Grünen-Chef-Kandidat Berliner Fraktionschef findet Bütikofer-Nachfolge "reizvoll"

Seit Wochen suchen die Grünen einen Kandidaten für ihren Chefposten - jetzt könnte einer gefunden sein: Volker Ratzmann, Vorsitzender der Berliner Grünen-Fraktion - "eine der spannendsten und reizvollsten Aufgaben" nennt er den Job von Noch-Chef Bütikofer.

Von


Berlin - Auf ihrem Erfurter Parteitag im November wollen die Grünen ihre neue Führung wählen. Während die Vorsitzende Claudia Roth ihre Kandidatur ankündigte, erklärte der Co-Vorsitzende Reinhard Bütikofer zu Jahresanfang, er werde nicht mehr antreten und einem Jüngeren Platz machen.

Berliner Grünen-Politiker Ratzmann: Grüne Politik "jenseits der Farbenlehre" machen
DDP

Berliner Grünen-Politiker Ratzmann: Grüne Politik "jenseits der Farbenlehre" machen

Der Jüngere könnte nun gefunden sein: Der 48-jährige Berliner Grünen-Politiker Volker Ratzmann. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, sei der Fraktionschef im Abgeordnetenhaus von der Parteiführung zu einer Kandidatur ermutigt worden.

Ratzmann selbst hat sich noch nicht entschieden, zeigt aber Interesse am Chefposten: "Ich finde, das ist eine der spannendsten Aufgaben, die es im Moment gibt", sagte er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Ratzmann weiter: "Wir sollten jetzt intern klug und vorsichtig diskutieren, um eine gute Besetzung zu finden."

Der grüne Innenpolitiker gehört in Berlin zur "Jamaika-Opposition". Mit gemeinsamen Anträgen und sogar Konferenzen versuchen in der Hauptstadt CDU, FDP und Grüne, dem rot-roten Senat des Regierenden Bürgermeisters Klaus Wowereit (SPD) Paroli zu bieten. Der gebürtige Niedersachse Ratzmann kommt eigentlich vom linken Parteiflügel, hat als Rechtsanwalt Mitglieder der Berliner alternativen Szene verteidigt. Seit 2001 sitzt er für die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, seit 2003 ist er deren Fraktionsvorsitzender.

Trotz der Jamaika-Zusammenarbeit in Berlin will Ratzmann grüne Politik "jenseits der Farbenlehre" machen. Auf Bundesebene halte er zudem eine schwarz-gelb-grüne Koalition "im Moment für nicht denkbar", sagte er zu SPIEGEL ONLINE. Er führt die Vorstöße von Innenminister Wolfgang Schäuble oder auch die Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) als Begründung an: "Ich sehe keinen ernsthaften Willen bei der Kanzlerin, Energiepolitik jenseits von Atomkraft zu machen."

Nach der Bundestagswahl 2009 sollten die Grünen aber "mit denjenigen reden, die uns die Umsetzung unseres grünen Profils ermöglichen - und wenn's nicht passt, müssen wir auch Nein sagen können", so Ratzmann. Ausschließen wolle er nichts. Heißt: Alles ist möglich, von Jamaika bis Rot-Rot-Grün.

Neben Ratzmann soll auch Sepp Dürr, der Grünen-Fraktionsvorsitzende im bayerischen Landtag, im Gespräch für die Bütikofer-Nachfolge sein, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". In den letzten Wochen wurden schon mehrere Kandidaten gehandelt, die aber eine Kandidatur bislang immer ausschlossen: Neben dem Europaabgeordneten Cem Özdemir waren dies der hessische Grünen-Fraktionschef Tarek Al-Wazir und Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer.



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.