Grüner Spitzenkandidat Trittin Der schüchterne Bürgerschreck

Er ist verstockt und verschlossen - zum Medienstar hat Jürgen Trittin nie getaugt. Einst legte er für den grünen Zampano Joschka Fischer geschickt den linken Flügel an die Kandare. Jetzt führt er selbst die Partei als Spitzenkandidat in den Wahlkampf.

Von Franz Walter


Über etliche Jahre war er der bad guy in der Führungscrew der Grünen: Jürgen Trittin. Mit Joschka Fischer hatte das Gros des deutschen Bürgertums irgendwann seinen Frieden geschlossen. Jürgen Trittin aber trauten die konservativen Bürger von Besitz und Bildung lange nicht über den Weg.

Grüner Spitzenmann Trittin: Man weiß nicht, was der Jürgen denkt
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Grüner Spitzenmann Trittin: Man weiß nicht, was der Jürgen denkt

Ihn hielten sie auch als Chef von Regierungsressorts für einen unbeugsamen Linken, der lediglich seine wahren Ziele verhüllte, sie nur für den Moment zurückstellte. Für sie blieb Trittin der Kader, der Funktionär des Marxismus und der potentiellen Öko-Diktatur, der Gegner von Bürgerlichkeit und Eigentum, der finstere Revolutionär, der subkutan den Umsturz zuarbeitete. Fischer wurde irgendwann gefeiert, Trittin wurde währenddessen mindestens noch in der ersten Legislaturperiode von Rot-Grün gefürchtet, ja: gehasst.

Natürlich: Trittin tat seinen Teil dazu, dass es so war. Denn er nahm offenkundig nur zu gerne die Pose des Undurchsichtigen ein. Seine politische Position war über die Jahre hin tatsächlich diffus geworden. Aber er wählte die Manier des Listigen, des schlauen Taktikers, von dem man vermuten sollte, bei ihm gäbe es eine primäre, unerschütterliche Wahrheit hinter dem äußeren Schein. Solchen Auftritt genoss Trittin. Es dürfte ihm sicher gefallen haben, dass man ihm allerhand zutraute, dass man ihn als einen mit allen Wassern gewaschenen Strategen und kühlen Analytiker sah.

Diesen Eindruck erweckte er übrigens nicht nur bei seinen alten Feinden von rechts. Auch seine Parteifreunde selbst hatten überwiegend dieses Bild von ihm. Dort schauten ebenfalls nicht wenige voller Unbehagen auf den langjährigen zweiten Mann ihrer Truppe. Man wisse einfach nicht, hieß es in Grünen-Gesprächen, was "der Jürgen wirklich denkt". Er lasse "ja niemanden an sich heran", er richte bei Kontaktversuchen sofort eine "dicke Isolierschicht" zwischen sich und allen anklopfenden Menschen.

Fischer brauchte Trittin

Zu einem Darling der Medienmenschen wird man so nicht. Als ein Redakteur des "Stern" die TV-Talkerin Sandra Maischberger einmal fragte, mit welchem Interviewpartner sie sich denn besonders schwer getan hätte, antwortete sie: Mit Jürgen Trittin. Denn: "Er erinnert mich in seiner Haltung an einen Türsteher, der breitbeinig und mit verschränkten Armen dasteht und nichts und niemanden durchlässt."

Frau Maischberger ging es nicht alleine so. Etliche ihrer Kollegen haben sich im Laufe der Jahre ihre Zähne an Trittin ausgebissen beim Versuch, ihm Privates zu entlocken. In solchen Situationen machte Trittin dicht - kühl, abweisend, wie viele dann düpiert empfinden: arrogant. Man erlebte ihn meist in seiner liebsten Körperhaltung: Die Arme wie einen Panzer um die Brust verschränkt, den Kopf zusammengezogen, auf der Hut, wachsam, misstrauisch - oder auch, wie Bettina Gaus vermutete, "einfach schüchtern".

Fischer hier, Trittin dort. Held der eine, Buhmann der andere. Seit 1988 bildeten sie bis 2005 informell das Führungsduo an der Spitze der Grünen. Und sie brauchten einander. Keiner der beiden hätte allein die Partei durch all die schwierigen Zeiten erbitterter Flügelkämpfe in den achtziger Jahren, des Scheiterns an der Fünfprozenthürde 1990, der Neuorientierungen nicht zuletzt in der Frage militärischer Interventionen manövrieren und beieinander halten können.

Dompteur des linken Flügels

Fischer war gewiss nie ein inniger Freund von Trittin; aber er respektierte doch dessen Fähigkeiten als Analytiker und Mann zäher Ausdauer. Vor allem war Fischer stets klar, dass es ohne den Abgeordneten aus Göttingen nicht ging, die Wege in die Realpolitik und in Regierungskoalitionen mit den Sozialdemokraten zu beschreiten.

Trittin zog die sogenannten Parteilinken mit, band sie ein und domestizierte sie. Auch die zahlreichen rhetorischen Eskapaden und Zuspitzungen Trittins, die seriell für Empörungen und Rücktrittsforderungen sorgten, schadeten à la longue weder den Grünen noch ihrem Urheber. Je stärker die Gegner tobten und seinen Kopf forderten, desto sicherer saß Trittin im Sattel. Denn in Trittin lebte dann die Erinnerung an das Ausgangselixier der Grünen auf, die rebellische, unangepasste Note.

insgesamt 20 Beiträge
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Seite 1
Galaxia, 08.05.2009
1. Gruener wirds nicht
Zitat von sysopEr ist verstockt und verschlossen - zum Medienstar hat Jürgen Trittin nie getaugt. Einst legte er für den grünen Zampano Joschka Fischer geschickt den linken Flügel an die Kandare. Jetzt führt er selbst die Partei als Spitzenkandidat in den Wahlkampf. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,623718,00.html
Ist ok, aber zu Still - Heute hat sich Jeder an die Getraenkepfand Sache gewoehnt - wie ich finde was sehr wichtig war um die Leute fuer mehr Umweltbewustsein zu sensibilisieren. Da Heute die CSU schon eheamlige Gruenen Politik betreibt (Siehe Monsato Mais), sollten die Gruenen klar Ihr NAMEN entlich zum 24h Programm aufgradieren! Erneuerbare Energien Umsetzung nichts anderes ... Jedefalls ihr habt meine Stimme :)
haaasi 08.05.2009
2. Herrr Trettin kehren Sie zu Wahrheit zurück
Haben Sie schon vergessen was sie 1998 versprochen haben oder Bedarfes etwas Nachhilfe Herr T......... Aber es sind ja schon 11 Jahre, da verlässt ein schon mal das Gehirn
altruist 08.05.2009
3. grüne-no and never
leuten wie trittin,roth,fischer-der spd und den gewerkschaften etc.habe ich und hunderttausende die vernichtung meines arbeitsplatzes in der einstmals so erfolgreichen deutsche nuklearindustrie zu verdanken.heute ist unsere nuklearindustrie in französischer hand.ein immenser volkswirtschaftlicher schaden. mögen die medizinischen röntgenstrahlen herrn trittin und seine artgenossen zerfressen.
Galaxia, 08.05.2009
4. Boah, Laus ueber die Leber gelaufen?
Zitat von altruistleuten wie trittin,roth,fischer-der spd und den gewerkschaften etc.habe ich und hunderttausende die vernichtung meines arbeitsplatzes in der einstmals so erfolgreichen deutsche nuklearindustrie zu verdanken.heute ist unsere nuklearindustrie in französischer hand.ein immenser volkswirtschaftlicher schaden. mögen die medizinischen röntgenstrahlen herrn trittin und seine artgenossen zerfressen.
Nur dumm das es unter der Aktuellen Regierung mehr Arbeitslose gibt. Stellen sie sich entlich der Realitaet, es geht in Deutschland beim Thema Energie nunmal um EE und das ausschliesslich Trittin anzulasten ist etwas sehr aerbermlich.
DerHerrB 08.05.2009
5. Programm mit WUMS
Zitat von GalaxiaIst ok, aber zu Still - Heute hat sich Jeder an die Getraenkepfand Sache gewoehnt - wie ich finde was sehr wichtig war um die Leute fuer mehr Umweltbewustsein zu sensibilisieren. Da Heute die CSU schon eheamlige Gruenen Politik betreibt (Siehe Monsato Mais), sollten die Gruenen klar Ihr NAMEN entlich zum 24h Programm aufgradieren! Erneuerbare Energien Umsetzung nichts anderes ... Jedefalls ihr habt meine Stimme :)
Entlich ist gut... Ihr Programm haben Sie doch mit der WUMS Kampagne schon hervorragend auf den Punkt gebracht. Interessant ist, dass CDU, FDP, Linke und FDP nun mit ähnlichen Plakaten und einer ähnlichen lautmalerischen Polemik mobil machen: http://www.spreewelle.de/?p=287 Man darf doch auch mal lachen!
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