Empörung über EU-Kommissar Oettinger verteidigt "Schlitzaugen"-Rede

"Das war etwas salopp": EU-Kommissar Oettinger hat sich zu seinen abfälligen Bemerkungen über Chinesen und Homosexuelle geäußert. Einen Fehler mag er nicht erkennen.

Günther Oettinger
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Günther Oettinger


EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) wehrt sich gegen den Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit. Dass er in seiner umstrittenen Rede das Wort "Schlitzauge" verwendet habe, sei nicht anstößig gemeint gewesen. "Das war eine etwas saloppe Äußerung, die in keinster Weise respektlos gegenüber China gemeint war", sagte er der "Welt".

Oettinger hatte seine Rede in Hamburg vor Unternehmern gehalten. "Ich wollte im digitalen Sektor, generell bei technologisch geprägten Sektoren aufzeigen, wie dynamisch die Welt ist. Und welche Herausforderung das enorme Tempo der Aufholjagd von Ländern wie China und Südkorea für uns darstellt. Und ich wollte in diesem Zusammenhang vor Selbstzufriedenheit warnen."

Er fügte hinzu: "Die Chinesen sind einfach clever." Wenn sie einen Technologievorsprung Europas nicht selbst aufholen könnten, dann kauften sie entsprechende Firmen. "Europäische Unternehmen stehen da umgekehrt in China vor größeren Hürden."

"Man muss den Gesamtzusammenhang sehen"

Auch die Homo-Ehe habe er nicht als solche angreifen wollen, sagte Oettinger, der von "Pflicht-Homo-Ehe" gesprochen hatte. "Ich habe die Homo-Ehe in einer Liste von Themen, Initiativen und Debatten genannt, die in Deutschland die politische Tagesordnung bestimmen", erläuterte er in der "Welt". "Mir geht es darum, diese Liste an Themen zu ergänzen - insbesondere um das Thema Wettbewerbsfähigkeit."

Er sei auch nicht gegen eine Frauenquote. "Die Quote ist ein wichtiges Instrument, um eine angemessene Mindestbeteiligung von Frauen in Spitzengremien zu erreichen", sagte Oettinger. Seine Rede sei nicht anstößig gemeint gewesen. "Man muss den Gesamtzusammenhang sehen, in dem ich mich geäußert habe", sagte er.

Andere sehen das durchaus kritischer. SPD-Generalsekretärin Katarina Barley sagte SPIEGEL ONLINE: "Jemand, der offen rassistische und homophobe Ressentiments bedient, disqualifiziert sich für politische Spitzenposten." Und weiter: "Günther Oettinger sollte mal dringend sein Weltbild überprüfen. Ein EU-Haushaltskommissar mit solchem Gedankengut könnte der ganzen EU Schaden zufügen."

Tatsächlich ist die Oettinger-Rede weit weniger harmlos, als er es nun darzustellen versucht. Das kann man einem Ausschnitt der Rede entnehmen, den der Verleger Sebastian Marquart auf YouTube stellte. Er habe angefangen zu filmen, als Oettinger von "Schlitzohren und Schlitzaugen" gesprochen habe, so Marquart.

Wörtlich sagt Oettinger: "Die deutsche Tagesordnung mit Mütterrente, Mindestrente, Rente mit 63, Betreuungsgeld, der komischen Maut - die aber nicht kommen wird -, bald noch mit der Pflicht-Homo-Ehe - wenn sie dann eingeführt wird. Die deutsche Tagesordnung genügt meiner Erwartung an deutsche Verantwortung in keiner Form."

Seinen Unionskollegen und CSU-Chef Horst Seehofer bezeichnet Oettinger als "Populist light", weil er die Mütterrente fordere. Über chinesische Minister sagte er: "Alle: Anzug, Einreiher dunkelblau, alle Haare von links nach rechts mit schwarzer Schuhcreme gekämmt."

Die Bloggerin Journelle, die ebenfalls auf der Veranstaltung war, berichtet auf Twitter von der gleichen Wortwahl. Sie schreibt, wie es in Oettingers Rede um die Angst ging, dass die "Schlitzaugen" Europa überholen würden.

Oettinger ist bislang als EU-Kommissar zuständig für Digitalwirtschaft. Am Freitag hatte die EU-Kommission mitgeteilt, dass der CDU-Politiker neuer Haushalts- und Personalkommissar werde. Zugleich rücke er in die Riege der insgesamt sieben Vizepräsidenten der Kommission auf. Oettinger folgt auf die bisherige Haushaltskommissarin Kristalina Georgiewa. Die Ökonomin übernimmt ab Januar einen Spitzenposten bei der Weltbank.

wal/dpa



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bclaus 29.10.2016
1. der muss zurücktreten!
als gebürtiger koreaner hab ich leider damit erfahrungen, schlitzauge, reisfresser oder ähnliches genannt zu werden und auch wenn es sicher die wenigsten wirklich böse oder beleidigend gemeint haben, ist es doch sehr verletzend, immer wieder solche bezeichnungen hören zu müssen.. und als spitzenpolitiker sollte man seine worte erst recht sehr genau wählen..
joes.world 29.10.2016
2. Jetzt habt euch mal nicht so.
Die Ausschnitte, die im Netz zu sehen waren, lassen auf eine launige Rede im kleinen Kreis schließen. Witzig und pointiert war er. Und die Zuhörer hat er unterhalten. Muss eine politische Rede immer nur fad sein? Speziell, wenn sie nur in kleinem Ramen vorgetragen wird, darf sie doch auch mal etwas frecher und witziger sein. Finde ich. Und vielleicht sollte man nicht vergessen über den Sinn seiner Rede nachzudenken. Denn darin schien es primär um Kritik an dem heutigen Deutschland zu gehen. Vielleicht zahlt es sich für seine Kritiker aus, einfach mal den Inhalt, also das zwischen den Worten, über die jeder diskutieren will, zu suchen. Pech hatte er damit, dass einer seine Rede im kleinen Kreis, via Handy ins Internet gestellt hat. Oder war es Glück für die, die das Ganze mehr witzig als anstößig fanden? Höchstens ein Sturm im Wasserglas, die Aufregung darüber. Mich interessiert mehr, was er und seine Kollegen in Brüssel an Taten setze, was sie verhindern, was sie fälschlicher Weise vorantreiben, wie sie ihren Einfluss - aus reinem Eigennutz - vergrößern, wie sie Gegengeschäfte mit Lobbyisten und deren Multinationalen Konzernen machen. Lasst uns mehr darüber berichten. Lasst uns nicht durch solche Geschichten von den wahren Problemen in Brüssel ablenken. Lassen wir uns nicht verführen, uns mit Unwichtigem von den vielen, wirklichen Problemen der heutigen EU abzulenken
ehrenwerter_geschäftsmann 29.10.2016
3. Ich wünschte...
... Oettinger stünde irgendwo zur Wahl. Ich glaube auch nicht, dass alles so gemeint war wie gesagt. Oettinger spricht aber einige unbequeme Wahrheiten an. 1. Es geht uns zu gut. Deshalb reden wir nur über Luxusprobleme und vernachlässigen die Zukunft. 2. China kauft mit Staatsgeld europäische Unternehmen und nimmt uns damit einen Teil unserer Zukunft. 3. Unsere Gesellschaft ist spätrömisch dekadent.
Sueme 29.10.2016
4.
Kurze Frage Herr Oettinger, in welchem technologisch geprägten Industriezweig ist Südkorea denn noch hinter uns ? Als EU Haushaltsminister wird er dann wahrscheinlich, am Beispiel von Deutschland, Liechtenstein belehren wie man Staatsschulden vermeidet.
rostigen 29.10.2016
5. Politiker sind Menschen mit zwei Gesichtern
Eins für die dummen Wähler und eins für die wo sie annehmen sie sind wie sie selbst. So sehen die alle aus wenn die Maske fällt. Egal wer, wo, welche Partei. Öffentliche Auftritte sind für diese Art von Individuen nur schauspielern.
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