Grünes Face-Lifting "Das alte Logo ist Geschichte, das neue Logo hat Geschichte"

Moderner, klarer - und besser zu Kopieren: Mit deutlicher Mehrheit haben sich die Grünen auf ihrem Parteitag in Nürnberg ein neues Logo gegeben. Die Parteikomponenten "Bündnis 90" und "Die Grünen" werden jetzt in gleicher Schriftart dargestellt.

Von Yassin Musharbash, Nürnberg


Nürnberg - Von der Sonnenblume ist jetzt mehr zu sehen, der umständliche Rahmen um den Parteinamen fällt weg - und vor allem: Die alten Gruppierungsnamen "Bündnis 90" und "Die Grünen", aus deren Vereinigung 1993 die Partei "Bündnis 90/Die Grünen" hervorging, teilen sich jetzt dieselbe Schriftart: Dieses Face-Lifting haben sich die Grünen heute Abend verordnet.

Altes Logo (l.), neues Logo (2.v.l.), andere Entwürfe: Geschenk aus Berlin
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Altes Logo (l.), neues Logo (2.v.l.), andere Entwürfe: Geschenk aus Berlin

"Das alte Logo ist Geschichte, aber das neue Logo hat Geschichte", sagte der Berliner Parteiveteran Werner Schulz in seiner Werbe-Rede für ein neues Signet. Ihr kam Gewicht zu, denn Schulz, der aus dem "Bündnis 90" stammt, war einer der Schöpfer des alten Logos. Mit einigen Mitstreitern entwarf er es damals passend zum Vereinigungsparteitag der beiden Gruppierungen, nachts und am heimischen Computer. Dass hier zwei unterschiedliche Bewegungen zusammenwuchsen, dass man noch nicht eine Identität teilte, das machte der 93er Entwurf typographisch deutlich - indem die Namen "Bündnis 90" und "Die Grünen" in unterschiedlichen Schriften dargestellt wurden.

Doch Schulz, ansonsten Traditionalist, redete heute dem Fortschritt das Wort: Das alte Logo, argumentierte er, würde die Trennung von damals "konservieren", heute aber gäbe es längst eine gemeinsame Identität.

Die Logo-Debatte schwelt bei den Grünen seit über einem Jahr. Bei der letzten Bundesdelegiertenkonferenz in Köln 2006 hatte der Bundesvorstand noch versucht, ein neues Logo quasi von oben zu verordnen. Die Delegierten sollten überrascht werden mit einem Geschenk aus dem fernen Berlin - doch die lehnten dankend ab: Entwurf zurück an Absender. Die Grünen-Führung ging daraufhin in sich und entwickelte ein fast basidemokratisches Verfahren. Jedes Mitglied wurde aufgefordert, Entwürfe einzureichen, eine Jury suchte die besten aus, die Agentur, die die Grünen betreut, wurde um ihr Votum gebeten, die Rückendeckung von den Landesverbänden eingeholt. Heute wurden die Vorschläge auf dem Parteitag präsentiert. Die Besinnung auf die Mitwirkung der Basis wurde goutiert - in einem ersten Schritt beschloss die Partei am späten Abend, überhaupt ein neues Logo zu wollen.

Gegner der Design-Reform hatten zuvor argumentiert, gerade die im alten Logo sichtbare Geschichte solle doch bitte sichtbar bleiben. Doch Werner Schulz, glaubwürdiger Sachwalter eben dieses Erbes, wischte solche Einwände weg: Das neue Logo zeige doch in Wahrheit Geschichte - nämlich die Geschichte eines Zusammenwachsens.

Die neuen Entwürfe, aus denen ausgewählt wurde, waren sich ziemlich ähnlich: Alle zeigen mehr von der halben Sonnenblume, die schon das heutige Signet ziert. Ein Entwurf sogar den vollen Kreis. Ein gewagterer Entwurf trennte sogar überhaupt nicht mehr zwischen "Bündnis 90" und "Die Grünen" - in der ersten Zeile stand nur "Bündnis", unten "90 Die Grünen".

Am Ende setzte sich mit knapp über 55 Prozent die Version durch, die dem alten Logo am ähnlichsten ist. "Bündnis 90 Die Grünen" steht ab demnächst in der Schriftart "Futura" gesetzt, die Sonnenblume, einst von Joseph Beuys entworfen, ragt künftig zu drei Vierteln geöffnet von rechts hinein, ein blauer Balken - Reminiszenz an die alte Farbe von "Bündnis 90" - schließt das Logo nach unten ab.

In jenen Landtagswahlkämpfen, die in der ersten Jahreshälfte 2008 anstehen, wird das neue Emblem der Partei vermutlich noch nicht zum Einsatz kommen. Gewiss aber werden die Grünen den Bundestagswahlkampf 2009 damit bestreiten - noch aufzubrauchende Sonnenschirme mit alter Beschriftung ausgenommen. Die Parteiführung hatte die Debatte in Köln 2006 auch deshalb angestoßen, weil das alte Logo als typographisch veraltet, schlecht lesbar und schwierig zu faxen und zu kopieren gilt.

Weil die Entscheidung zweifellos basisdemokratisch fiel, gab es nur wenig Gegrummel nach der Abstimmung. Immerhin durften die Delegierten diesmal mitreden. Das alte, verriet Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke, war niemals durch einen Parteitag autorisiert worden.

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