Gyula Horn Keine Toleranz für Rechtsextremisten

Ungarns früherer Ministerpräsident Gyula Horn hat anlässlich des Jahrestages des Mauerfalls als Festredner im Sächsischen Landtag ein Plädoyer gegen Rechtsextremismus gehalten: "Wir können den Faschismus nicht tolerieren, in keiner Version, in keinem Antlitz, in keinerlei Darbietung."


Dresden - Rechtsextremismus sei ein weltweites Problem. Deswegen müssten die Demokraten in der Bekämpfung "faschistoider Politik", die andere Menschen erniedrige, zusammenstehen. Bei der Wahl am 19. September war erstmals die rechtsextreme NPD in das sächsische Landesparlament eingezogen.

Horn betonte zugleich, dass er stolz auf die Haltung Ungarns im Sommer 1989 sei. Bei der Entscheidung, die Grenze nach Österreich zu öffnen, habe er immer "Europa vor Augen" gehabt. Damals habe für DDR-Bürger sein Prinzip gegolten, dass Menschen nicht gezwungen werden könnten, dort zu leben, wo sie nicht leben wollten. Die Wiedervereinigung Deutschlands sei Voraussetzung für die europäische Einigung gewesen. Die Deutschen könnten stolz sein auf das, was sie geleistet haben.

Horn, der in den Jahren 1989/90 als Außenminister seines Landes amtierte, war maßgeblich verantwortlich für die Öffnung des Eisernen Vorhangs. Am 27. Juni 1989 durchschnitt er gemeinsam mit seinem damaligen österreichischen Amtskollegen Alois Mock den Grenzzaun bei Sopron und ermöglichte dadurch zahlreichen DDR-Bürgern die Flucht in die Bundesrepublik. Im September 1989 öffnete die ungarische Regierung die Grenze nach Österreich vollständig.



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