"Bunte"-Interview Grünen-Chefin beklagt Überschrift als frauenfeindlich

Simone Peter hat der "Bunten" ein Interview zu Familie und Politik gegeben - nun stört sie sich an der Überschrift der Online-Ausgabe: "Sechs Tage Karriere, ein Tag für das Kind". Frauenfeindlich, findet die Grünen-Vorsitzende.

Screenshot des Interviews auf bunte.de: Ärger um die Überschrift

Screenshot des Interviews auf bunte.de: Ärger um die Überschrift


Berlin - Viele Politiker würden eine Menge dafür geben, ein Interview in der Zeitschrift "Bunte" zu bekommen. Mit dem Edel-Boulevard erreicht man andere Leser als sonst. Der Grünen-Vorsitzenden Simone Peter widmet die "Bunte" in ihrer aktuellen Ausgabe nun sogar zwei Seiten. In dem Gespräch mit ihr geht es unter der Überschrift "Eine Frau mit zwei L(i)eben" um das Thema Politik und Familie.

Alles prima also? Nein, denn in der Online-Ausgabe wird das Interview mit einer anderen Überschrift angepriesen - und die hält Peter für frauenfeindlich. "Sechs Tage Karriere, ein Tag für das Kind" ist da über einem Bild von Peter und einem kurzen Text zu lesen, der auf das Print-Gespräch hinweist und es zusammenfasst. Die Überschrift bezieht sich auf den Umstand, dass Peter die Woche über in Berlin und anderswo in der Republik politisch unterwegs ist, während ihr Mann und der achtjährige Sohn im heimischen Saarbrücken leben.

"Der Samstag oder Sonntag gehören dann meist meiner Familie in Saarbrücken, die mich regelmäßig auch in Berlin besucht", sagt die Grünen-Chefin in dem Gespräch. Die Entscheidung, dass ihre Familie im Saarland bleibt, habe sie bewusst getroffen. "Beide, Mann und Sohn, haben gewachsene Bindungen an Freunde, Kollegen und Familie."

"Wie sähe die Überschrift bei einem männlichen Kollegen aus?"

Peter sagt: "Wie sähe wohl die Überschrift bei einem männlichen Kollegen aus?" Tatsächlich gibt es in der Hauptstadt viele Politiker, die ihre Familien oft nur am Wochenende sehen, weil ihre Wahlkreise weit weg von Berlin sind und der Rest der Familie dort wohnen bleibt. Problematisiert wird das bei männlichen Politikern so gut wie nie.

Genauso sei es ihrer Mutter als Politikerin vor 40 Jahren schon gegangen, beklagt Grünen-Politikerin Peter. Ihre Mutter war zeitweise Gesundheitsministerin im Saarland für die SPD. Die Grünen-Vorsitzende kommt deshalb zu dem Schluss, dass sich wenig geändert habe: "Frauenpolitik ist kein bisschen unbedeutender geworden."

Trotz der Kritik von Peter werde die Überschrift der Online-Ausgabe nicht geändert, teilte eine "Bunte"-Sprecherin auf Anfrage mit. In der Print-Redaktion weist man darauf hin, dass "wir die Überschrift im Heft mit Bedacht gewählt haben", so Vize-Chefredakteurin Katrin Sachse. "Das ist eine private Entscheidung der Familie Peter, wie sie zwischen Beruf und Familie eine Balance herstellen."

flo



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insgesamt 150 Beiträge
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doppelpost123 05.03.2015
1.
Auch wenn das Geschrei gleich losgeht, sie hat aus meiner Sicht auf jeden Fall recht!
hansfrans79 05.03.2015
2. kann ich schon verstehen
Die Überschrift suggeriert ja, dass sie sich 6 Tage nicht um ihr Kind kümmern würde. Dabei besucht ihre Familie sie ja lt. Interview regelmäßig in Berlin. Richitig auch, dass die Überschrift bei einem Mann so nicht gewählt worden wäre. Selbst wenn es von "BUNTE" gut gemeint war - das ist letztlich auch nur das Gegenteil von gut.
maipiu 05.03.2015
3. Traurig aber wahr
Das ist frauenfeindlich und dämlich. Aber damit muss man wohl rechnen, wenn man sich an den "Boulevard" ranschmeißt.
DJ Doena 05.03.2015
4.
Die Überschrift ist also faktuell korrekt, aber politisch inopportun.
shadowrunner 05.03.2015
5. reaktionär
Zurecht! Ich finde das allerdings mehr reaktionär und spießig als frauenfeindlich per se. Was die Redakteure dieser Zeitschrift von dem Mann halten, der zuhause auf die Kinder aufpasst, kann ich mir auch gut vorstellen.
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