Parteitag in Hannover Baerbock und Habeck - Grüne wählen Realo-Doppelspitze

Die Grünen haben Annalena Baerbock und Robert Habeck zu ihren neuen Vorsitzenden gewählt. Damit bricht die Partei mit einem seit Langem bewährten Prinzip.

Annalena Baerbock und Robert Habeck
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Annalena Baerbock und Robert Habeck


Annalena Baerbock und Robert Habeck sind die neuen Vorsitzenden der Grünen. Für das Amt des männlichen Parteichefs gab es keinen Gegenkandidaten, der schleswig-holsteinische Umweltminister erhielt 83,3 Prozent der Stimmen. Die 37-jährige Bundestagsabgeordnete Baerbock setzte sich in einer Kampfabstimmung mit knapp 64,5 Prozent der Stimmen gegen die Parteilinke Anja Piel durch.

Mit der Wahl von zwei Vertretern des Realo-Flügels brechen die Grünen mit ihrem Prinzip, eine Doppelspitze mit Vertretern beider Parteiflügel zu besetzen. Die Klimaschutzexpertin Barbock war unter anderem vom scheidenden Parteichef Cem Özdemir und von Bundestagsfraktionschefin Katrin Göring-Eckardt unterstützt worden.

Baerbock hatte in einer kämpferischen Bewerbungsrede die Europapolitik, die Armutsbekämpfung und den Klimaschutz zu ihren vorrangigen Aufgaben gezählt. Für den Klimaschutz forderte sie "Radikalität" und warnte davor, den Kohleausstieg weiter zu verzögern.

Habeck: "Das ist ein Auftrag"

Die neue Doppelspitze werde auf Augenhöhe arbeiten, sagte Baerbock mit Blick auf den populären Habeck. Der 48-Jährige sagte nach seiner Wahl: "Was ich geworden bin, bin ich durch euch geworden, lasst mich ein bisschen davon an euch zurückgeben." Vor seiner Wahl hatte Habeck an die Partei appelliert, die auseinanderdriftende Gesellschaft wieder zusammenzubringen.

Er attestierte seiner Partei zudem eine neue Geschlossenheit. An den Debatten während des Parteitags zeige sich, "dass die Partei gerade zusammenrückt, dass da was Neues passiert", sagte Habeck. Das wolle er nun weiter voranbringen. Ein Grund zum Feiern sei seine Wahl nicht: "Das ist ein Auftrag." Er wolle die neuen Herausforderungen mit einer "gewissen Demut" angehen.

Am Freitag hatten die Delegierten nach emotionaler Debatte eigens die Satzung geändert - und eine Übergangsfrist für ihr Spitzenpersonal beschlossen. Damit sollte sichergestellt werden, das Habeck nach seiner Wahl zum Parteichef noch bis zu acht Monate lang auch Umweltminister in Schleswig-Holstein bleiben kann.

Habeck hatte einen solchen Passus ausdrücklich gefordert und seiner Partei damit einiges abverlangt. Denn die strenge Trennung von Amt und Mandat ist bislang eines der Grundprinzipien der Grünen, um Machtanhäufung und Interessenkonflikte zu verhindern.

Videoanalyse von Ann-Kathrin Müller:

SPIEGEL ONLINE

mxw/dpa



insgesamt 66 Beiträge
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Seite 1
Stillner 27.01.2018
1. Die grüne FDP
Damit sind die Grünen nun die neue FDP. Eine weitere neo-liberale Mehrheitsbeschafferin für die ewige CDU-Herrschaft. Schade um das vor 40 Jahren begonnene Projekt.
brmoke 27.01.2018
2. Na endlich !
Für mich waren die Grünen bisher immer nur mit Einschränkungen wählbar. Die Linke hatte meiner Ansicht nach teilweise kaum umsetzbare Vorstellungen. Der Realoflügel dagegen war durchaus in der Lage, sinnvoll die Politik (mitzu-)gestalten, wie Leute wie Kretschmann gerade par excellence demonstrieren. Die Wählbarkeit der Grünen steigt dadurch eindeutig ;-)
brmoke 27.01.2018
3. Na endlich !
Für mich waren die Grünen bisher immer nur mit Einschränkungen wählbar. Die Linke hatte meiner Ansicht nach teilweise kaum umsetzbare Vorstellungen. Der Realoflügel dagegen war durchaus in der Lage, sinnvoll die Politik (mitzu-)gestalten, wie Leute wie Kretschmann gerade par excellence demonstrieren. Die Wählbarkeit der Grünen steigt dadurch eindeutig ;-)
rajasta 27.01.2018
4. Habeck als Realo zu bezeichnen
...obwohl er nichts von eben diesen Kategorisierungen hält, aber es muss ja immer alles schön in Schubladen passen, nicht wahr sonst wären wir ja keine richtigen Deutschen; das sagt Habeck übrigens über Realismus: "Im Ökologischen, im Sozialen, bei Europa müssen wir dafür eher noch radikaler werden, weil die Zukunftsfragen so radikal sind. Und vielleicht ist genau das die Antwort: radikaler ist das neue Realistischer."
GoaSkin 27.01.2018
5. einfach keinen Kopf mehr über Fundis und Realos machen!
Realos und Fundis gibt es in allen Parteien, z.B. Seehofer (Realo) und Dobrindt (Fundi) in der CSU. Doch in anderen Parteien führt man diese Realo- / Fundi-Diskussion einfach nicht. Und ich glaube auch kaum, dass das besonders vielen Wählern der Grünen wichtig ist.
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