Landwirtschaft Hofreiter fordert radikalen Umbau der Agrarindustrie

Ein Verbot von Gen-Pflanzen, eine drastische Einschränkung von Antibiotika: Grünen-Chef Anton Hofreiter fordert auf dem Bundesparteitag eine grundlegende Reform der Landwirtschaft. Auf die Energiewende müsse die Agrarwende folgen.

Hofreiter auf dem Bundesparteitag: "Es geht ums Ganze"
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Hofreiter auf dem Bundesparteitag: "Es geht ums Ganze"


Hamburg - Die Grünen setzen nach dem Ausstieg aus der Atomenergie auf einen radikalen Umbau der Landwirtschaft. "Die Agrarwende hat ökologisch eine Bedeutung wie die Energiewende", sagte Fraktionschef Anton Hofreiter am Samstag auf dem Grünen-Parteitag in Hamburg. Ein Drittel des Ausstoßes klimaschädlicher Gase weltweit gehe auf das Konto der Agrarindustrie. Zudem sei die Branche verantwortlich für die Vertreibung von Kleinbauern etwa in Südamerika, wenn die Branche den Anbau riesiger Soja-Acker mit teils kriminellen Methoden durchsetze.

"Es geht ums Ganze: Um die Ernährung aller Menschen mit guten Lebensmitteln und um globale Gerechtigkeit, um Klimaschutz und Artenvielfalt", heißt es in dem von den rund 800 Delegierten verabschiedeten Antrag.

Konkret fordern die Grünen ein Verbot genetisch veränderter Pflanzen sowie die drastische Einschränkung des Einsatzes von Antibiotika bei der Tiermast und der Pestizide auf den Äckern. Zudem soll der Tierschutz etwa durch ein Verbot des Schnabelkürzens bei Geflügel oder der Amputation von Schwänzen bei Schweinen verbessert werden. Dazu gehört auch die Kampfansage an die Massentierhaltung.

Bislang sind Versuche der Landwirtschaft, artgerecht aufgezogene Hühner im Massenmarkt zu etablieren, am hohen Verkaufspreis gescheitert. Andererseits haben sich in bestimmten Lebensmittelbereichen - etwa bei Obst, Gemüse und Milch - Ökoprodukte neben konventionell produzierten Nahrungsmitteln bei Discountern und Lebensmittelketten etabliert.

ssu/dpa/Reuters



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atech 22.11.2014
1. sinvolle und unsinnige Forderungen
gehen bei Herrn Hofreiter bunt durcheinander. Sinnvoll ist die Forderung nach drastischen Einschränkung des Einsatzes von Antibiotika bei der Tiermast und der Pestizide auf den Äckern. Die Antibiotika helfen den Bauern zwar, ihr Mast- und Schlachtvieh "gesund" großzuziehen. Dafür züchten sie aber auch Multiresistenzen bei Bakterien. Und der Mensch, der dieses Fleisch dann kauft, bekommt die mutiresistenten Bakterien gleich mitgeliefert. Sollte er selbst gerade immungeschwächt sein, dann kann er sich mit diesen multiresistenten Erregern infizieren, gegen die dann manche Antibiotika - eben jene, gegen die die Keime resistent sind - nicht mehr helfen.Unsinnig ist das Verbot genveränderter Pflanzen. Denn nicht die genveränderten Pflanzen oder die Gentechnik generell sind das Problem, sondern die Wirtschaftspraktiken der Agrarkonzerne wie Monsanto.
gehtsnochbesser? 22.11.2014
2. Na toll
Wenn der radikale Umbau der Landwirtschaft genauso abläuft wie die Energiewende ,siehe oben, dann werden sich wohl nach dem Storm bald einige Hundertausend keine Nahrungsmittel mehr leisten können.
su27 22.11.2014
3. Quellen / Fakten?
Aus dem Grünen-Parteiprogramm:"Die Verwendung von Gentechnik in der Landwirtschaft hat keines ihrer Versprechen eingelöst. Statt Erträge zu steigern, wurden mehr Pestizide eingesetzt und die Gefahren für Umwelt, Menschen und Tiere größer."Dagegen spricht:"Eine neue Studie der Universität Göttingen hat nun 147 einschlägige Studien ausgewertet und kommt zum Schluss: Genveränderte Pflanzen sind insgesamt eine ziemlich gute Sache. Im Durchschnitt führten sie dazu, dass Landwirte 22 Prozent mehr ernteten und 37 Prozent weniger chemische Pestizide einsetzen müssen."Herr Dr. Hofreiter, bitte nennen Sie uns Ihre Quellen (oder eigene Forschungsarbeiten), die offenbar zu einem ganz anderen Ergebnis kommen, als die 147 unabhängigen Studien, welche in der letzen Monat veröffentlichten Analyse der Uni Göttingen ausgewertet wurden. Danke sehr.
Ridcully 22.11.2014
4. Das ist die Idiotie von Hofreiter und Co.
"Um die Ernährung aller Menschen mit guten Lebensmitteln" ... für einen Großteill der Menschheit sind die Lebensmittel gute Lebensmittel, die sie vor dem Verhungern bewahren. Und wenn es der genveränderte Golden Rice ist. Aber von den vielfliegenden, besserverdienenden Grünen ist kaum etwas anderes zu erwarten.
hinnerk.albert 22.11.2014
5. durchgeknallt
eine so durchgeknallte partei kann nur in deutschland erfolg haben. der rest der welt ist vernünftigwenn die folgen für deutschland erdrückend werden (siehe artikel über strom abschaltungen in deutschland)fragen wieder alle wie konnte das passieren wie vor 80 jahren haben die deutschen beim wählen den verstand wegen ihrer ordnungswut mal wieder an der garderobe abgegebendamit nicht genug, will A... Trittin uns mit der grossen transformation ja noch erzählen, was für uns generell sinnvoll ist und was nichtDAs gibt es nur in Deutschland
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