TV-Duell Grass adelt Raab

Nanu? Nobelpreisträger Günter Grass rühmt bei einer Buchvorstellung in Berlin Stefan Raabs Rolle im TV-Duell als "erfrischend unbefangen".

  Dichter Grass: Nur Raab bekommt ein Lob
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Dichter Grass: Nur Raab bekommt ein Lob


Berlin - Nein, man kann nicht behaupten, dass die Presse bei Günter Grass dieser Tage besonders hoch im Kurs steht. Er fühle sich häufig als "Opfer zielgerichteter Propaganda", sagte der Schriftsteller am Montag bei einer Buchvorstellung in Berlin. Und so verwundert es nicht, dass der 85-jährige Sozialdemokrat auch über die Macher des TV-Duells wenig schmeichelhaft urteilt. Er habe da Moderatoren erlebt, die "vor lauter Routine nicht mehr laufen können", sagte er. Grass im Kampfmodus.

Nur einen nahm er ausdrücklich aus von seiner Kritik: Stefan Raab. Der Entertainer, dessen Arbeitsgebiet sonst nur wenig Berührungspunkte mit dem des Nobelpreisträgers hat, hat seine Sache nach Meinung von Grass gut gemacht. "Raab war auf seine Weise gegenüber den anderen erfrischend unbefangen", sagte er. Das Lob von unerwarteter Stelle schien das Publikum zu amüsieren.

Termine mit Grass werden in der SPD inzwischen mit einer gewissen Nervosität verfolgt. Nicht immer sind die Einlassungen des Dichters, der seit Jahrzehnten für die Sozialdemokraten Wahlkampf macht, hilfreich. Kürzlich attackierte Grass die Bundeswehr als "Söldnerarmee", was auch in der Partei für Stirnrunzeln sorgte. An diesem Montag geht alles gut. Grass nutzt die Gelegenheit, noch mal kräftig für Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zu trommeln.

Dieser habe ein gutes Duell hinter sich, sagt der Schriftsteller. Steinbrück habe "präzise, druckreif und wohlüberlegt" gesprochen und sei nur dort aggressiv gewesen, "wo es notwendig war". Mitunter werde dem Kandidaten ja vorgeworfen, zu detailreich, zu intellektuell zu argumentieren. "Ja, Himmelherrgott, wir brauchen einen Kanzler mit intellektuellen Qualitäten. Jemanden, der einschläfert, den haben wir schon", schimpfte Grass.

vme

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insgesamt 37 Beiträge
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kiefernwald 02.09.2013
1. Lieber ein enervierender Raab
als eine frostige Will und zwei weiteren Moderatoren, welche komplett untergingen. Eine totale Fehlbesetzung. Von den zwei Hauptakteuren ganz zu schweigen.
bambus07 02.09.2013
2. Grass
scheint zu einer wenigstens einigermaßen sachlichen Beurteilung des "Duells" entweder nicht willens oder nicht fähig. Vermutlich benutzte er die "Raab"-Krücke" um die Promotion für sein neues Buch zu verstärken. Scheint alles ziemlich durchsichtig.
ohne_mich 02.09.2013
3. Neulich noch....
...Lafontaine als "größten Verräter" brandmarken und heute Raab als "erfrischend unbefangen" auszeichnen. Ich fürchte, der gute Herr Grass hat seine besten Tage weit hinter sich gelassen...
exHotelmanager 02.09.2013
4. Relativititätstheorie
Zitat von sysopREUTERSNanu? Nobelpreisträger Günter Grass rühmt bei einer Buchvorstellung in Berlin Stefan Raabs Rolle im TV-Duell als "erfrischend unbefangen". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/guenter-grass-lobt-stefan-raabs-agieren-bei-tv-duell-a-919891.html
Für jemanden, der 65 Jahre mit sich selbst befangen war, muss selbst ein ghostgewriteter Showmaster aus dem Prekär-TV noch "unbefangen" erscheinen. Ich wünsche mir, dass die Elephantenrunden im Seriös-TV wiederkommen, ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Showstars des TV. Dann würde auch ein Herr Trittin mal ernsthaft die Nachhaltigkeit der Lebensweise von Herrn Steinbrück nachfragen.
lkm67 02.09.2013
5.
Zitat von bambus07scheint zu einer wenigstens einigermaßen sachlichen Beurteilung des "Duells" entweder nicht willens oder nicht fähig. Vermutlich benutzte er die "Raab"-Krücke" um die Promotion für sein neues Buch zu verstärken. Scheint alles ziemlich durchsichtig.
Das erscheint mir nicht fair was sie da sagen. Es ist ohne weiteres möglich nicht mit den Aussagen von Grass übereinzustimmen aber ihm diese Beweggründe der Verkaufsförderung zu unterstellen ist absurd. Der Mann ist 85 Jahre alt und hat seine Schäfchen im trockenen. Ich hingegen empfinde es als sehr erfrischen wenn ein 85-Jähriger demonstriert das ihn nichts egal ist und er sich engagiert in der Meinungsbildung und-findung.
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