Guttenberg im Bundestag "Ich war offensichtlich überfordert"

Verteidigungsminister Guttenberg hat sich in der Affäre um seine Doktorarbeit erstmals den Fragen der Abgeordneten gestellt. Im Bundestag wies er Vorwürfe zurück, er habe vorsätzlich getäuscht. Erneut lehnte er einen Rücktritt ab - und bat seine Kritiker um mehr Verständnis.

Guttenberg am Mittwoch im Bundestag: "Offensichtlich überfordert"
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Guttenberg am Mittwoch im Bundestag: "Offensichtlich überfordert"


Berlin - Um 14.10 Uhr trat Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg an das Rednerpult im gut gefüllten Plenarsaal: Erstmals bezog der CSU-Politiker in der Affäre um seine Doktorarbeit bei einer Fragestunde im Bundestag Stellung. Ernst und beherrscht beantwortete Guttenberg die Fragen mehrerer Abgeordneter. Wiederholt wurde er dabei von empörten Zwischenrufen unterbrochen, vereinzelt gab es Applaus.

Die Grünen-Abgeordneten Jürgen Trittin, Volker Beck und Krista Sager gehörten zu den ersten Fragestellern. Erneut räumte Guttenberg Fehler bei seiner Doktorarbeit ein und entschuldigte sich. Er habe offensichtlich eine "sehr fehlerhafte Doktorarbeit geschrieben" sagte er und fügte hinzu: "Dann kann ich nur sagen, dass das ein schlechtes Signal gewesen ist."

Kein Rücktritt

Guttenberg wurde schnell mit der Frage konfrontiert, ob seine anfängliche Erklärung, die Vorwürfe gegen ihn seien "abstrus", nicht vorschnell gewesen sei - Guttenberg hatte erst Tage, nachdem die ersten Vorwürfe lautgeworden waren, "gravierende Fehler" in seiner Arbeit eingestanden und erklärt, er wolle auf seinen Doktorgrad dauerhaft verzichten.

Guttenberg wies diese Kritik klar zurück. Dieser Teil seiner Erklärung sei weiterhin gültig, weil sie sich auf den Vorwurf bezogen hätten, die Arbeit sei ein Plagiat, sagte der Minister. Ein Plagiat setze aber voraus, dass man bewusst und vorsätzlich täusche. Er habe aber in allen Stellungnahmen deutlich gemacht, dass er weder bewusst noch vorsätzlich getäuscht habe.

An seinem Amt, so machte Guttenberg deutlich, wolle er weiter festhalten. Die Signale, die er als Minister auszusenden habe, orientierten sich am Aufgabengebiet des Bundesverteidigungsministers. "Und das sind Signale, die ich weiterhin mit dem Verantwortungsbewusstsein ausüben und ausfüllen will, wie ich das bisher getan habe", sagte Guttenberg

"Üble Nachrede"

Mehrfach kritisierte Guttenberg während seiner Erklärung im Bundestag seine Gegner, wenn auch nur in Nebensätzen: "Ich war sicher so hochmütig zu glauben, dass mir die Quadratur des Kreises gelingt", sagte Guttenberg. Er habe seinen Aufgaben als Politiker und junger Familienvater mit den Herausforderungen einer Doktorarbeit vereinbaren wollen. "Ich war offensichtlich damit überfordert." Dies sei aber "kein Grund, dass man hämisch übereinander herfällt", sagte Guttenberg und bat um Verständnis. Zudem komme die Kritik gegen ihn "ganz schnell in den Bereich der üblen Nachrede", sagte er an anderer Stelle, "das wollen sie sicherlich auch nicht."

Guttenberg bestritt zugleich, den wissenschaftlichen Dienst des Bundestags zum Erstellen seiner Arbeit ausgenutzt zu haben. Er habe sich von den Mitarbeitern dieses Services für Mandatsträger Texte für seine Tätigkeit als Abgeordneter erstellen lassen, die er für vielerlei Anlässe, etwa Reisen und Vorträge, genutzt habe. Anschließend habe er die Texte auch in seine Dissertation aufgenommen, dies aber auch als Primärquelle so angegeben.

Der Politiker wies Vorwürfe zurück, er habe die Verwendung des wissenschaftlichen Dienstes verschleiern wollen. "Der Mandatsbezug war ganz klar gegeben bei diesen Ausarbeitungen, die ich angefordert habe." Der Nutzen für die Dissertation habe sich erst später ergeben. Es seien ihm aber an zwei Stellen bei Fußnoten Fehler unterlaufen.

Auf die Frage nach möglicher Hilfe oder einem sogenannten Ghostwriter betonte der Minister, er habe mehrfach gesagt, dass er die Arbeit persönlich geschrieben habe. Davon werde er nicht abrücken.

Der Nachrichtenagentur AFP zufolge wird die Universität Bayreuth Guttenberg womöglich bereits noch im Laufe des Tages den Doktortitel aberkennen. Der Verteidigungsminister wird in einer für 15.40 Uhr angesetzten Aktuellen Stunde im Bundestag erneut das Wort zur Plagiatsaffäre ergreifen.

amz/dpa/AFP

insgesamt 146 Beiträge
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Seite 1
Florian Geyer, 23.02.2011
1. Ein müdes Schaulaufen!
Zitat von sysopVerteidigungsminister zu Guttenberg hat sich in der Affäre um seine Doktorarbeit erstmals den Fragen der Abgeordneten gestellt. Im Bundestag*wies er Vorwürfe zurück, er habe vorsätzlich getäuscht.*Erneut lehnte er einen Rücktritt ab - und bat seine Kritiker*um mehr Verständnis. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,747280,00.html
Diese Fragestunde, eine "Sternstunde" des Parlamentes hätte sie werden können aber was haben wir gesehen, ein halbleeres Haus, die üblichen Verdächtigen als Fragesteller, ein Minister der einen zerknirschten Eindruck machte und ansonsten viel heiße Luft von beiden Seiten, geschenkt diese "Fragestunde". Mein Gott, wer hat denn diese Leute gewählt? Waren wir das. Prof. Arnulf Baring hat wohl recht, wir müssen unsere Ansprüche an Politiker drastisch reduzieren.
MobelpreisMedizinPhysik 23.02.2011
2. Tatsachenbehauptung ist keine 'üble Nachrede'
Ein Plagiat liegt z.B. schon vor, wenn Texte ohne Kennzeichnugn übernommen wurden - selbst ohne Nachweis des Vorsatzes. Natürlich liegt bei dem sich windenden Lügenbaron auch der Vorsatz klar vor. Ansonsten wäre er ja ein noch größerer Dorftrottel. Er kann bisher nur noch einfachste Provinzbauern überzeugen - die brauchen halt eine Woche länger, um festzustellen, dass er sie auch nur vera....t hat. Jetzt muss er einfach zurücktreten, eine Witzfigur für das größte Plagiat der deutschen Kulturgeschichte wird er ewig bleiben, vielleicht sogar Baron Münchausen übertrumpfen in künftigen Märchenbüchern. Man soll jetzt nicht mehr auf ihm herumhacken, das machen schon die Uni und die Gerichte. Danach bleibt kein ungekrümmtes Haar mehrr an ihm. Jeder Wissenschaftler weis: das ist ein extrem bewußtes Plagiat und er darf nirgends mehr von Steuergeldern in der Welt herumreisen.
Vex 23.02.2011
3. ...
Wenn will KTG eigentlich verarschen ... noch eindeutiger als in dieser Arbeit kann ein Vorsatz nicht sein. Er hat bewusst und vorsätzlich getäuscht und wenn nicht dann hat er ein echtes gesistiges Problem er würde bedeuten das er Dement ist und somit unmündig. Mir tun seine ganzen Fans inzwischen nur noch leid . Sie werden von KTG so dreist der Nase herumgeführt und betrogen und sind nicht in der Lage es zu durchschauen. Es ist echt traurig wie wenig die Bürger inzwischen zweifeln und wie viel sie einfach unkritisch und vor allem unreflektiert glauben ... als hätte es die Aufklärung nie gegeben.
denkpanzer 23.02.2011
4. Kein Verständnis
Zitat von sysopVerteidigungsminister zu Guttenberg hat sich in der Affäre um seine Doktorarbeit erstmals den Fragen der Abgeordneten gestellt. Im Bundestag*wies er Vorwürfe zurück, er habe vorsätzlich getäuscht.*Erneut lehnte er einen Rücktritt ab - und bat seine Kritiker*um mehr Verständnis. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,747280,00.html
Mein Verständnis hat er nicht. Er sollte zugeben das er grob geschummelt hat. Ob er dann noch als Minister haltbar ist möchte ich nicht beurteilen, wählen würde ich ihn nicht.
servadbogdanov 23.02.2011
5. Was ist denn da los?
Zitat von sysopVerteidigungsminister zu Guttenberg hat sich in der Affäre um seine Doktorarbeit erstmals den Fragen der Abgeordneten gestellt. Im Bundestag*wies er Vorwürfe zurück, er habe vorsätzlich getäuscht.*Erneut lehnte er einen Rücktritt ab - und bat seine Kritiker*um mehr Verständnis. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,747280,00.html
Seit wann bitteschön kann Superman überfordert sein? Die nächste Frage wäre dann: wovon? Hat zwischen Weltenrettung und übers Wasser laufen nicht etwa noch eine kleine popelige Dissertationsarbeit gepaßt?
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