Angriff auf die Kanzlerin: Trittin droht mit Veto gegen Fiskalpakt

Die Warnung kommt unmittelbar vor dem Treffen mit der Kanzlerin - und sie ist deutlich: Jürgen Trittin fordert von Angela Merkel massive Korrekturen an ihrem Plan für einen Fiskalpakt. Andernfalls würden die Grünen ihre Zustimmung verweigern. 

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Grünen-Politiker Trittin: "Merkel blockiert die Beendigung der Krise"

Berlin - Es dürften spannende Gespräche werden am Donnerstagnachmittag in Berlin. Die Kanzlerin trifft sich mit den Spitzen von SPD und Grünen, um über ihre Pläne für einen europäischen Fiskalpakt zu debattieren. Vorher hat Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin die Position seiner Partei unmissverständlich klar gemacht. "Ohne Zustimmung der Grünen in Bundesrat und Bundestag wird der Fiskalpakt nicht ratifiziert", drohte Trittin.

Die Kanzlerin müsse ihren finanzpolitischen Kurs dringend korrigieren. Mit ihrem "einseitigen Sparkurs" habe Merkel Deutschland "weltweit isoliert." Zugleich sprach sich Trittin für einen Einstieg in gemeinsam ausgegebene Euro-Anleihen aus. Merkels dogmatisches Nein zu gemeinsamen Euro-Bonds "blockiert die Beendigung der Krise", sagte Trittin der "Rheinischen Post". Die Euro-Bonds sind vor allem zwischen Frankreich und Deutschland umstritten. Die Bundesregierung lehnt die gemeinsamen Anleihen strikt ab.

Laut Trittin ist nun ein Schuldentilgungspakt als Schritt hin zu gemeinsamen Anleihen notwendig. "Der Schuldentilgungspakt verbindet intelligent die Vorteile niedriger Zinsen durch gemeinsame europäische Anleihen mit Abbau von Schulden. Die gemeinsame Haftung wäre in der Höhe und zeitlich begrenzt."

Trittins Forderungen haben einiges Gewicht, denn die schwarz-gelbe Koalition ist auf Stimmen der Opposition angewiesen um in Bundestag und Bundesrat eine Zweidrittelmehrheit für ihre Pläne zu erhalten. Doch noch liegen Regierung und Opposition in ihren Plänen weit auseinander. SPD und Grüne fordern für eine Zustimmung unter anderem weitere Wachstumsimpulse sowie konkrete Schritte für die Einführung einer Finanztransaktionssteuer.

Steinbrück rechnet mit Verzögerung

Sogar der Zeitpunkt für die Abstimmung ist umstritten. SPD und Grüne plädieren für eine späteres Votum des Bundestages - getrennt vom Beschluss über den im Juli startenden Euro-Rettungsschirm ESM. Die Koalition will dagegen beide Verträge im Paket vor der Sommerpause verabschieden.

Der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) rechnet mit einer Verzögerung des EU-Fiskalpakts für mehr Haushaltsdisziplin. Der Zeitplan sei nicht mehr zu halten, sagte Steinbrück. "Frau Merkel weiß seit mindestens vier Monaten, dass sie eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Deutschen Bundestag und im Bundesrat braucht", sagte Steinbrück.

Er warf der Kanzlerin mangelndes Tempo vor: "Sie hat in meinen Augen sträflich viel Zeit vergeben, um sich mit den Bundesländern über die Auswirkungen des Fiskalpaktes auf ihre Finanzlagen zu einigen und auch der SPD Angebote zu machen, weil sie die SPD für eine Mehrheitsbildung im Deutschen Bundestag braucht." Daher wundere er sich über das zeitliche Management.

"Mal hören, welche Vorstellungen Merkel hat"

Ursprünglich sollte Merkels Prestigeprojekt bis zur Sommerpause verabschiedet werden. Steinbrück rechnet dagegen mit Verhandlungen den ganzen Juni hindurch. "Ich glaube nicht, dass Deutschland den Fiskalpakt vor dem Herbst ratifizieren kann."

Zusammen mit dem Parteivorsitzende Sigmar Gabriel und dem Fraktionsvorsitzenden Frank-Walter Steinmeier habe er Vorschläge gemacht, wie der Fiskalpakt durch Wachstumsimpulse mit Blick auf die extrem hohe Jugendarbeitslosigkeit in einen mediterranen Ländern ergänzt werden könnte.

"Ansonsten sind wir ganz neugierig, mal zu hören, welche Vorstellungen denn Frau Merkel hat, welche Angebote sie hat, um eine Mehrheitsbildung hinzukriegen", sagte Steinbrück. "Der Ball ist in ihrem Spielfeld", sagte der mögliche SPD-Kanzlerkandidat.

Mit dem europäischen Fiskalpakt kommen auch auf die Bundesländer schärfere Haushaltsvorgaben zu. Bund und Länder sollen verpflichtet werden, für die Haushaltsjahre ab 2014 Obergrenzen für die Kreditaufnahme sowie konkrete Pläne für den Abbau ihres "Strukturdefizits" in gleichmäßigen Jahres-Schritten vorzulegen. Das geht aus Eckpunkten des Finanzministeriums zur Umsetzung hervor.

jok/dpa/dapd

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insgesamt 58 Beiträge
FreieWelt 24.05.2012
Trittin würde das deutsche Steuergeld noch viel schneller in der Welt verteilen. Die Tatsache, dass Griechenland und viele andere EU Länder inkl. Spanien schon vorher massig Geld von der EU bekommen haben und das erst der Grund [...]
Trittin würde das deutsche Steuergeld noch viel schneller in der Welt verteilen. Die Tatsache, dass Griechenland und viele andere EU Länder inkl. Spanien schon vorher massig Geld von der EU bekommen haben und das erst der Grund für ihr völliges Versagen gewesen sein könnte, kommt diesem Dilettanten nicht in den sie. Könnte man unsere Politiker nicht selber irgendwie direkt für Eurobonds haften lassen? Dann würde diese Heuchelei endlich aufhören.
burinasesel 24.05.2012
Tolle Opposition. Man beklagt nicht das verfassungsfeindliche Ausgrenzen des Parlamentes in der Euro-Krise, man verlangt ultimativ das Brechen aller Kern EU Verträge. Das Europa der Verfassungsbrecher , es wird sicher zur [...]
Tolle Opposition. Man beklagt nicht das verfassungsfeindliche Ausgrenzen des Parlamentes in der Euro-Krise, man verlangt ultimativ das Brechen aller Kern EU Verträge. Das Europa der Verfassungsbrecher , es wird sicher zur "Rettung" der EU beitragen.
Frankfurter87 24.05.2012
Trittin kritisiert also den "einseitigen Sparkurs": Vielleicht weiss er es nicht, aber es gibt ein Land im Norden Europas, welches durch einen harten Sparkurs (dh nicht nur irgendwas beschliessen, sondern auch [...]
Zitat von sysopDie Warnung kommt unmittelbar vor dem Treffen mit der Kanzlerin - und sie ist deutlich: Jürgen Trittin fordert von Angela Merkel massive Korrekturen an ihrem Plan für einen Fiskalpakt. Andernfalls würden die Grünen ihre Zustimmung verweigern. Grüner Trittin droht mit Veto gegen Fiskalpakt - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,834848,00.html)
Trittin kritisiert also den "einseitigen Sparkurs": Vielleicht weiss er es nicht, aber es gibt ein Land im Norden Europas, welches durch einen harten Sparkurs (dh nicht nur irgendwas beschliessen, sondern auch umsetzen!!!!) den Haushalt sanierte, welches jetzt sehr niedrige Schuldenstaende hat und eine niedrige Neuverschuldung, und die hoechste Wachstumsrate in der Eurozone: Dieses Land ist Estland: Das Durchschnittseinkommen betraegt 90% des griechischen Mindestlohns, und die Durchschnittsrente ein Viertel der griechischen Durchschnittsrente. Das Land holt sehr stark im Vergleich zu den uebrigen Laendern auf. Will nun Trittin (und Hollande) allen Ernstes Estland bitten, den Eurobonds zuzustimmen, um den "armen Suedlaendern" zu helfen, da deren "Sparpolitik" nicht wirkt, oder schaemen die beiden sich vielleicht doch ein wenig??
Sackaboner 24.05.2012
Merkwürdig, dass niemand darauf eingeht, dass der Fiskalpakt eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und -rat benötigt, weil er eine Grundgesetzänderung darstellt. Grundgesetzänderung, weil das Grundrecht eines jeden Volkes, nämlich [...]
Merkwürdig, dass niemand darauf eingeht, dass der Fiskalpakt eine Zweidrittelmehrheit in Bundestag und -rat benötigt, weil er eine Grundgesetzänderung darstellt. Grundgesetzänderung, weil das Grundrecht eines jeden Volkes, nämlich über seine Finanzen autonom zu bestimmen, abgeschafft und in die Hände der nicht demokratisch gewählten Brüsseler Diktatur gelegt wird. Die Masse der Menschen im Lande kriegt gar nicht mit, was sich hier abspielt. Keine Ahnung, was Trittin an dieser Sozialisierung nicht gefällt. Wahrscheinlich ist ihm zu wenig Umverteilung von oben nach unten drin. Oder sein Schuldentilgungsplan, nämlich durch noch höhere Ausgaben die Schulden zu senken - grüne Logik - wird nicht genügend gewürdigt. Man kann nur hoffen, dass sich genug CDU oder CSU-Leute den GRÜNEN verweigern, und damit den Einstieg in die finanzielle Entmündigung Deutschlands verhindern.
zeretzke 24.05.2012
Euro-Anleihen – Schuldentilgungspaket – Gemeinsame Haftung kann und darf erst dann Realität werden wenn das deutsche Modell der Sozialen Marktwirtschaft von unseren Europäischen Nachbarn übernommen wird. Daher wiederhole ich [...]
Euro-Anleihen – Schuldentilgungspaket – Gemeinsame Haftung kann und darf erst dann Realität werden wenn das deutsche Modell der Sozialen Marktwirtschaft von unseren Europäischen Nachbarn übernommen wird. Daher wiederhole ich unsere Forderung dass die Basis über Zustimmung oder Ablehnung des Fiskalpakets befragt wird. Ortsverband Grüne-Wesertal
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  • Donnerstag, 24.05.2012 – 07:32 Uhr
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