CSU-Parteitag Ein bisschen Guttenberg

Lange versuchte die CSU, ihren einstigen Star Karl-Theodor zu Guttenberg für den Parteitag in Nürnberg zu gewinnen. Die Christsozialen sehnen sich nach adligem Glanz - dürfen sich jetzt aber nur ein wenig freuen: über Philipp Franz.

Philipp Franz zu Guttenberg: Forumsteilnehmer beim Parteitag
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Philipp Franz zu Guttenberg: Forumsteilnehmer beim Parteitag

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München/Berlin - Es klappt doch noch! Guttenberg kommt zum CSU-Parteitag. Adliger Glanz und der Name des CSU-Hoffnungsträgers von einst schmücken den Parteitreff der Christsozialen und sollen so manche Häme der vergangenen Tage wettmachen. Was war da noch gleich mit dem Satz von den Ausländern, die zu Hause gefälligst Deutsch reden sollen?

Guttenberg - bei diesem Namen kommen CSU-Leute noch immer ins Schwärmen, auch Jahre nach dem Rücktritt des Bundesverteidigungsministers. Es waren gute Zeiten für die Christsozialen. Mit ihm fühlte sich die ganze Partei schon fast auf dem Weg ins Kanzleramt. Und auch die Tage des manchmal erratisch agierenden Parteichefs Horst Seehofer schienen gezählt, es gab ja einen klaren Thronfolger. Guttenberg in Nürnberg - das bewegt die Herzen der Christsozialen.

Philipp Franz zu Guttenberg wird am Freitag zum Auftakt des Parteitreffs als Gast an einem Forum zur Steuer- und Finanzpolitik erwartet. Der kleinere Bruder des ehemaligen Verteidigungsministers gibt der CSU die Ehre. Statt dem großen "KT" macht es nun "pf". Karl-Theodor dagegen, der eigentliche Parteiheld, musste leider, leider absagen. Aus dem Coup, auf den die Parteitagsregie lange gesetzt hat, wird also nichts. Es gibt nur ein bisschen Guttenberg.

Seehofers Charmeoffensive blieb erfolglos

Dabei waren die Signale der CSU-Führungsspitze an "KT" nicht zu übersehen. Vorsichtig und bloß nicht zu offiziell wurden die Möglichkeiten ausgelotet, ihn für das Treffen in Nürnberg zu gewinnen. Gerda Hasselfeldt, Vorsitzende der CSU-Landesgruppe im Bundestag, reiste vor wenigen Wochen nach Washington und traf dort auch Guttenberg. Aus der Partei hieß es lediglich, die Reise sei lange geplant gewesen, die beiden seien zudem seit vielen Jahren gut befreundet. Soso.

Die Partei rollte für ein wie auch immer geartetes Guttenberg-Revival den roten Teppich aus, Seehofer wirkte in erster Reihe mit: "Meine Tür steht offen für Karl-Theodor zu Guttenberg", ließ sich der CSU-Chef zitieren. "Wenn mal eine gewisse Zeit vorbei ist, soll jemand wissen, du bist bei uns gern gesehen", sagte Seehofer und betonte, dass Guttenberg trotz des Rücktritts als Minister in der CSU noch immer "eine starke Figur" sei.

Beobachter gehen davon aus, dass Seehofer sich unter anderem auch deshalb um Guttenberg bemühte, weil er sich von ihm mehr außenpolitisches Gewicht für seine Partei verspricht, die in der Großen Koalition bei Fragen der internationalen Politik bestenfalls eine Nebenrolle spielt.

Doch die Charmeoffensive blieb erfolglos: Im kleinen Kreis mit Vertrauten im edlen Berliner China Club signalisierte Guttenberg vor wenigen Wochen, dass er für einen Auftritt auf dem Parteitag nicht zur Verfügung stehe. Als Grund nannte der 43-Jährige, der bei einem US-Thinktank engagiert ist, eine Reise nach Asien.

Für die CSU bleibt jetzt nur der kleinere Bruder als Trostpflaster. "Finanzen - Steuern - Währung", so lautet das Thema des Forums, an dem der 41-Jährige teilnehmen soll. Im Unterschied zu seinem älteren Bruder stand Philipp Franz zu Guttenberg bislang wenig in der Öffentlichkeit. Im Karneval 2011 nahm er stellvertretend für seinen Bruder den "Orden wider den tierischen Ernst" entgegen und bewies bei dem Auftritt viel Humor.

Vor ein paar Tagen aber kam er dem Berliner Kanzleramt so nahe wie schon lange kein Guttenberg mehr. Als Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände übergab Philipp Franz die traditionelle "Kanzlertanne". Als die 14,5 Meter hohe und 21 Jahre alte Küstentanne aus Mecklenburg-Vorpommern im Ehrenhof des Kanzleramts illuminiert wurde, sagte Guttenberg feierlich: "Die Kanzlertanne hat Unfreiheit und Unrechtsstaat nie erlebt, ist ein Kind der Freiheit, das seine Äste frei ausstrecken kann und somit jedem Sturm trotzt."

Die salbungsvollen Worte für den Baum zeigen: Den "KT"-Sprech hat der kleine Guttenberg immerhin schon voll drauf.

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insgesamt 51 Beiträge
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Fettnäpfchen 12.12.2014
1. Wer sich einen Lügner zum Kumpanen macht, ist selbst einer
Mit Karl-Theodor würde sich die CSU einen Bärendienst erweisen. Ihr Ansehen würde noch weiter sinken. Wer sich mit Lügnern umgibt, ist vermutlich selbst einer. Der Bruder Philipp-Franz ist aber nicht verantwortlich für Verfehlungen seines Bruders Karl-Theodor zu machen. Sippenhaftung gibt's hier zum Glück nicht. Er verdient eine Chance. Erst danach kann man beurteilen, inwieweit er seinem Bruder ähnelt (abgesehen von Äußerlichkeiten) und ob er auch nur ein Lügenbaron ist. Ein Adelstitel allein qualifiziert zu nichts. Er wird sich im Schatten seines Bruders beweisen müssen.
analyse 12.12.2014
2. Was der Club der linken Medien nur immer gegen die CSU hat ?!
Da ist dann keine Häme und Verdrehuing zu schade ! Grund ist möglicherweise der Ärger über den Erfolg Bayerns und der CSU.Trotz jahrzehntelanger medialer Bemühungen kann die SPD in Bayern davon nicht profitieren,das frustiert natürlich. Und da man die Demokratie vertritt,müssen es eben "Die Bayern"sein die nicht gehorsam dem linken mainstream folgen !
_unwissender 12.12.2014
3. irgendwie tröstlich...
Wenn man sich das geistige Potenzial dieser Partei anschaut, dann wundert auch aus der Rückschau die Thematik Betrug kein bisschen. Ob getürkte Dissertation oder Plünderung der Sparkasse oder gar Steuerhinterziehung. Nichts ist unmöglich. Und das sind nur die Fälle, die ans Tageslicht kamen, wie Guttenberg, Kreidl oder Haderthauer. Ich würde sagen, man weiß, was man an Bayern hat!
w.bartz 12.12.2014
4. ein bischen
In Bayern werden strengere Regeln im Umgang mit Asylanten gefordert. Jeder (interessierte)weiß was das für Signale sendet. Deßhalb brannten in Bayern heute Nacht mehrere geplante Asylheime nieder... Die Brandstifter haben die "subtilen" Aufforderungen verstanden, und der Forderung "nur etwas Nachhaltigkeit gegeben". Das solches der bayrischen Freistaatregierung nur "aus Versehen unterläuft" ist, wenn man die Geschichte der bayrischen Politik und deren Umgang mit Hetze betrachtet, nicht glaublich...
usmc-patrol 12.12.2014
5. Ein bisschen Blaues Blut kann nicht schaden...
Auch bei der Tante van der Leyen hat die Herkunft vermutlich etwas mitgeholfen, weil sie es so hoch hinaus bei der CDU gebracht hat. Bei den Grünen oder der AfD lauft eher das Fußvolk mit. Die CSU-Führung weiß, dass ein Schuss Boden-stämmige feudale Romantik bei der ländlichen Bevölkerung immer schon gut bei den Wahlen angekommen ist. Dem Mann hier fehlt noch die richtige Trachten-Uniform als Kampf-Montur beim Parteitag. Das Foto kommt etwas nach Hollywood-artwork eines business-man rüber :). Der Typ könnte auch als James Bond posieren.
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