SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

24. September 2013, 13:57 Uhr

Grünes Wahldebakel

Trittin tritt als Fraktionschef ab

Roth, Künast, Beck - und jetzt Trittin: Auch der Fraktionschef stellt nach dem Wahldebakel der Grünen sein Amt zur Verfügung. Die Partei brauche einen personellen Neuanfang. Co-Spitzenkandidatin Göring-Eckardt will sich nun um den Fraktionsvorsitz bewerben.

Berlin - Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin hat seinen Rückzug angekündigt. Er trete nicht wieder an, sagte er nach Informationen von SPIEGEL ONLINE in einer Fraktionssitzung. Später erklärte er das auch via Twitter.

In der Sitzung der alten und neuen Abgeordneten erklärte Trittin am Nachmittag, dass er nicht wieder für den Fraktionsvorsitz kandidieren werde. Die Partei brauche einen personellen Neuanfang, sagte er. Es gab lang anhaltende Standing Ovations im Saal.

Eine neue Fraktionsspitze müsse die Grünen in den Wahlkampf 2017 führen. "Das muss eine neue Generation, müssen neue Kräfte tun. In diesem Sinne habe ich mich entschieden, nicht erneut zu kandidieren, nachdem ich vier Jahre sehr gerne Vorsitzender dieser Fraktion gewesen bin."

Trittin war Spitzenkandidat seiner Partei und einer der Hauptverantwortlichen für das Steuerkonzept, in dem Wahlforscher die wesentliche Ursache für die Wahlniederlage sehen.

"Über Sondierungsgespräche entscheidet nicht die CSU", schrieb Trittin auf Twitter. "Die werden Katrin und ich mit führen." Damit meinte er Katrin Göring-Eckardt, die gemeinsam mit Trittin das grüne Spitzenkandidaten-Duo im Wahlkampf bildete.

Trittin war zuvor parteiintern massiv kritisiert worden. Der frühere Parteichef Reinhard Bütikofer warf ihm im SPIEGEL vor, in der Europapolitik strategisch versagt zu haben. "Der Verzicht von Rot wie Grün auf ein ernsthaftes Ringen mit Kanzlerin Merkel um die Deutungshoheit in der Europapolitik erlaubte ihr eine politische Hegemonie", sagte der Europaparlamentarier, die später "nicht mehr zu erschüttern war."

Trittin habe als Spitzenkandidat ein starkes Mandat der gesamten Partei gehabt, nicht zuletzt der Realos, sagte Bütikofer der "Süddeutschen Zeitung". "Aber aufgetreten ist er nur als Sprecher für den linken Flügel. Göring-Eckardt als Co-Spitzenkandidatin habe "dieses Defizit nicht ausgleichen" können. "Zur Neuaufstellung gehört auch eine Neuaufstellung des Personals", sagte Bütikofer. "Auch in der Fraktion muss es einen Führungswechsel geben."

Auch Joschka Fischer ging mit der Grünen-Spitze hart ins Gericht. Der Linkskurs habe viele Wähler vergrault, sagte der ehemalige Bundesaußenminister im SPIEGEL.

Göring-Eckardt will den Fraktionsvorsitz

Anders als Trittin gab Göring-Eckardt ihre Kandidatur für den Fraktionsvorsitz bekannt: "Wir haben eine schwere Führungsaufgabe, dafür werde ich Verantwortung übernehmen." Neben der Realo-Frau wird der Bundestagsabgeordnete Anton Hofreiter als Bewerber der Parteilinken für diesen Posten gehandelt. Er hat seine Kandidatur am Dienstag bekannt gegeben.

Zuvor hatten schon andere Spitzenpolitiker der Grünen Konsequenzen aus dem schlechten Ergebnis bei der Bundestagswahl gezogen: Parteichefin Claudia Roth und die Fraktionsvorsitzende Renate Künast kündigten an, bei den anstehenden Wahlen nicht mehr für ihre Posten zu kandidieren.

Auf einem Bundesparteitag im Herbst sollen nach der Wahlniederlage vom Sonntag Bundesvorstand und Parteirat neu gewählt werden.

als/flo/dpa

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung