Guttenberg-Demos: Spötter stehlen KTG-Fans die Show

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Auf Facebook stellten die Guttenberg-Anhänger klar die Mehrheit. Doch auf der Straße wurden die Fans des Ex-Ministers von Gegendemonstranten verspottet, verlacht, veräppelt. Die Kundgebungen für den Ex-Verteidigungsminister gerieten zur Farce. Nur im Heimatort des Politikers versammelten sich die wahrlich Treuen.

Die Guttenberg-Gegner vor dem Brandenburger Tor sind einfach besser vorbereitet: Ein junger Mann in Kapuzenpullover dreht zwei Boxen auf und beschallt den Pariser Platz mit Techno-Musik. Seine Mitstreiter hissen ein Transparent: "Solidarität mit dem Oberbefehlshaber" Eine junge Frau streckt ein Pappschild in die Berliner Luft. "Back for Gutt!" steht darauf.

Was als Pro-Guttenberg-Demo angekündigt war, entpuppt sich spätestens in diesem Moment als hämische Abrechnung junger Protestler mit den Getreuen des CSU-Politikers, die für ihr Idol auf der Straße marschieren wollten. Die Spott-Demonstranten stehlen den Guttenberg-Fans die Show.

Das war nicht von vornherein klar - immerhin hatte eine Guttenberg-Unterstützergruppe auf Facebook innerhalb weniger Tage über 500.000 Fans hinter sich geschart. Viele hofften auf Massendemos für Karl-Theodor zu Guttenberg.

Doch es zeigt sich mal wieder: Auf Facebook-Fans ist nicht immer Verlass.

Nicht nur in Berlin, auch in Frankfurt und Köln blieb die Zahl der Fans mit etwa 80 Leuten weit hinter den Erwartungen zurück. In Bremen, Hannover und Leipzig fielen geplante Kundgebungen mangels Interesse gleich ganz aus. In München gingen rund 500 Menschen für Guttenberg auf die Straße. In Rosenheim waren es mit 300 Anhängern viel mehr Unterstützer als in Berlin.

Wer hat hier den Überblick?

Am Brandenburger Tor ist es ein ungleicher Kampf: Auf der einen Seite etwa 80 junge Spaßprotestler - echte Demonstrations-Profis. Sie haben Transparente und zwei großen Lautsprecher dabei und Sprechchöre einstudiert. Auf der anderen Seite ein paar Dutzend ältere Guttenberg-Fans. Die Herren und Damen merken lange gar nicht, dass sie zum Gespött der jungen Jubeldemonstranten werden.

Einer der Spott-Demonstranten fordert per Megafon bierernst: "Solidarität mit unserem Verteidigungsminister". Die Polizei lässt ihn gewähren, offenbar war es ein Spötter, der die offiziell als Pro-Guttenberg-Demo angekündigte Veranstaltung angemeldet hatte. Die wahren Fans kämpfen vor dem Brandenburger Tor auf verlorenem Posten.

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18  Bilder
Guttenberg-Demos: "Monarchie jetzt!"
Karin Sparmann, eine schicke Frau in den Fünfzigern, ist gekommen, um gegen die "Hetzjagd auf Guttenberg" zu protestieren. "Wie einen Hund haben sie ihn getreten", sagt sie. Sparmann demonstriert, damit "er nicht nach Amerika geht", wie sie sagt. Sie hat gelesen, es gebe da ein Angebot. "Er soll hier bleiben, bei uns."

"Das ist ein Scherz"

Eine Demonstrantin ruft: "Eine Blamage für die Demokratie!" Der Plagiatsskandal? Das Schweigen der Kanzlerin? "Nein, die Bundestagsdebatte! Wie sie den Guttenberg da angegriffen haben - unmöglich!"

Nicht alle überblicken die Lage auf dem Pariser Platz. "Sind die jetzt für Guttenberg oder gegen ihn?", fragt eine ältere Frau in die Runde und schaut auf die jungen Spaßprotestler.

Karin Sparmann geht ein Stück näher ran, schaut auf die Plakate. Sie liest: "Wir sind Dein Volk." Aha. "Wir wollen Guttenberg als Kaiser." Sparmann sagt: "Die sind ja für ihn." Eine junge Frau hört das. "Das ist ein Scherz", sagt sie zur Guttenberg-Anhängerin. Unter der offenen Jacke trägt die junge Frau ein T-Shirt mit der Aufschrift "I See Dumb People" (Ich sehe doofe Leute).

Sparmann lässt ihren Blick über die jungen Protestler schweifen. "Jetzt oder nie: Monarchie", rufen sie. Sparmann sieht das Guttenberg-Plakat mit der Aufschrift: "Du hast die Haare schön." "Ach so", sagt sie. Sie müsse jetzt nach Hause.

Auch in Hamburg gibt es Häme

Als sich die Guttenberg-Fans auf dem Hamburger Gänsemarkt treffen, dröhnt ihnen Musik entgegen. Ein Mann im braunen Sakko mit Sonnenbrille verteilt Zettel mit "Dr."-Aufschrift an Passanten. "Wir brauchen einen starken Führer", sagt der Mann, der Alouis Günther genannt werden will.

Günther ist einer der 150 versammelten Guttenberg-Gegner. Sie haben Plakate dabei, auf denen sie die Einführung der Monarchie fordern. Sie machen sich lustig über die Anhänger der Jungen Union, die hier ihre Solidarität mit dem Ex-Verteidigungsminister zeigen wollen. Sie seien "von einer Splittergruppe der Hedonistischen Internationalen". Die politisch links stehenden Spaß-Demonstranten hatten im Internet dazu aufgerufen, die Pro-Guttenberg-Demos zu unterwandern.

Rund 300 Guttenberg-Fans haben es zur Demonstration in der Hansestadt geschafft. "Das kann man schon als Erfolg bewerten", sagt Christoph Bähnk, der Vorsitzende der Jungen Union in Geesthacht. Allerdings hatte die JU eigentlich mit 1000 Unterstützern gerechnet.

Guttenbergs Vater zieht einen zweifelhaften Vergleich

Die einzig gut besuchte Pro-Guttenberg-Demo findet - na klar - in Guttenberg statt. 4000 Leute haben sich im oberfränkischen Heimatort des CSU-Politikers versammelt, sagt der Veranstalter, die Junge Union Kulmbach. Die Polizei spricht von etwa 1500 Menschen. Hier kommen die Guttenberg-Fans aus allen Teilen Bayerns und fordern bei der knapp zweistündigen Kundgebung mit Plakaten wie "Neid muss man sich erarbeiten" und "Gutti war zu gut für Euch" die Rückkehr des 39-Jährigen in die Politik. Unterstützt werden sie dabei von Guttenbergs Vater, Baron Enoch zu Guttenberg.

Riesenbeifall brandet auf, als er über eine Leiter auf einen Traktoranhänger steigt und ans Mikrofon tritt. "Danke für Ihre liebevolle Verbundenheit, danke, danke für ihre Liebe", sagt der 64 Jahre alte Dirigent. Wenige Minuten vor der Kundgebung habe er noch mit seinem Sohn telefoniert. "Er schickt Ihnen sein Herz und verspricht Ihnen seine Treue, mehr hat er nicht gesagt."

Fehlerlos sei sein Sohn aber nicht: "Auch er ist keiner, der über's Wasser laufen kann", sagt Enoch zu Guttenberg. Er kritisiert die "Häme und Selbstgerechtigkeit", mit der über seinen Sohn hergezogen worden sei. "Dieser Geifer und dieser Jagdrausch der politischen Gegner macht Angst um das Verbleiben der Mitmenschlichkeit in unserem Land." So etwas habe er seit 1945 so nicht mehr erlebt.

Ob dieser Vergleich nun unbedingt angemessen ist, darüber ließe sich sicherlich streiten. Immerhin bleiben die Spötter und Fans in Hamburg und Berlin friedlich.

mit Material von dpa und dapd

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 723 Beiträge
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1. Ja wo sind sie denn....?
Questions 05.03.2011
Die vielen Facebook-Freunde sind womöglich doch nur irgendwelche Pseudoprofile - oder wie erklärt sich die Diskrepanz? Ein ägyptischer Frühling läßt sich halt doch nur dann übers Netz organisieren, wenn auch echte Menschen mit Herzblut dahinter stehen. Insofern an die Organisatoren der Kampange: dumm gelaufen.....!!
2. Dekadent
Unkorrekt 05.03.2011
Der fraenkische Hochadel scheint ein ziemlich dekadenter Haufen zu sein. Da ist nix von Samurai-Ehre und Familiensaebel reichen. Der Papa demonstriert gegen die "Poese Presse" - die den lieben Theo (hat doch nur etwas geschummelt, weil er so ueberlastet war) so gemein mit Haehme ueberzogen haben. Man was fuer'n kaputter Haufen. Haette ich meine Promotion gefaelscht und danach noch zwei Wochen oeffentlich rumgelogen, dann haette mir mein Daddy den Arsch mindestens verbal versohlt. - Aber wir sind ja auch nur Bildungsbuergertum......
3.
RichardT 05.03.2011
Zitat von sysopAuf Facebook stellten die Guttenberg-Anhänger klar die Mehrheit. Doch auf der Straße*wurden die*Fans des Ex-Ministers von gegendemonstranten verspottet, verlacht, veräppelt. Die Kundgebungen für den Ex-Verteidigungsminister gerieten zur Farce. Nur im Heimatort des Politikers versammelten sich die wahrlich Treuen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,749290,00.html
Der Vater dessen, der letzten Oktober Mappus nach seiner Prügelorgie noch ziemlich schamlos in Schutz genommen hatte, schwadroniert von "Angst um das Verbleiben der Mitmenschlichkeit in unserem Land". Also, mir kommt da das K...... Naja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
4. Nun ja,
diaula 05.03.2011
Zitat von RichardTDer Vater dessen, der letzten Oktober Mappus nach seiner Prügelorgie noch ziemlich schamlos in Schutz genommen hatte, schwadroniert von "Angst um das Verbleiben der Mitmenschlichkeit in unserem Land". Also, mir kommt da das K...... Naja, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.
dieser oberfränkische Hochadel scheint doch recht .. (äh) .. provinziell zu sein.
5. Also im Web...
Bruschetta 05.03.2011
... kannst du Facebook-Profile + Find-ich-gut-Freunde im Tausenderpack mieten. Alle Details regelt der Basar. Und der zur Verfügung stehende Betrag.
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"Eine Riesenblamage für die Kanzlerin"

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