Schwarz-grüne Gespräche Kretschmann soll mit Merkel sondieren

Die Grünen wollen ihre Sondierungs-Gruppe für die Gespräche mit der Union erweitern: Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann soll nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen jetzt mit am Tisch sitzen. Vergrößert das die Chancen auf eine schwarz-grüne Regierung?

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CDU-Chefin Merkel, Grünen-Politiker Kretschmann: Sie sollen  sondieren
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CDU-Chefin Merkel, Grünen-Politiker Kretschmann: Sie sollen sondieren


Berlin - Wenn Grüne und Schwarze Ende kommender Woche zu ihrem ersten Sondierungsgespräch zusammenkommen, wird man einen größeren Tisch brauchen als bisher geplant: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll die Grünen-Delegation aufgestockt werden - und zwar unter anderem um Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. Die Rede ist momentan von sieben Grünen-Politikern, die sich mit der 14-köpfigen Delegation von CDU und CSU zusammensetzen werden.

Bisher war geplant, dass die Grünen nur mit einem Vierer-Team in die Sondierung mit CDU und CSU gehen - die beiden Parteichefs Claudia Roth und Cem Özdemir sowie die Ex-Spitzenkandidaten Katrin Göring-Eckardt und Jürgen Trittin. Sie waren vom kleinen Grünen-Parteitag am Wochenende nominiert worden. Allerdings hatte es am Rande des Treffens auch schon Diskussionen darüber gegeben, ob man die Sondierungs-Gruppe nicht von vorneherein größer machen sollten.

Nach der Ankündigung der Union - analog zur Sondierung mit der SPD - auch für die Grünen-Gespräche außer den Parteichefs Angela Merkel (CDU) und Horst Seehofer (CSU) zwölf weitere Vertreter aus Bund und Ländern aufzubieten, wollen die Grünen ihre Truppe nun aufstocken: Außer Kretschmann soll als weitere Ländervertreterin die nordrhein-westfälische Vizeministerpräsidentin Sylvia Löhrmann mit dabei sein, zudem die beiden künftigen Chefs der Bundestagsfraktion. Deren Wahl findet kommenden Dienstag statt, Favoriten sind Anton Hofreiter und Göring-Eckardt. Kerstin Andreae kandidiert gegen die Ex-Spitzenkandidatin.

Der Grünen-Bundesvorstand wird über das Sondierungs-Tableau am kommenden Montag beraten und entscheiden. Nicht ausgeschlossen ist, so heißt es, dass die Gruppe sogar nochmals erweitert wird. Wahrscheinlich findet das erste schwarz-grüne Sondierungsgespräch am Donnerstag in einer Woche statt.

Kretschmann gilt als Schwarz-Grün-Freund

Als einziger grüner Ministerpräsident hat Kretschmann nach der Pleite bei der Bundestagswahl an Gewicht gewonnen. Er dürfte jedoch bei Sondierungen mit der Union gerade beim linken Parteiflügel der Grünen unter besonderer Beobachtung stehen, weil Kretschmann um seine Sympathien für schwarz-grüne Bündnisse in der Vergangenheit nie ein Hehl gemacht hat.

Zudem dürfte interessant werden, wie Kretschmann und der bisherige Fraktionschef Trittin bei den Sondierungsgesprächen gemeinsam agieren werden. Der Ministerpräsident hatte Trittin - in den vergangenen Jahren der starke Mann der Grünen - beim kleinen Parteitag am Wochenende offen angegriffen und für den Wahlkampf kritisiert. Kretschmann ist einer der Anführer des Realo-, Trittin war bisher Kopf des linken Flügels. Er werde mit Trittin "einigermaßen einheitlich" hineingehen, hatte Kretschmann am Dienstagvormittag in Stuttgart für den Fall einer gemeinsamen Sondierung gesagt. "Wir halten uns schon für Profis."

Bisher werden die Chancen, jetzt eine Koalition mit der Union einzugehen, auch von Kretschmann und anderen führenden Realos als gering eingeschätzt. Die Grünen wirken nach der Wahlpleite orientierungslos, zudem hat man es in den vergangenen Jahren versäumt, die Partei auf ein mögliches Bündnis mit der Union vorzubereiten.

Andererseits gibt es bei den Grünen auch die Haltung, dass eine Koalition mit der Union Chancen bieten könnte - vor allem, um die Energiewende nicht einer Großen Koalition zu überlassen. Bei den Grünen sorgt man sich, in einem Bündnis von Union und SPD könnten die Förderung der regenerativen Energien gedrosselt werden und fossile Brennstoffe wie Kohle wieder an Bedeutung gewinnen. Kretschmann hatte am Wochenende bei dem kleinen Parteitag gefordert, dass die Grünen sich wieder vermehrt um ihr Kernthema Ökologie kümmern sollten.

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Mit Material von dpa

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Seite 1
burgundy2 01.10.2013
1.
Zitat von sysopGetty ImagesDie Grünen wollen ihre Sondierungs-Gruppe für die Gespräche mit der Union erweitern: Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann soll nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen jetzt mit am Tisch sitzen. Vergrößert das die Chancen auf eine schwarz-grüne Regierung? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gruene-kretschmann-soll-mit-merkel-sondieren-a-925570.html
Das ist ja witzig, da sitzen ja dann zwei CDUler am Verhandlungstisch! Ja, das könnte passen.
spon_1873159 01.10.2013
2. Ohje....
der schlechteste Ministerpräsident den BW je hatte....
1969heiner 01.10.2013
3. Ich hatte der Union meine Stimme gegeben
um Grün in der Regierung zu verhindern. Baut jetzt bitte keinen Sch***!
Emil Peisker 01.10.2013
4. Konkurrenz...
Zitat von sysopGetty ImagesDie Grünen wollen ihre Sondierungs-Gruppe für die Gespräche mit der Union erweitern: Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann soll nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen jetzt mit am Tisch sitzen. Vergrößert das die Chancen auf eine schwarz-grüne Regierung? http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gruene-kretschmann-soll-mit-merkel-sondieren-a-925570.html
Merkel versucht es mit Konkurrenz um die Ministerposten. Keine Chance, die SPD-Führung zu treiben, die Mitglieder werden entscheiden.
BaMargera 01.10.2013
5. Voll für die Katz'
Richtig... Kretschmann oder andere, die nicht ihr Amt zur Verfügung stellen oder noch zur Wahl für die neue Führung antreten, sollen sondieren. Es ist doch schon von vorne herein für die Tonne, wenn die zukünftige "Generation" bzw. Riege an Grünen-(Spitzen-)Politikern das umsetzen sollen, was die Bundesempöhrungsbeauftragte Roth, die Fake-Realo Göring-Eckardt und der Marxist Trittin nach einer möglicherweise erfolgreichen Sondierung aushandeln. Auf mich macht das jedenfalls den Eindruck, als wolle das designierte Sondierungs-Team den Nachfolgern eine Hypothek an linken Themen bzw. Positionen hinterlassen. Getreu dem Motto: wenn wir schon mit diesen Positionen nicht die Wahl gewinnen konnten, dann wollen wir zumindest sicherstellen, dass diese Positionen möglichst von der "neuen Generation" übernommen werden.
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