Grüne Metzger pöbelt gegen Sozialhilfeempfänger

Grünen-Politiker Oswald Metzger steht in den eigenen Reihen unter Beschuss: Er hatte sich abfällig über Sozialhilfeempfänger geäußert - und zeigt nun Verständnis für die Kritik seiner Parteikollegen.


Stuttgart - Oswald Metzger steht massiv unter Druck. Grünen-Chefin Claudia Roth und der baden-württembergische Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann schlossen sich heute der Kritik ihrer Parteifreunde an. Die Grünen-Landesvorsitzenden in Baden-Württemberg, Petra Selg und Daniel Mouratidis, forderten eine Entschuldigung.

Oswald Metzger: "Ich kann nicht nur austeilen, sondern auch einstecken"
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Oswald Metzger: "Ich kann nicht nur austeilen, sondern auch einstecken"

Stern.de hatte Metzger, der Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg ist, mit den Worten zitiert, Sozialhilfeempfänger sähen "ihren Lebenssinn darin, Kohlehydrate oder Alkohol in sich hinein zu stopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen".

Kretschmann kritisierte Metzgers Äußerung als "abfälliges Pauschalurteil". Er warf seinem Fraktionskollegen vor, "Vorurteile wenig aufgeklärter Kleinbürger" zu verstärken. Metzger habe mit der Äußerung "diejenigen Transferbezieher beleidigt, die sich redlich um Arbeit bemühen und keine finden".

Metzger selbst zeigte Verständnis für die Kritik. Er könne "nicht nur austeilen, sondern auch einstecken". Er sagte der Nachrichtenagentur ddp, Pauschalurteile seien ihm fremd. Seine kritischen Worte hätten sich vor allem auf die "zweite und dritte Generation von Sozialhilfe-Biografien" bezogen. Damit meine er vor allem Eltern, die nicht in der Lage seien, ihre Kinder zu motivieren, sondern diese "vor der Glotze verdummen" lassen. "Diese Form von Stilllegung brandmarke ich", fügte Metzger hinzu.

Metzger sagte weiter, die Äußerung in dem Interview mit stern.de sei von ihm nicht autorisiert worden und in dem Onlinemagazin womöglich auch verkürzt dargestellt gewesen. Er wolle die Schuld jedoch nicht auf andere schieben. Er verstehe die Kritik an seiner Person. Kretschmann habe darauf reagieren müssen. Sein "Binnenverhältnis" zum Fraktionschef sei dadurch jedoch nicht gestört.

Auf die Bemerkung Metzgers hatten zuvor bereits der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Bundestagsfraktion, Volker Beck, und Fraktionsvize Christine Scheel mit Empörung reagiert.

Metzger erwägt seit Wochen einen Austritt bei den Grünen und will dies von den Entscheidungen auf dem Bundesparteitag am kommenden Wochenende in Nürnberg abhängig machen. Anlass für die Überlegungen sind unterschiedliche Auffassungen über den sozialpolitischen Kurs der Grünen.

ler/ddp



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