Bisher gilt: Guttenberg ist unantastbar. Begonnen hat das in jener Nacht im Frühjahr, als er sich gegen die Kanzlerin stellte und Nein sagte zur Opel-Rettung. Damit bewies er Unabhängigkeit. Ohne wirklich etwas bewegt zu haben, hat Guttenberg nach einem halben Jahr im Wirtschaftsministerium das Maximum für sich herausgeholt.
Dem Mann gelingt alles. Mit dem Besuch eines AC/DC-Konzerts in Fan-Kluft begründete er einen Kult. In nahezu jedem bayerischen Dorf, das der CSU-Mann seitdem besucht, überreicht ihm der jeweilige Ortsvorsitzende nun eine Hardrock-CD. Guttenberg hatte zeitweise einen passablen Vorrat im Dienstwagen. Auch im Zirkuszelt am Kanzleramt spielt die Showband natürlich "Highway to Hell". Und im Berliner Bendlerblock empfing Guttenberg jüngst Hollywood-Muskelmann Ralf Moeller: In Amerika, berichtete der, sähen Guttenberg "viele irgendwann mal als Kanzler", denn längst habe man dort gehört vom "Wunderminister".
Als Guttenberg die deutschen Truppen in Afghanistan besuchte, wurde sein Hubschrauber beschossen. So jedenfalls ist es danach von Medien in die Heimat gemeldet worden. Tatsächlich aber waren es die Bundeswehrschützen an Bord, die nur auf Verdacht feuerten, weil sie meinten, Mündungsfeuer am Boden entdeckt zu haben. Ein alltäglicher Vorgang. Macht auch nichts, die Aktion ist auf dem Boulevard längst in den Guttenberg-Mythos eingegangen: Der Minister wurde von Taliban beschossen und blieb cool. Auch wenn er gar nicht beschossen wurde.
Guttenberg, der den Beschuss schnell dementiert hatte, ist längst nicht mehr Herr der Inszenierung seiner Person. Noch aber macht er alles mit. "Er profitiert ja davon - und er genießt", sagt Experte Spreng: "Er weiß durchaus, was da passiert." Am Abend der Bundestagswahl, nach dem Absturzes seiner Partei auf der einen und seinem Erststimmentriumph auf der anderen Seite, zeigte er sich mit Gattin Stephanie, die ein weißes T-Shirt mit dem ikonisierten Konterfei ihres Mannes trug. Obama lässt grüßen.
Berater Spreng empfiehlt etwas mehr Zurückhaltung, insbesondere bei Fotos aus dem Privatleben. Und als Verteidigungsminister gehe Guttenberg ohnehin ein hohes Risiko ein: "Wenn es Anschläge gibt, wenn Särge mit toten Soldaten zurückkommen, kann das auch auf ihn umschlagen." Guttenberg stehe "noch vor vielen Bewährungsproben". Bei der Jung-Debatte im Bundestag wird nebenbei auch die Ikone Guttenberg kritisiert: Es gehe "nicht nur um schöne Bilder", mäkelt SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold.
An jenem Abend im Zelt dagegen ist es für Guttenberg noch ein Stück aufwärts gegangen. Die nächste "Eskalationsstufe", sagt am Schluss der fidele Moderator auf der Bühne, "ist dann die Heiligsprechung".
Doch davor steht jetzt erst mal die Bewältigung der Afghanistan-Affäre.
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