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Grüner Trittin zu Merkels Griechen-Krise "Weniger Stammtisch, mehr Helmut Kohl"

Regierungschefs Papandreou, Merkel: "Zögern und Zaudern" gegenüber den Griechen?Zur Großansicht
dpa

Regierungschefs Papandreou, Merkel: "Zögern und Zaudern" gegenüber den Griechen?

2. Teil: "Der rechte Rand schlägt uns die gefährlichste Alternative vor"

Diese Kredite - am Ende mehr als hundert Milliarden Euro in den kommenden drei Jahren - verschaffen den Griechen die dringend erforderliche Zeit, die sie für die Bewältigung ihrer Krise brauchen. Damit daraus eine nachhaltige Lösung wird, müssen aber zwei weitere Bedingungen erfüllt sein: Die Griechen müssen den Reformkurs, den die griechische Regierung beschrieben hat, unverzüglich einleiten, Absichtserklärungen alleine reichen nicht. Und - ebenso wichtig - die privaten Banken und Gläubiger müssen ihren Teil zur Krisenüberwindung beitragen.

Die gravierenden Missstände in der Vergangenheit bergen ein großes Potential für notwendige Veränderungen. Einnahmeverbesserungen durch Steuererhöhungen und konsequenten Steuervollzug auch bei der griechischen Oberschicht und Konsolidierungsmaßnahmen sind alternativlos: von der Reduzierung der Militärausgaben bis hin zu einer Reform von Steuer- und Pensionssystemen.

Die Altgläubiger müssen sich an der Sanierung beteiligen

Nun bedarf es eines strikten europäischen Monitorings, damit Ernst gemacht wird mit Reformen. Jenseits dessen wird es aber wichtig sein, dass Griechenland zugleich den Weg findet, seine internationale Wettbewerbsposition zu verbessern, um auch langfristig erfolgreich zu wirtschaften.

Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz hat daher vorgeschlagen, die Auszahlung von EU-Strukturfondsmittel antizyklisch vorzuziehen und diese Mittel in einen ökologischen Umbau der Ökonomie ganz im Sinne eines grünen New Deals zu investieren.


Konsolidierung ist alternativlos. Aber angesichts der hohen Altschulden und der daraus resultierenden Zinsverpflichtungen droht Griechenland auch mit einem noch so ambitionierten Konsolidierungsprogramm in der "Vergeblichkeitsfalle" zu verharren. So rechnet Simon Johnson, Ex-Chefökonom des IWF, vor, dass Griechenland bald zwölf Prozent seines Bruttosozialproduktes für den externen Schuldendienst ausgeben muss. Zum Vergleich: Deutschlands Wiedergutmachungszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg hätten sich auf jährlich rund 2,4 Prozent des Bruttosozialproduktes belaufen. Deshalb muss die Bundesregierung jetzt darauf drängen, dass die Altgläubiger sich an der Sanierung des Landes beteiligen.

Steuerzahler im Risiko

Die europäischen Steuerzahler gehen mit den Finanzhilfen für Griechenland ins Risiko, um einen ungeordneten Staatsbankrott zu vermeiden. Das bewahrt die Gläubigerbanken vor einem drohenden Totalausfall ihrer Forderungen. Es ist aber nicht akzeptabel, dass wieder die Gemeinschaft die Verluste übernimmt und die Banken die Gewinne einstreichen. Die Banken haben trotz der absehbaren Risiken die griechischen Staatspapiere gekauft und damit hohe Renditen erzielt.

Eine Gläubigerbeteiligung in Schuldenkrisen ist nichts Neues. Im Gegenteil, immer wieder gab es in der Geschichte erfolgreiche Beispiele dafür, dass Länder ihre Märkte "ordentlich" restrukturieren können, also ohne Panikreaktionen. Uruguay, Jamaika und Belize sind Beispiele aus jüngerer Zeit.

Der Verhaltenskodex des Institutes of International Finance, der internationale Branchenverband der Banken, legitimiert ein solches Vorgehen sogar - ja, er nimmt die Gläubiger explizit in die Pflicht, ihren Teil zur Restrukturierung beizutragen. Wenn nicht über eine Umschuldung, dann über Steuern und Abgaben aufgebracht von den Banken, die an der Überschuldung Griechenlands ebenso verdient haben wie an der Spekulation gegen sie.

Die jüngsten Ankündigungen einer "freiwilligen" Beteiligung durch die deutsche Wirtschaft sind bisher vage und komplett unverbindlich. Man redet öffentlich davon, um eine reale und substantielle Beteiligung abzuwenden. Die Bundesregierung muss die Gläubiger nicht "herzlich einladen" (Brüderle), sich zu beteiligen. Sie muss eine solche Beteiligung in fairem Ausmaß sicherstellen, bevor sie die Steuerzahler in die Pflicht nimmt, ohne vorher freundliche Einladungen zu freiwilligen Beiträgen auszusprechen.

Die Bundesregierung muss endlich aufhören, die Krise aus innenpolitischen Motiven auszusitzen - und sich dieser Herausforderung stellen.

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insgesamt 102 Beiträge
SBasker 01.05.2010
Die Forderung nach Hilfskrediten unter Beteiligung der Finanzindustrie ist nur eine Nebelkerze. Sie erinnert an die Strapazierung des Wortes "Gier" im Zusammenhang mit der Bankenkrise. Die Frage ist doch: Was wird [...]
Zitat von sysopHat sich die Bundesregierung in der Griechen-Krise verzockt? Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin rechnet in einem Gastbeitrag für SPIEGEL ONLINE mit Angela Merkel ab, verlangt Hilfskredite unter Beteiligung der Finanzindustrie - und fordert, sich auf Ideen des CDU-Altkanzlers zu besinnen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,692458,00.html
Die Forderung nach Hilfskrediten unter Beteiligung der Finanzindustrie ist nur eine Nebelkerze. Sie erinnert an die Strapazierung des Wortes "Gier" im Zusammenhang mit der Bankenkrise. Die Frage ist doch: Was wird mit dem Euro passieren? Ist also der Euro selbst in Gefahr? Paul Krugmans Antwort: “Mit einem Wort, ja." Paul Krugman: Griechenland, Portugal und Spanien sitzen in der Euro-Falle (http://www.kumran.de/paul-krugman-griechenland-portugal-und-spanien-sitzen-in-der-euro-falle/)
daß Jürgen hier Antoine de St.-Exupery bemüht. Um mit diesem zu sprechen: 'Deckt sich das Interesse des Kapitals nicht mehr mit den Interessen der Nation, das heißt der Menschen, so möge es einer anderen Struktur Platz machen…'
daß Jürgen hier Antoine de St.-Exupery bemüht. Um mit diesem zu sprechen: 'Deckt sich das Interesse des Kapitals nicht mehr mit den Interessen der Nation, das heißt der Menschen, so möge es einer anderen Struktur Platz machen…'
cosmo72 01.05.2010
Enteignung und Zerstörung der Nationen durch konstruierte Krise Diese "Krise" ist schon lange so geplant gewesen und der Euro war ausgelegt, genau diese Misstände zu erlauben - *das Ziel ist die EU zum Staat zu machen [...]
Enteignung und Zerstörung der Nationen durch konstruierte Krise Diese "Krise" ist schon lange so geplant gewesen und der Euro war ausgelegt, genau diese Misstände zu erlauben - *das Ziel ist die EU zum Staat zu machen und den Menschen & Bürgern ihre Herkunftländer zu nehmen!* Sie hören den Ruf doch allethalben : *mehr Einfluss für die EU hier und da, jenes wäre angeblich nicht passiert wäre die EU stärker gewesen und das würde ohnehin schon besser laufen, gäbe es keine nationalen Parlamente mehr!* Wann hat mehr Bürokratie mehr Demokratie und sinkende Steuern oder Verbesserung der staatlichen Leistungen erbracht ?! (http://alles-schallundrauch.blogspot.com/2010/04/statt-wahrungsunion-eine.html)
heuwender 01.05.2010
Genau,Tantchen Angela die von sich glaubt ein Superhirn zu sein,hat sich in der Griechenkriese verzockt,auch ist das Mädchen aus der Uckermark gleich vorgeprescht ohne zu überlegen,was sie eigentlich immer macht. Der dumme Wähler [...]
Genau,Tantchen Angela die von sich glaubt ein Superhirn zu sein,hat sich in der Griechenkriese verzockt,auch ist das Mädchen aus der Uckermark gleich vorgeprescht ohne zu überlegen,was sie eigentlich immer macht. Der dumme Wähler wählt dann wieder schwarz und geht der leimrutenlegenden Partei mit dem grossen "C" wieder einmal auf den LEIM und geht für andere Länder arbeiten um genug Steuern aufzubringen.
running_on_empty 01.05.2010
Hätte nie gedacht, daß ein grüner Oberapostel Schulden mit noch mehr Schulden bekämpfen will. Aber wer sich schon als Umweltverbesserer nach Helmut Kohl zurücksehnt, hat wahrlich seinen Leithammel gefunden. Überraschend auch [...]
Hätte nie gedacht, daß ein grüner Oberapostel Schulden mit noch mehr Schulden bekämpfen will. Aber wer sich schon als Umweltverbesserer nach Helmut Kohl zurücksehnt, hat wahrlich seinen Leithammel gefunden. Überraschend auch die unverhohlene Gleichung: Griechenland-Bankrott = Schock für Bankensystem und den Bankenrettungsfonds = Gefährdung von Stabilität der Währungsunion in der gegenwärtigen Form Ist das noch eine Drohung oder schon unverhohlene Panikmache? Dümmer geht es nimmer. Offensichtlich hat der Wirtschaftssozialismus der Kanzlerin auch die grüne Klientel angesteckt. Oder fühlten die sich beim Gedanken an den Sozialismus nicht sowieso schon immer besonders wohl? Wer den Ausschluß Griechenlands aus der Währungsunion fordert und die Wiedereinführung der Drachme fordert, gehört automatisch zum rechten Rand? Stattdessen soll ein dreijähriges Kreditprogramm "den Griechen die dringend erforderliche Zeit (verschaffen), die sie für die Bewältigung ihrer Krise brauchen." Herr Trittin, für wie bescheuert halten Sie eigentlich die Wähler (die eigene Klientel eingeschlossen), um auf so einen Unsinn reinzufallen? Selbst der IWF macht deutlich, daß unter 10 Jahren gar nichts läuft. Bye bye Credit. Der angemahnte Bankenschock, den es zu vermeiden gilt, kommt nämlich ganz von allein - nur eben verzögert. Und mit der zukünftigen Instabilität der Währung findet ganz wie von selbst auch ein deutscher Staatsbankrott statt.
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Zum Autor
DDP
Jürgen Trittin, 55, Bundesumweltminister von 1998 bis 2005, ist nach wie vor einer der führenden Grünen-Politiker Deutschlands. Der Fraktionschef der Grünen im Bundestag ist inzwischen für Außenpolitik verantwortlich.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,359 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Loukas Papademos

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Sie waren die Supermacht der Antike, nun fürchten die Hellenen den Bankrott. Aber wie schlimm steht es wirklich um Griechenland? Testen Sie Ihr Wissen über den Krisenstaat im SPIEGEL-ONLINE-Quiz! !




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