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Ex-Verteidigungsminister: Guttenberg kündigt Boykott deutscher Medien an

Einst galt er als Deutschlands beliebtester Politiker, doch seit seinem Rücktritt wurde es still um Karl-Theodor zu Guttenberg. Einer Schweizer Zeitung gab der Ex-Verteidigungsminister jetzt ein Interview - mit deutschen Medien will der CSU-Politiker nichts mehr zu tun haben.

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Oliver Lang/dapd

Guttenberg: "Der Drang in die Öffentlichkeit ist begrenzt"

Berlin - Wie lange wird dieser Boykott halten? Karl-Theodor zu Guttenberg hat der Schweizer Wochenzeitung "Der Sonntag" zwar ein Interview gegeben, doch deutsche Medien will er künftig meiden.

"Ich habe in den letzten eineinhalb Jahren in deutschen Medien keine einzige Äußerung abgegeben, und daran werde ich auf Dauer auch nichts ändern", sagte der in den USA lebende frühere Verteidigungsminister. "Der Drang in die Öffentlichkeit ist bei mir heute außerordentlich begrenzt."

Er werde mit Sicherheit nach Deutschland zurückkehren, kündigte Guttenberg in dem Interview an, das er während eines Ski-Urlaubs in Klosters in der Schweiz gab. "Aber wann das sein wird, und ob das privat oder in irgendeiner Funktion sein wird, das ist vollkommen unabsehbar." Ein Comeback schloss der 41-jährige damit also nicht wirklich aus. Zuletzt hatte CSU-Chef Horst Seehofer ein Rückkehr Guttenbergs in die Politik im Oktober 2012 ins Gespräch gebracht.

Guttenberg war vor zwei Jahren als Verteidigungsminister zurückgetreten, weil er zahlreiche Passagen seiner Doktorarbeit von anderen Autoren abgeschrieben hatte, ohne dies kenntlich zu machen. Die Universität Bayreuth bescheinigte ihm Vorsatz und erkannte ihm den Doktortitel ab. Kurz nach seinem Rücktritt zog er dann mit seiner Familie in die USA. Seitdem gab er nur ein größeres Interview, das im November 2011 in Auszügen in der "Zeit" und anschließend als Buch erschien.

"Dummheiten selbst verantworten"

Beruflich ist Guttenberg als Experte für die renommierte Denkfabrik CSIS in Washington und als Berater der EU-Kommission für Internetfragen tätig. Nach seinem Rücktritt sei er nicht in ein Loch gefallen: "Denn es hat mir ungemein gut getan, Zeit zur Reflexion zu haben."

Er habe die Zeit genutzt, um aus eigenen Fehlern zu lernen und "um mich auf Dinge zu konzentrieren, die Freude bereiten und für die man sich nicht öffentlich rechtfertigen muss".

Zu seiner Doktorarbeit wollte sich Guttenberg in dem Interview nicht äußern. Die Frage, ob die Medien die Plagiatsaffäre skandalisiert hätten, verneinte er. "Ich würde das niemals auf die Medien schieben und habe meine Dummheiten selbst zu verantworten."

Ob seine Karriere zu schnell verlaufen sei, wisse er nicht, sagt Guttenberg. Aber er sei "dankbar für die extremen Erfahrungen", die er gemacht habe - "durchaus auch für negative Brüche im Leben, die etwas Gutes bedeuten und einen weiterbringen können".

als/dpa

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1. jaja
rabenkrähe 14.01.2013
Zitat von sysopOliver Lang/dapdEinst galt er als Deutschlands beliebtester Politiker, doch seit seinem Rücktritt wurde es still um Karl-Theodor zu Guttenberg. Einer Schweizer Zeitung gab der Ex-Verteidigungsminister jetzt ein Interview - mit deutschen Medien will der CSU-Politiker nichts mehr zu tun haben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/guttenberg-kuendigt-boykott-deutscher-medien-an-a-877495.html
......... Dann sollten die deutschen Medien diese ja nachvollziehbare Entscheidung auch akzeptieren! rabenkrähe
2. Endlich Ruhe
Peter-Lublewski 14.01.2013
Das Beste, was ich jemals von Guttenberg gehört habe. Endlich Ruhe vor dem.
3. Ist das...
Claudia_D 14.01.2013
Zitat von sysopOliver Lang/dapdEinst galt er als Deutschlands beliebtester Politiker, doch seit seinem Rücktritt wurde es still um Karl-Theodor zu Guttenberg. Einer Schweizer Zeitung gab der Ex-Verteidigungsminister jetzt ein Interview - mit deutschen Medien will der CSU-Politiker nichts mehr zu tun haben. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/guttenberg-kuendigt-boykott-deutscher-medien-an-a-877495.html
...jetzt schlimm?
4.
stevie76 14.01.2013
"Beruflich ist Guttenberg als Experte für die renommierte Denkfabrik CSIS in Washington und als Berater der EU-Kommission für Internet-Fragen tätig." das erinnert mich an wiesheu als verkehrsminister nachdem er besoffen einen rentner totfuhr.. ich hoffe, gutte kommt nie wieder, aber ich habe schon unsympatischere interviews von ihm gelesen.
5. Boykott
haarer.15 14.01.2013
Sollte er eines Tages wieder nach Deutschland zurückkehren, so dürfte er nach dieser Aussage kein öffentliches Amt mehr anstreben geschweige denn bekleiden. Denn ohne die Medien geht halt nichts im Lande. Diese haben eine wichtige Kontrollfunktion in einer Demokratie. Nur in diktatorischen Ländern gibt es eine gleichgeschaltete Presse. Ins Glashaus mit bruchsicheren Scheiben kann sich Guttenberg ja nicht hineinsetzen. Im fernen Amerika tut ihm keine Fliege was zuleide, darum sollte er dort bleiben. Es wäre konsequent.
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