Grünen-Politiker Wieland über Sponsoring "Da ist null Transparenz"

Wenn die Sparkasse die Bratwürstchen und die Bierchen spendiert: Wolfgang Wieland (Grüne) klagt im Interview mit dem SPIEGEL die fragwürdige Finanzierung politischer Sommerfeste an - und fordert, dass die Parteien die Sponsorengelder offen angeben.

Wolfgang Wieland (Grüne): "Ich persönlich könnte mit einem Verbot gut leben"
Deutscher Bundestag / H.J. Müller

Wolfgang Wieland (Grüne): "Ich persönlich könnte mit einem Verbot gut leben"


SPIEGEL: Jede Woche feiern Parteien und Landesregierungen zurzeit ihre Sommerfeste mit Freibier, Gratiswürstchen und musikalischer Unterhaltung für Tausende Gäste. Wer bezahlt diese Sausen?

Wieland: Zum größten Teil sind die Veranstaltungen durch Sponsoren finanziert. Das ist eine kritische Sache. Wenn die Regierenden nur noch mit der Bevölkerung feiern können, wenn die Wirtschaft das bezahlt, stimmt etwas nicht.

SPIEGEL: Was versprechen sich Unternehmen davon?

Wieland: Das sind keine karitativen Einrichtungen. Unternehmen haben alle politische Interessen. Von daher sehe ich es auch dann kritisch, wenn etwa die Sparkasse oder kommunale Versorgungsunternehmen als Sponsoren auftreten.

SPIEGEL: Parteien können Sponsoringmittel beim Finanzamt als "Sonstige Einnahmen" verbuchen. Die Öffentlichkeit erfährt nicht mal, wie viel die einzelnen Unternehmen für ihre Stände bezahlt haben. Offenheit sieht anders aus.

Wieland: Da ist null Transparenz. Umso unverständlicher, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung daran nichts ändern will.

SPIEGEL: Warum haben die Grünen denn Sponsoring nicht verboten, als sie zwischen 1998 und 2005 im Bund regierten?

Wieland: Hätten sie machen können, haben sie aber nicht. Wir fordern auch heute kein Verbot von Sponsoring bei Parteien, sondern wollen transparent machen, wer den Parteien wie viel zahlt und zu welchen Bedingungen.

SPIEGEL: Auch die Grünen wollen wohl nicht auf die Einnahmen verzichten.

Wieland: Ich persönlich könnte mit einem Verbot gut leben. Aber gerade die Parteitage werden zu einem beträchtlichen Teil durch Sponsoring bezahlt. Die Argumentation lautet: Wenn wir als Einzige aussteigen, haben die Grünen im Wahlkampf eine schlechtere Startposition.

SPIEGEL: Gehen Sie denn in diesem Jahr auf ein Sommerfest?

Wieland: Bisher nicht. Ich schließe es aber auch nicht aus. Ich will mich nicht hinstellen und sagen: Ich bin der Parlamentarier, der niemals ein Bier bei einem Sommerfest trinkt. Aber: Wir fordern eine gesetzliche Regelung für mehr Transparenz und wollen das in den nächsten Tagen im Innenausschuss des Bundestages durchsetzen.

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Seite 1
inci 03.07.2011
1. oooo
Zitat von sysopWenn die Sparkasse die Bratwürstchen und die Bierchen spendiert: Wolfgang Wieland (Grüne) klagt im Interview mit dem SPIEGEL die fragwürdige Finanzierung politischer Sommerfeste an - und fordert, dass die Parteien die Sponsorengelder offen angeben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,772066,00.html
ja, das ist schon ein echter skandal, wenn die sparkasse die bratwürste und das fäßchen bier sponsort. zumindest für grüne politiker. besser ist es da, wenn grüne parteitage von pfizer bayer eon RWE deutsche bank u.a. gesponsort werden. das ist dann vollkommen wertneutral.
warzenmeissel 03.07.2011
2. Bezogen
Zitat von incija, das ist schon ein echter skandal, wenn die sparkasse die bratwürste und das fäßchen bier sponsort. zumindest für grüne politiker. besser ist es da, wenn grüne parteitage von pfizer bayer eon RWE deutsche bank u.a. gesponsort werden. das ist dann vollkommen wertneutral.
auf das, was Wieland in seinem Interview gesagt hat, läuft ihre Replik auf billige Polemik hinaus.
inci 03.07.2011
3. oooo
Zitat von warzenmeisselauf das, was Wieland in seinem Interview gesagt hat, läuft ihre Replik auf billige Polemik hinaus.
nein. wenn herr wieland so für transparenz ist, hätte er ja die branchen und namen nennen können, die die grünen parteitage finanziell unterstützen. so weit geht das tranparenzstreben dann wohl nicht. ein klassischer grüner, immer sind die anderen schuld, oder eines fehlverhaltens schuldig. vielleicht ist der mann auch einfach nur sauer, weil er bisher nirgendwo zum sommerfest eingeladen wurde. haben sie den namen wolfang wieland vor dem heutigen artikel schon einmal gehört? ich nicht, und ich denke mal die mehrheit der foristen hier im forum auch nicht.
edgarzander 03.07.2011
4. Kretschmann
Zitat von incinein. wenn herr wieland so für transparenz ist, hätte er ja die branchen und namen nennen können, die die grünen parteitage finanziell unterstützen. so weit geht das tranparenzstreben dann wohl nicht. ein klassischer grüner, immer sind die anderen schuld, oder eines fehlverhaltens schuldig. vielleicht ist der mann auch einfach nur sauer, weil er bisher nirgendwo zum sommerfest eingeladen wurde. haben sie den namen wolfang wieland vor dem heutigen artikel schon einmal gehört? ich nicht, und ich denke mal die mehrheit der foristen hier im forum auch nicht.
Ob Wieland seiner Partei damit einen Gefallen getan hat, da man gerade dabei ist die Republik zu erobern? Speziell bei unserem neuen Ministerpräsident Winfried Kretschmann dürfte das ganz sauer aufstoßen, wenn es bei Besuchen in der Provinz plötzlich keine Maultaschen-Frühschoppen mehr geben sollte.
n.holgerson 03.07.2011
5. Wen wundert denn bitte wieder einmal diese Sache?
Wenn man nicht an der Macht ist, dann sind auf einmal Themen ganz wichtig und man muss dringend was ändern... Und gerade die Grünen... immer ganz groß dabei Forderungen zu stellen.... Und ich erinnere nur mal an die jüngsten Geschichten in Baden Württemberg... Was hat man da alles versprochen bzw. gefordert... Baustopp und wird gerade gebaut?... Ach ja und das Volk in Baden Württemberg darf entscheiden... Und nach der Wahl haben die Grünen erstmal in der Verfassung nachlesen müssen... Wie gesagt, an sich nicht besonderes. Wer nicht an der Macht ist, der kann halt viel fordern... Wobei natürlich die Grünen darin der Meister sind...
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