um dort "feministische Außenpolitik" zu etablieren - und mit gutem Beispiel hierzulande vorangeht.

Die Bundesregierung müsse "die Interessen von Frauen, Mädchen und marginalisierten Gruppen weltweit viel stärker in ihrer Außen-, Sicherheits-, Menschenrechts- und Entwicklungspolitik berücksichtigen", heißt es in dem Antrag, den die Grünen am Freitag im Bundestag einbringen wollen. Dies solle "zu einem der Grundprinzipien der deutschen Außenpolitik" werden. Der Antrag liegt dem SPIEGEL vor.

Die Bundesregierung hatte angekündigt, das Thema während der Zeit im Sicherheitsrat "im Auge behalten" zu wollen. Die Grünen stellen nun mehrere konkrete Forderungen dazu auf.

Bei den Vereinten Nationen soll sich die Bundesregierung beispielsweise darum kümmern, dass mehr Geld in diesen Bereich fließt. Und dass nur noch Initiativen und Projekte gefördert werden, die der Gleichberechtigung nicht entgegenstehen. Außerdem soll sie sich dafür einsetzen, dass "bei allen Debatten im Sicherheitsrat die Perspektiven von Frauen und Mädchen verpflichtend durch entsprechende Repräsentantinnen vertreten sind".

Neben mehr Frauen in Führungspositionen bei internationalen Organisationen sollen auch mehr Polizistinnen in Friedensmissionen entsendet und Bataillone unterstützt werden, die nur aus Frauen bestehen. Diese hätten in vorherigen Missionen "unter anderem besser Kontakt und Vertrauen mit der weiblichen Bevölkerung vor Ort aufbauen" können, besonders wenn es um sexualisierte Gewalt ging, die in vielen Konflikten systematisch eingesetzt werde.

Auch bei Friedensverhandlungen sollten Frauen eine wichtigere Rolle spielen, findet Fraktionsvize Agniezska Brugger, die den Antrag mit geschrieben hat. "Nur acht von hundert Stühlen an den Tischen bei Friedensverhandlungen sind von Frauen besetzt", moniert sie. Dabei sei es "weder gerecht noch klug, wenn immer nur diejenigen, die die größten Waffen haben und das größte Leid verursacht haben, über die Nachkriegsordnung entscheiden." Außerdem gelte: "Wer nachhaltigen Frieden und Stabilität möchte, muss Frauen viel stärker an der Lösung von Konflikten beteiligen."

Studie: Wenn Frauen Frieden verhandeln, hält er länger

Verteidigungsexpertin Brugger bezieht sich dabei auf eine Studie des International Peace Instituts aus New York, einer renommierten Denkfabrik. Der Studie zufolge ist es 35 Prozent wahrscheinlicher, dass Friedensverträge 15 Jahre halten, wenn Frauen an den Gesprächen beteiligt waren.

Auch hierzulande fordern die grünen Abgeordneten die Bundesregierung zum Handeln auf. So schlagen die Parlamentarier vor, dass das Auswärtige Amt, das Verteidigungs- und das Entwicklungsministeriums "Gender-Mainstreaming in allen Arbeitsprozessen" verankert.

Über gezielte Programme sollen außerdem mehr Frauen rekrutiert und gefördert werden, zusätzlich soll im Auswahlverfahren für den gehobenen und höheren Auswärtigen Dienst eine 50-Prozent-Quote eingeführt werden. Künftig solle dann das Personal auf allen Ebenen paritätisch besetzt werden, auch auf den Führungsebenen in den Ministerien - und in den Botschaften.

"Zentrales Ziel deutscher Außenpolitik ist es, umfassenden gesellschaftlichen Frieden weltweit zu fördern", sagt Claudia Roth, Sprecherin für auswärtige Kulturpolitik der Grünenfraktion, die den Antrag ebenfalls mit entworfen hat. Die Ungleichbehandlung von Frauen und Mädchen stehe dem diametral gegenüber. Deswegen sei das Thema auch "kein nettes Beiwerk einer ansonsten von militärischer Machtpolitik geprägten Außenpolitik", sondern "zwingende Voraussetzung friedlichen Zusammenlebens".



insgesamt 29 Beiträge
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Niteftef 20.02.2019
1. Das ist sinnvoll
Unabhängig von der Gleichberechtigungsfrage sind Frauen nachweislich tatsächlich geeignet, aggressive Stimmungen zu kontrollieren und für mehr Harmonie zu sorgen. Wenn die Verhandlungstische nach Leistung besetzt würden, hätten Frauen vermutlich mindestens ¾ der Plätze, aber leider spielt ja Macht und Karrierismus die größere Rolle. Auch die Idee mit den Frauenbataillon sollte man unterstützen, denn Frauen fassen nunmal viel leichter Vertrauen zu anderen Frauen. Das kann man blöd und ungerecht finden, oder man akzeptiert es halt und handelt danach.
smokiebrandy 20.02.2019
2. ... dies Initiative ist ja sehr löblich... allerdings...
... ich würde eher dazu tendieren , den Einsatz und die Teilnahme nicht vom Geschlecht abhängig zu machen, sondern ausschließlich von Kompetenz und Fähigkeiten...das sollte ein grundlegendes Prinzip in Politik und Wirtschaft sowie beim Militär sein... Einen Feminismus der eine 50:50 Besetzung eines jeden Gremiums als Vorraussetzung festlegt ist genauso idiotisch wie eine Ausrichtung auf ausschließlich männliche Besetzung.
J@n 20.02.2019
3. Mehr Frauen bedeutet mehr Krieg
Zwei Politikwissenschaftler (Oeindrila Dube und S. P. Harish) aus Chicago und Montreal analysierten 193 europäische Regierungen aus den Jahren 1480 bis 1913, davon wurden 34 von Frauen geführt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Königinnen in Kriege zwischen Staaten verwickelt waren, war 27-fach höher als bei Königen.
gilowyn 20.02.2019
4. Ja bitte!
Ich weiß, für einige mag dieser "grün-linksversiffte Genderwahnsinn" ein rotes Tuch sein, aber die Initiative macht Sinn und ist nötig. Ja, auch mit Quoten, denn es bleibt in vielen Bereichen ein Männerclub, der sich Posten zuschachert, denen ein femininer Touch gut tun würde. Und ebenfalls sehr wichtig - es sollen "nur noch Initiativen und Projekte gefördert werden, die der Gleichberechtigung nicht entgegenstehen." Und das international.
Geopolitik 20.02.2019
5. Durchdachte Quoten brauch die Welt
Es ist erwiesen, dass eine bessere - inklusive - Governance oder Regierungsführung stattfindet wenn kein Geschlecht mehr als 70% repräsentiert ist. Dies gilt für Parlamente, Unternehmen - und auch Friedensprozesse. Es ist voelkerrechtlich legal und legitim temporäre Geschlechterquoten festzuschreiben. Dies wird erst bedenklich wenn diese auf 50% lauten. Auch sollte Mensch besonders gerade in Entwicklungsländern hinschauen welche Frauen dort u.a. ueber eine Quote zum Zuge kommen. Leider handelt es sich hier oft um nicht repräsentative Elitefrauen, welche Familienclans vertreten und eben oft nicht die Interessen der Bevölkerung - oder von Frauen.
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