Reaktionen auf Westerwelles Tod "Guido hat so gekämpft. Die Trauer ist groß"

Mit Bestürzung haben viele Politiker und Weggefährten die Nachricht vom Tod Guido Westerwelles aufgenommen. Die Reaktionen.

Guido Westerwelle bei einem Auftritt 2011
REUTERS

Guido Westerwelle bei einem Auftritt 2011


Er war Oppositionsführer und Außenminister, polarisierender Politiker und über Jahre das Gesicht der Liberalen. Jetzt ist Guido Westerwelle gestorben. Der frühere FDP-Politiker erlag am Freitag den Folgen seiner Leukämie-Erkrankung.

Westerwelles Tod hat bundesweit für Bestürzung gesorgt. Die Nachricht war kaum wenige Minuten alt, da meldeten sich bereits Parteifreunde, Weggefährten und frühere Konkurrenten zu Wort.

Die Partei des früheren Politikers teilte mit: "Wir trauern um Guido Westerwelle. Unsere Anteilnahme gilt seinem Mann und seiner Familie." FDP-Chef Christian Lindner schrieb auf Twitter: "Mir fehlen die Worte. Guido hat so gekämpft. Die Trauer ist groß." Später trat er vor die Presse und sagte, Westerwelles "rheinische Lebenslust und sein grenzenloser Optimismus haben uns mitgerissen". Er sei ein "überzeugter Marktwirtschaftler, ein Verteidiger der toleranten und offenen Gesellschaft und ein tief überzeugter Europäer" gewesen.

Die Bundesregierung reagierte mit einem Eintrag auf Facebook auf die Nachricht von Westerwelles Tod:

Trauer um Bundesaußenminister a.D. Guido Westerwelle
Facebook / Bundesregierung / Henning Schacht

Trauer um Bundesaußenminister a.D. Guido Westerwelle

"Tief erschüttert" zeigte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel. "Für die liberale Bewegung, für die Politik in Deutschland und für mich persönlich ist das ein richtig trauriger Tag." Westerwelle sei ein erfolgreicher Politiker gewesen, sie habe ihn aber auch als "empfindsamen und nachdenklichen Menschen" kennengelernt, "dessen Wort auch Gültigkeit hatte".

Bundespräsident Joachim Gauck nannte den FDP-Politiker einen "leidenschaftlichen politischen Menschen", der seine verschiedenen Aufgaben "immer mit großem persönlichen Einsatz angegangen" sei. Gauck lobte Westerwelles Einsatz für die europäische Integration und die deutsche Kandidatur für einen nicht-ständigen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen.

Politiker von SPD und CDU äußerten sich in mehreren eigenen Stellungnahmen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte, Westerwelle sei ein "Vollblutpolitiker" gewesen, "der sich nie wegduckt und auch in schwierigen Zeiten seine Überzeugungen aufrecht vertreten hat". Er sei mit dem Liberalen nicht immer einer Meinung gewesen, so der Sozialdemokrat. "Aber wir konnten uns immer aufeinander verlassen."

"Sehr, sehr bitter"

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) zeigte sich erschüttert. "Die Nachricht vom Tod Guido Westerwelles ist sehr, sehr bitter und erfüllt mich mit tiefer Trauer. Guido Westerwelle war ein besonders liebenswürdiger, zuvorkommender und selbstkritischer Mensch", teilte er mit.

Unionsfraktionschef Volker Kauder nannte Westerwelle einen "großartigen Kämpfer für die liberale Sache und einen engagierten Parlamentarier". Hubertus Heil, stellvertretender Fraktionschef der Sozialdemokraten, schrieb, er sei "sehr traurig über den Tod unseres Kollegen Guido Westerwelle". Armin Laschet, CDU-Chef in Nordrhein-Westfalen, zeigte sich nachdenklich. Er sagte, wenn ein "gleichaltriger Freund aus Studienzeiten früh verstirbt, denk man an das wirklich Wichtige im Leben. Guido Westerwelle - ein toller Mensch".

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Guido Westerwelle: Mal schrill, mal still
Die frühere Familienministerin Kristina Schröder erinnerte an die teilweise heftigen Reaktionen, die Westerwelle in seiner Karriere hervorgerufen hatte. Sie sprach von einem "extremen Leben voller Höhen und Tiefen. Westerwelle habe "so viele Schmähungen" erlebt - und sei dabei "ein feiner Mensch geblieben". Justizminister Heiko Maas erklärte, "unser Land verliert einen großen Liberalen. Viel zu früh".

Westerwelle gehörte zu den bekanntesten deutschen Politikern der vergangenen Jahre. 2009 wurde er Außenminister. Bei den Bundestagswahlen 2013 verpasste die FDP den Wiedereinzug in den Bundestag und Westerwelle musste seinen Posten als Außenminister räumen. Im Juni 2014 wurde die schwere Erkrankung des Politikers bekannt.

Mit kaum einer Partei lag Westerwelle wohl so häufig über Kreuz wie mit den Grünen. Deren Vorsitzende nahmen nun ebenfalls öffentlich Anteil am Tod des Politikers. "Wir sind sehr bestürzt über den Tod von Guido Westerwelle. Wir trauern mit seinem Mann und seiner Familie", teilte Cem Özdemir mit. Simone Peter schrieb: "Viel zu jung aus dem Leben gerissen." Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch sprach von einem "persönlich guten" und "kollegialen Verhältnis" zu Westerwelle.

Auch international sorgte Westerwelles Tod für Trauer. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz (SPD) schrieb: "Tief traurig über Tod von Guido Westerwelle. Mit ihm verliert FDP eine prägende Figur." Polens ehemaliger Außenminister Radoslaw Sikorski erklärte, Westerwelle sei ein "kompetenter Außenminister, ein guter Europäer und Atlantiker, ein Freund Polens und ein warmherziger Mensch" gewesen. Polen war die erste Station, die Westerwelle nach seinem Amtsantritt als Außenminister 2009 besucht hatte.

kev

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