Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Grüner Palmer über CDU-Mann Mappus: "Er ist für Grüne wie mich eine Reizfigur"

Günther Oettinger tritt als baden-württembergischer CDU-Ministerpräsident ab - für die Grünen im Ländle kein gutes Signal: Dem wahrscheinlichen Nachfolger Stefan Mappus spricht Tübingens OB Boris Palmer im Interview die Eignung als Regierungschef ab, schwarz-grüne Annäherungen sieht er gefährdet.

SPIEGEL ONLINE: Welches Signal sendet der Abgang von Baden-Württembergs Ministerpräsident Oettinger?

Palmer: Sein Abgang zeigt den Zerfall der CDU in Baden-Württemberg: Zuletzt 34 Prozent bei der Bundestagswahl, ein Minus von 10 Prozent Wirtschaftswachstum, für 2010 ein Rekordhaushaltsloch - und nun ein Ministerpräsident, der halb weggelobt und halb weggemobbt wird. Und ein präsentierbarer Nachfolger ist nicht in Sicht.

SPIEGEL ONLINE: Fraktionschef Stefan Mappus hat seine Ambitionen bereits angemeldet ...

Palmer: ... den man im Landtag nur unter dem Spitznamen Brutus kennt. Die Landespresse wusste durch ihn schon die Woche über, dass Oettinger wegmuss. Und nun ruft sich Mappus selbst zum Cäsar aus. Man darf gespannt sein, ob sich die baden-württembergische CDU das gefallen lässt.

SPIEGEL ONLINE: Wäre ein Ministerpräsident Mappus ein Hindernis für die Annäherung zwischen Grünen und CDU im Ländle?

Palmer: Der Charakter eines Ministerpräsidenten spielt politisch immer eine große Rolle, auch für mögliche Koalitionsoptionen. Zudem steckt Mappus tief im konservativen Lager: Er hat eine NS-kritische Ausstellung zu verhindern versucht, er hat zu verantworten, dass sich schwule und lesbische Paare in baden-württembergischen Kfz-Zulassungsstellen trauen lassen müssen. Und Mappus hat seine Partei stets eng an die FDP gebunden. Er ist für Grüne wie mich eine Reizfigur - immerhin hat er nach der Landtagswahl 2006 durch eine Intrige Gespräche zwischen uns und der CDU verhindert.

SPIEGEL ONLINE: Sehen Sie eine Alternative zu Mappus?

Palmer: Leider wählen die Grünen in Baden-Württemberg derzeit noch nicht den Ministerpräsidenten.

SPIEGEL ONLINE: Ein schwarz-grünes Projekt nach der Landtagswahl 2011 wäre mit Mappus ausgeschlossen?

Palmer: Er würde als Ministerpräsident die Chancen der CDU sehr verschlechtern - was sicher zu unseren Gunsten gehen würde.

SPIEGEL ONLINE: Also wird ein Bündnis mit SPD und FDP wieder realistischer?

Palmer: Koalitionen kann man nicht vorhersagen. Aber mit einem Ministerpräsidenten Mappus würde zweifellos die durch Oettinger und CDU-Chefin Merkel vorangetriebene Öffnung der Partei in die urbanen Milieus zurückgeworfen, zurück in Richtung einer streng konservativen CDU. Für die Grünen würde das bedeuten, dass wir auch außerhalb von Städten wie Tübingen oder Stuttgart zur stärksten Kraft werden können.

Das Interview führte Florian Gathmann

Diesen Artikel...
Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 21 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Erstaunlich,
pi.daun, 25.10.2009
daß Spon den zukünftigen (?) Ministerpräsidenten zuallererst von den Grünen kommentieren läßt.
2. Grüne passen gut zu CDU und FDP
CHANGE-WECHSEL 25.10.2009
Die Grünen passen doch sehr gut zu der CDU und FDP. Sind doch die Grünen, siehe auch Joschka Fischer, von den Lobbyisten genauso käuflich wie die CDU und FDP Politiker. Sie auch Zitat: Saarland Grünen-Chef hatte enge Verbindung zu FDP-PolitikerMan kennt sich: Der saarländische Grünen-Chef Hubert Ulrich hat auch beruflich Verbindungen zur FDP. Bei den Jamaika-Koalitionsverhandlungen saß er nach SPIEGEL-Informationen mit einem Liberalen am Tisch, der Gesellschafter seines eigenen Arbeitgebers ist. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,657139,00.html Zitat Ende. Die Grünen haben es sich unter dem Muff der 1000 jährigen Talaren bequem gemacht und eingerichtet.
3. Anscheinend ...
Frank Miskar 25.10.2009
Zitat von pi.daundaß Spon den zukünftigen (?) Ministerpräsidenten zuallererst von den Grünen kommentieren läßt.
*... hat es sich inzwischen auch schon südlich der Mainlinie herumgesprochen, dass es so etwas wie Meinungsfreiheit geben soll.* (Das wurde, und wird in manchen kreisen, nicht allzu gerne gesehen.)
4. öttinger nach brüssel
oldjudge 25.10.2009
Ich habe da so einen Vedacht: Herr öttinger hat mehrfach und zwar im Gegensatz zu seiner Parteichefin, erklärt, dass er in der gegenwärtigen Wirtschaftkrise es nicht für verantwortbar hält, Steuerentlastungen, die nur über noch höhere Verschuldung finanziert werden können, zu beschließen. Das hat Frau Merkel sicherlich bei ihren Koalitionsgesprächen mit der FDP nicht gefallen. Wird nun Herr Öttinger abgeschoben und zur Augenwischerei der Bürger von Frau Merkel weggelobt? Dass sich Herr Schäuble freuen darf, dass er nach seinem Fall, der doch Frau Merkel wesentlich in ihrem Ehrgeiz, in der CDU allein zu regieren, weiterhalf, jetzt Gnade findet, . spricht für eine noble Christin Merkel. Jedenfalls beweist sie wieder einmal, wie ihr Ziehvater Kohl, dass es am besten ist, wenn man alle Fäden in der Hand behält.Da sind Mahner wie H.Öttinger nicht gefragt.
5. na dann
imagine, 25.10.2009
sollte die schwarz-grüne Annäherung durch Mappus gefährdet sein, bin ich dafür, dass der Mann Oettingers Nachfolge antritt.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2009
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Zur Person
Boris Palmer, Jahrgang 1972, ist seit Januar 2007 Oberbürgermeister der Universitätsstadt Tübingen. Der Grünen-Politiker war zuvor Landtagsabgeordneter in Baden-Württemberg.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: