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Pädophilie-Aufarbeitung: Grüne lassen sich Forschungsprojekt 209.000 Euro kosten

Grünen-Vorsitzende Roth, Özdemir: Aufarbeitung eines heiklen Themas Zur Großansicht
DPA

Grünen-Vorsitzende Roth, Özdemir: Aufarbeitung eines heiklen Themas

Welchen Einfluss hatten Pädophile in der Frühzeit der Grünen? Um das aufklären zu lassen, greift die Partei tief in die Tasche: Sie finanziert das Forschungsprojekt des Göttinger Politikwissenschaftlers Franz Walter mit mehr als 200.000 Euro.

Berlin - Es ist ein heikles Kapitel in der Geschichte der Grünen: Welchen Einfluss auf ihre Programmatik hatten Pädophile in der Frühphase der Partei? Um das ein für allemal aufzuklären, haben die Grünen beschlossen, ein entsprechendes Forschungsprojekt an der Universität Göttingen zu finanzieren. Und das wird teuer: Die Partei fördert das Projekt mit 209.400 Euro, wie ein Sprecher SPIEGEL ONLINE sagte.

Für die Grünen ist das eine Menge Geld. Zum Vergleich: Der jährliche Haushalt der Partei mit ihren knapp 61.000 Mitgliedern belief sich in den vergangenen Jahren jeweils auf rund fünf Millionen Euro.

Doch der öffentliche Druck war im Frühjahr so groß geworden und die Anschuldigungen der politischen Konkurrenz nur Monate vor der Bundestagswahl teilweise so schwer, dass sich die Grünen zur Aufarbeitung der Pädophiliefrage entschieden. Die soll der renommierte Politologe Franz Walter, Chef des Instituts für Demokratieforschung an der Uni Göttingen, mit einem Team von Wissenschaftlern leisten.

"Wir wollen ein ausreichend ausgestattetes Forschungsprojekt zur Frage des Einflusses von Gruppen mit pädophilen Forderungen innerhalb der Grünen auf den Weg bringen", sagte ein Sprecher der Grünen. "Durch den Umfang und die Art und Weise der Förderung ist sichergestellt, dass die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut für Demokratieforschung vollkommen unabhängig und mit den für eine fundierte wissenschaftliche Arbeit notwendigen Ressourcen gründlich und wirklich umfassend forschen können."

Der Vertrag mit der Uni Göttingen ist inzwischen unterschrieben. Mit den gut 200.000 Euro wird die Forschung von 14 Mitarbeitern des Demokratie-Instituts finanziert, die bis Ende kommenden Jahres republikweit untersuchen, welche Spuren Pädophile bei den Grünen hinterlassen haben. Ein Zwischenbericht soll eventuell schon im Laufe des Jahres veröffentlicht werden.

"Das Projekt ist sehr aufwendig, weil es um eine lange Zeitspanne geht", sagt Parteienforscher Walter, der auch Autor bei SPIEGEL ONLINE ist. Und: "Wir wollen auch eine Geschichte der Opfer schreiben."

flo

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