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Grünes Manifest: Abschied vom Macho-Mann

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Sie wollen nicht länger Machos sein - sondern endlich Menschen: Eine Gruppe männlicher Grüner fordert mehr feministisches Engagement ihrer Geschlechtsgenossen. Das Manifest sorgt für ordentlich Häme in der Männerwelt. Aber auch nicht alle grünen Frauen sind überzeugt.

Grüne NRW-Spitzenfrauen mit Parteichefin Roth in der Mitte: Wo bleiben die Männer? Zur Großansicht
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Grüne NRW-Spitzenfrauen mit Parteichefin Roth in der Mitte: Wo bleiben die Männer?

Berlin - Sie waren immer Vorreiter beim Thema Frauenrechte: Als erste Partei führten die Grünen eine Quotierung für Listenplätze ein - stets beginnend mit einer Frau auf Position eins. Auch die gelosten Redebeiträge bei Grünen-Parteitagen werden seit jeher streng quotiert, es sprechen immer Frauen und Männer abwechselnd. Keine andere deutsche Partei nimmt das Thema Gleichberechtigung ernst - am Wochenende findet in Bonn wieder einmal eine zweitägige Bundesfrauenkonferenz statt.

Manches männliche Parteimitglied findet, man übertreibe es mitunter ein bisschen bei diesem Thema. Aber öffentlich sagt das natürlich keiner - stattdessen äußert sich nun eine Gruppe junger Grüner, denen das noch viel zu wenig ist: "Nicht länger Machos sein müssen!" ist das grüne Männer-Manifest für "Gleichberechtigung und männlichen Feminismus" überschrieben. Zu den Unterzeichnern gehören zahlreiche Europa-, Bundestags- und Landtagsabgeordnete.

"Wir wollen nicht länger Machos sein müssen, wir wollen Menschen sein!", heißt es in dem Aufruf. "Man wird nicht als Mann geboren, man wird dazu gemacht."

Das Manifest stellt zweierlei fest: Einmal müssten Männer endlich von ihren tradierten Rollenmustern wegkommen. "Wir brauchen ein neues Bewusstsein für eine neue Männlichkeit", schreiben die Autoren Sven Lehmann und Jan Philipp Albrecht. Zum anderen sollten ihre Mit-Männer endlich einsehen, dass wirkliche Gleichberechtigung nicht ohne sie zu erreichen sei.

Das sei keineswegs zum Nachteil ihrer Geschlechtsgenossen, glauben Lehmann - Mitglied des grünen Landesvorstands in Nordrhein-Westfalen - und der Europa-Parlamentarier Albrecht. "Wir wollen anders leben!", lautet ihr Appell: Entschleunigung, weniger Profitdenken, mehr Gesundheitsbewusstsein. Sie wollen "Boy's Days und ein geschlechtersensibles Bildungs- und Berufsberatungsangebot".

Denn, behaupten die Autoren: "Das Interesse am Maschinenbau ist nicht angeboren."

Natürlich gibt es für das Manifest, seit kurzem im Internet zu lesen, ordentlich Dresche aus der Männer-Welt. Mit Kommentaren à la "Scheiß Schwuppen" hätten sie natürlich gerechnet, sagt Mit-Verfasser Albrecht. Interessant seien allerdings auch solche mit dem Hinweis: "Was kümmert ihr euch überhaupt um das Thema?" Denn genau darum ginge es doch, glaubt er: "Die Frauen haben vorgelegt - nun müssen wir Männer nachziehen." Co-Autor Lehmann drückt das so aus: "Wo bleiben eigentlich die Männer in der Debatte über die gleichen Rechte?"

Parteichef Özdemir begrüßt das Manifest

Unterzeichnet ist das Manifest von Realos wie Parteilinken, hetero- wie homosexuellen Grünen-Politikern. Und so wundert es nicht, dass selbst Parteichef Cem Özdemir die Initiative begrüßt. "Geschlechtergerechtigkeit ist für uns Grüne schon seit Gründungstagen ein zentrales Anliegen", sagt er. "Folgerichtig ist das auch ein Thema für Männer." Die Problematik beschreibt der geschmeidige Özdemir - ganz im Ton der feministischen Debatte - folgendermaßen: "Eine gesellschaftliche Diskussion von Männern über Männer liegt in der Luft, auch wenn mancher von ihnen sich bei der Dekonstruktion seiner Männerrolle erst mal etwas unbehaglich fühlt."

Auch der Grünen-Chef hat zuletzt Erfahrungen in der Männer-Experimentierwerkstatt gesammelt: Weil er nach der Geburt seines zweiten Kindes eine mehrwöchige Auszeit vom Parteivorsitz nahm, war Özdemir der Wickel-Politiker der Stunde. Aber auch das ist den Anti-Macho-Manifestlern aus seiner Partei zu wenig: Würden Männer damit wirklich zu "neuen Vätern?", fragen sie. "Oder handelt es sich nicht in Wirklichkeit um eine 'Vater morgana', die Vätern lediglich eine verlängerte Auszeit vom Job ermöglicht ...?"

Das könne man schon als kleine Spitze gegen die Wickel-Inszenierung des eigenen Vorsitzenden verstehen, sagt ein Unterzeichner. Andererseits sei den meisten durchaus klar, dass ein Parteichef eben nicht gleich für ein halbes Jahr in Väterzeit gehen könne.

Grüne Frauen wollen mehr

Und was sagen die grünen Frauen? Astrid Rothe-Beinlich, frauenpolitische Sprecherin der Partei, freut sich über das Männer-Manifest. "Die Grünen waren ja schon immer eine progressive Partei", sagt sie. Es sei tatsächlich an der Zeit, "dass sich auch Männer für das Thema Gleichberechtigung zuständig fühlen". Allerdings dürften sich ihre Parteifreunde nicht mit dem Manifest zufriedengeben, fordert das Bundesvorstandsmitglied. Die Frage sei nun: "Wie kann man das umsetzen?"

Auch Franza Drechsel, frauen- und genderpolitische Sprecherin der Grünen Jugend, lobt das Papier grundsätzlich. "Es ist gut, dass sich Männer überhaupt an der Debatte beteiligen", sagt sie. Aber: "Das geht alles nicht weit genug." Im Grunde genommen "verharrten die Autoren immer noch in der Zweigeschlechtlichkeit", bemängelt das Vorstandsmitglied der Grünen Jugend. Vor allem sei plötzlich nur noch von den Männern die Rede: "Langfristig geht das nur gemeinsam", sagt Drechsel. Nur: Die Grünen Frauen agieren auch nicht eben kooperativ. Am Wochenende ist man fast komplett unter sich, die Referenten beim Bundesfrauenkongress in Bonn sind ausschließlich weiblich.

Die Frage ist: Wann blasen die grünen Anti-Machos zum ersten Bundesmännerkongress?

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Forum - Wo stehen die Grünen heute?
insgesamt 450 Beiträge
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1.
Alka Wumm 11.01.2010
Zitat von sysopVom Strickpulli zum Maßanzug: Einst zogen die Grünen als Bürgerschrecks in die Parlamente ein, inzwischen sind sie längst im politischen Betrieb etabliert. Nun wird die Ökopartei 30. Wo stehen die Grünen heute?
Genau da wo Sie angefangen haben: als belächelte Gutmenschen, die gerade mal als Mehrheitsbeschaffer taugen.
2.
yogtze 11.01.2010
Zitat von sysopVom Strickpulli zum Maßanzug: Einst zogen die Grünen als Bürgerschrecks in die Parlamente ein, inzwischen sind sie längst im politischen Betrieb etabliert. Nun wird die Ökopartei 30. Wo stehen die Grünen heute?
Mehr und mehr im sog. "bürgerlichen Lager"!
3. Eine
saul7 11.01.2010
Zitat von sysopVom Strickpulli zum Maßanzug: Einst zogen die Grünen als Bürgerschrecks in die Parlamente ein, inzwischen sind sie längst im politischen Betrieb etabliert. Nun wird die Ökopartei 30. Wo stehen die Grünen heute?
Partei, die zu Beginn eher dem linken Lager zuzuordnen war, hat sich in drei Jahrzehnten zu einer Partei der bürgerlichen Mitte entwickelt. Viele der ehemaligen Wähler der Grünen, die damals die "Protestpartei" wählten gehören heute ebenso zum "Establishment" wie die Spitzenpolitiker der Grünen auch. Inhaltlich sind die Grünen kaum noch von den anderen Parteien zu unterscheiden. Die Partei muß sich allerdings auch fragen lassen, ob es sinnvoll ist, eine so genannte Doppelspitze als Parteivorsitz weiterhin zu beschäftigen. Die eher farblose aber schrille Claudia Roth sollte endlich zurücktreten oder schnellstens abgelöst werden!!
4.
kdshp 11.01.2010
Zitat von sysopVom Strickpulli zum Maßanzug: Einst zogen die Grünen als Bürgerschrecks in die Parlamente ein, inzwischen sind sie längst im politischen Betrieb etabliert. Nun wird die Ökopartei 30. Wo stehen die Grünen heute?
Hallo, keine ahnung !
5.
grauer kater 11.01.2010
Im Abseits, wo sonst! Kein Profil, keine ökologisch tragbaren Ideen, außer überall noch mehr Steuern zu fordern und keinerlei honorige Führungskräfte! Eine überflüssige Partei, die sich besser auflösen sollte!
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30 Jahre Grüne: Bärte, Blumen, Turnschuh-Eid
Die Geschichte der Grünen
7. Oktober 1979 - Einzug in die Bremer Bürgerschaft
Ende der siebziger Jahre schließen sich Bürgerinitiativen wie die Anti-Atomkraft-Bewegung und Splitterparteien wie "Grüne Liste Umweltschutz", "Grüne Aktion Zukunft" und die "Aktionsgemeinschaft Unabhängiger Deutscher" zusammen. Bei der Europawahl 1979 tritt das Sammelsurium als "Sonstige politische Vereinigung Die Grünen" erstmals zur Wahl an - und holt mit ihren Spitzenkandidaten Petra Kelly und Herbert Gruhl immerhin 3,2 Prozent der Stimmen. Bei der Bürgerschaftswahl in Bremen gelingt der Formation am 7. Oktober 1979 mit 5,1 Prozent der Einzug in das erste Länderparlament.
13. Januar 1980 - Gründung der Bundespartei
In Karlsruhe wird am 13. Januar 1980 die neue Bundespartei unter dem Namen "Die Grünen" gegründet. Die erste Bundesversammlung der Partei in Saarbrücken bestimmt das Führungstrio August Haußleiter, Petra Kelly und Norbert Mann als "Parteisprecher". In der Präambel zum ersten Programm heißt es: "Wir sind die Alternative zu den herkömmlichen Parteien. … Wir verstehen uns als Teil der grünen Bewegung in aller Welt." Zentrales Thema der Grünen wird die Umwelt - ein Feld, das die deutsche Politik bislang kaum beachtet hat: "Die in Bonn etablierten Parteien verhalten sich, als sei auf dem endlichen Planeten Erde eine unendliche industrielle Produktionssteigerung möglich. Dadurch führen sie uns nach eigener Aussage vor die ausweglose Entscheidung zwischen Atomstaat oder Atomkrieg, zwischen Harrisburg oder Hiroshima. Die ökologische Weltkrise verschärft sich von Tag zu Tag: Die Rohstoffe verknappen sich, Giftskandal reiht sich an Giftskandal, Tiergattungen werden ausgerottet, Pflanzenarten sterben aus, Flüsse und Weltmeere verwandeln sich in Kloaken, der Mensch droht inmitten einer späten Industrie und Konsumgesellschaft geistig und seelisch zu verkümmern, wir bürden den nachfolgenden Generationen eine unheimliche Erbschaft auf. Die Zerstörung der Lebens- und Arbeitsgrundlagen und der Abbau demokratischer Rechte haben ein so bedrohliches Ausmaß erreicht, dass es einer grundlegenden Alternative für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft bedarf."

Unmittelbar nach der Gründung brechen heftige Kämpfe um die grundsätzliche Richtung aus; die Wertkonservativen - wie die Gruppe um den ehemaligen CDU-Abgeordneten und Schriftsteller Herbert Gruhl - ziehen sich zurück.
6. März 1983 - Erfolg bei der Bundestagswahl
Mit 5,6 Prozent der Zweitstimmen und 27 Abgeordneten ziehen die Grünen in den zehnten Bundestag ein; es ist seit Jahrzehnten die erste neue politische Kraft, der das gelingt. Aber der Erfolg führt nicht zu einer Einigung in der Partei, sondern verstärkt die Flügelkämpfe zwischen Fundamentalisten - "Fundis" - und Pragmatikern - "Realos". Permanente Streitpunkte: das Rotationsprinzip für wichtige Funktionen in der Parteiführung, die Trennung von Amt und Mandat - und die Frage, wie weit man mit den etablierten Parteien zusammenarbeiten konnte und wollte. Nach der Hälfte der Legislaturperiode "rotieren" alle Angeordneten - bis auf Petra Kelly und Gert Bastian, die sich weigern, ihren Platz frei zu machen.
16. Oktober 1985 - Rot-grüne Premiere in Hessen
Der Sozialdemokrat Holger Börner gewinnt 1983 die vorgezogenen Landtagswahlen in Hessen, er ist bei der Bildung seiner Regierung aber auf die Tolerierung durch die Grünen angewiesen. Im Oktober 1985 wird diese Zusammenarbeit formalisiert - und die hessischen Grünen unter dem Realo Joschka Fischer werden offizieller Regierungspartner in der ersten rot-grünen Koalition. Bei seiner Vereidigung zum Umweltminister am 12. Dezember erschien Fischer in Jeans und Sportschuhen. Die rot-grüne Koalition zerbrach nur zwei Jahr später am Streit über Genehmigungen für das Hanauer Atomunternehmen Alkem.
25. Januar 1987 - Zwischenhoch der "Fundis"
Bei den Wahlen zum elften Bundestag können die Grünen ihr Ergebnis noch einmal deutlich verbessern: Unter einem von "Fundis" dominierten Vorstand - Jutta Dittfurth, Rainer Trampert und Lukas Beckmann - holen sie 8,3 Prozent der Stimmen und ziehen mit 44 Abgeordneten ins Parlament ein. Das Rotationsprinzip wird reformiert: Die Parlamentarier bleiben jetzt volle vier Jahre - dann wird gewechselt.
2. Dezember 1990 - Rückschlag für die West-Grünen
Auf den Fall der Mauer reagieren die Grünen mit einem Aufruf an die Bundesregierung, die DDR völkerrechtlich anzuerkennen - und sie argumentieren auch in den folgenden Monaten gegen eine "Einverleibung" der DDR und einen "Vollzug der Unterwerfung" oder "Anschluss". In den Bundestagswahlkampf zieht die Partei mit einer trotzigen Verfremdung eines Werbeslogans der Bahn gegen die Einheitseuphorie: "Alle Reden von Deutschland. Wir reden vom Klima". Die Wahl wird zum Debakel für die West-Grünen, sie verpassen die Fünfprozenthürde und damit den Wiedereinzug in den Bundestag. Die "Grüne Partei in der DDR" hingegen verbündet sich mit der Bürgerbewegung "Bündnis 90" und bekommt vom Verfassungsgericht einmalig eine separate Fünfprozentklausel im Osten zugestanden - zusammen schafft man 6,1 Prozent und zieht mit acht Parlamentariern in den Bundestag ein. Im Richtungsstreit, der auf die Auseinandersetzung mit dem Wahldebakel folgt, treten prominente "Fundis" aus der Partei aus - die Parteilinken Jutta Dittfurth, Thomas Ebermann und Rainer Trampert.
14. Mai 1993 - Fusion von Grünen und Bündnis 90
Es ist eine Fusion in drei Etappen: Unmittelbar nach der Bundestagswahl 1990 tun sich Grüne in Ost und West zusammen; dann vereinigen sich Teile der vormaligen DDR-Bürgerbewegungen "Neues Forum", "Initiative Frieden und Menschenrechte" sowie "Demokratie Jetzt" zur Partei "Bündnis 90"; im Mai 1993 schließlich gehen Grüne und Bürgerbewegte in der Formation "Bündnis 90/Die Grünen" zusammen.
27. September 1998 - Rot-Grün regiert Deutschland
So deutlich war die Wechselstimmung noch nie: Erstmals wird bei einer Bundestagwahl eine Regierung komplett abgewählt - CDU und FDP. Die SPD holt mit ihrem Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder 40,9 Prozent der Stimmen, Bündnis 90/Die Grünen erreichen 6,6 Prozent. Das reicht für die erste rot-grüne Koalition im Bund. Im Kabinett sitzen drei grüne Minister: Joschka Fischer wird Außenminister, Andrea Fischer übernimmt das Gesundheitsressort, und Jürgen Trittin tritt als Umweltminister an. Gemeinsam mit der SPD wird der mittelfristige Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen und eine Ökosteuer eingeführt.

Der Nato-Einsatz in Serbien stellt das Bündnis auf eine harte Probe. Beim Sonderparteitag der Grünen im Mai 1999 wird das Spitzenpersonal wüst beschimpft, Joschka Fischer wird von einem Farbbeutel getroffen und am Ohr verletzt. Aber er kämpft für eine Fortsetzung der Luftangriffe gegen Milosevic: "Ich halte zum jetzigen Zeitpunkt eine einseitige Einstellung der Angriffe für das grundfalsche Signal. (...) Ich werde das nicht umsetzen, wenn ihr das beschließt, damit das klar ist!"
22. September 2002 - Wiederwahl mit neuem Programm
Im März 2002 erteilt die Bundesdelegiertenkonferenz in Berlin dem neuen Grundsatzprogramm den Segen. Titel: "Die Zukunft ist grün." Die wesentlichen Unterschiede zum "Saarbrücker Programm" beschreiben die Grünen so: "Inzwischen sind wir nicht mehr Anti-Parteien-Partei, sondern die Alternative im Parteiensystem. Die entscheidende Veränderung war, dass wir uns zu einer Reformpartei entwickeln wollten und mussten, um erfolgreich zu bleiben. Unsere politischen Visionen und Ziele wollen wir heute durch eine langfristig angelegte Reformstrategie erreichen." Die neue Richtung kommt beim Wähler an; bei der Bundestagswahl am 22. September erreichen die Grünen 8,6 Prozent - und gleichen so die starken Verluste der SPD aus. Rot-Grün geht wichtige Reformprojekte an, büßt aber im Bundesrat die Mehrheit ein und hat danach nur noch geringen Gestaltungsspielraum.
18. September 2005 - Ende des rot-grünen Projekts
Mit der vorgezogenen Bundestagswahl verlor die bisherige Regierung ihre Mehrheit - und während sich die SPD in die Große Koalition retten konnte, stürzten die Grünen in die Opposition ab. Der bisherige Vizekanzler und Außenminister Joschka Fischer - heimlicher Herrscher der Partei - kündigte rasch seinen kompletten Rückzug aus der Politik an, während andere rot-grüne Ex-Minister weiter machten. Renate Künast, zuvor zuständig für das Verbraucherschutzministerium, wurde gemeinsam mit Fritz Kuhn neue Fraktionschefin im Bundestag, der bisherige Umweltminister Jürgen Trittin zu einem ihrer Stellvertreter gewählt.
15. September 2007 - Ende des grünen Pragmatismus
Auf dem Bundesparteitag in Göttingen verabschieden sich die Grünen endgültig vom außenpolitischen Pragmatismus der Regierungsjahre. Das klare Nein der Delegierten gegen den kombinierten Antrag des Vorstands, der Verlängerung des Isaf- und des "Tornado"-Mandats in Afghanistan zuzustimmen, ist eine Ohrfeige für Künast, Kuhn und Co. Gleichzeitig genießt die Basis mit dieser Entscheidung, dass sie nach den vielen außenpolitischen Kompromissen der rot-grünen Ära fürs Erste keine Rücksicht mehr nehmen muss.
17. April 2008 - In Hamburg regiert Schwarz-Grün
Es war ein langer Weg der Hamburger Grünen, von den fundamentaloppositionellen Anfangstagen bis ins Frühjahr 2008 - der an einem sonnigen Apriltag mit der Unterzeichnung des bundesweit ersten schwarz-grünen Koalitionsvertrags endete. Dass es selbst mit der verhältnismäßig liberalen Hamburger CDU unter Bürgermeister Ole von Beust nicht leicht für die Grünen wird, zeigt sich bald: Der Bau des von den Grünen bekämpften Kohlekraftwerks in Moorburg lässt sich nicht mehr aufhalten. Inzwischen droht ein weiteres Grünen-Projekt zu scheitern - und damit möglicherweise auch die Koalition: Die Schulpolitik von Bildungssenatorin Christa Goetsch stößt in der Stadt auf heftigen Widerstand. Das längere gemeinsame Lernen aller Kinder wird für Schwarz-Grün in Hamburg zur Bewährungsprobe. Im August 2010 tritt CDU-Bürgermeister Ole von Beust zurück, im November zerbricht die Koalition.
5. November 2009 - Grüne legen ersten Koalitionsvertrag als Jamaika-Partner im Saarland vor
Wochenlang war es hin- und hergegangen, SPD und CDU warben im Saarland um die Gunst der Grünen - am Ende entschied sich die Partei mit ihrem Vorsitzenden Hubert Ulrich für ein Jamaika-Bündnis. Die Koalition mit CDU und FDP ist die erste dieser Art in Deutschland, von Parteilinken im Saarland wie im Rest der Republik wird sie argwöhnisch beobachtet. Rein strategisch ist es aus Grünen-Sicht ein kluger Schachzug, weil die Partei so ihre Machtoptionen verbreitert. Allerdings wäre auch ein rot-rot-grünes Bündnis eine Premiere gewesen.
28. November 2010 - Grüne verlassen Koalition in Hamburg
Nach dem Abgang des Ersten Bürgermeisters Ole von Beust schmeißt auch der Koalitionspartner hin: Am 28. November kündigen die Grünen dem neuen CDU-Bürgermeister Christoph Ahlhaus die Gefolgschaft. Damit ist die erste schwarz-grüne Koalition auf Länderebene vorzeitig gescheitert.
12. Mai 2011 - Kretschmann erster grüner Ministerpräsident
Die baden-württembergische Landtagswahl am 27. März 2011 führt zu einer kleinen politischen Revolution im Ländle - und stellt einen weiteren Meilenstein für die Grünen dar: Spitzenkandidat Winfried Kretschmann holt 24,2 Prozent der Stimmen und kann gemeinsam mit der SPD eine Koalition bilden. Am 12. Mai wird Kretschmann als erster grüner Ministerpräsident im Stuttgarter Landtag vereidigt.
25. Juni 2011 - Grüne stimmen schwarz-gelber Atomwende zu
Dem Bundesparteiag am 25. Juni 2011 gehen wochenlange parteiinterne Debatten voran - doch am Ende ist das Votum klar: Die Delegierten stimmen in Berlin mit großer Mehrheit der schwarz-gelben Atomwende in ihren Grundzügen zu.


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