Datenklau Abgeordneter alarmierte Bundesamt für IT-Sicherheit bereits im Dezember

Das Bundesamt für IT-Sicherheit gerät wegen des Hackerangriffs zunehmend unter Druck. So hatte ein Abgeordneter zwar frühzeitig einen Verdacht gemeldet, bis Donnerstag wurde aber "von einem Einzelfall" ausgegangen.

Reichstag in Berlin
DPA

Reichstag in Berlin


Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat bereits Anfang Dezember einen Hinweis auf den Diebstahl von Passwörtern bei Politikern erhalten. Damals habe ein Abgeordneter des deutschen Bundestags das BSI darüber informiert, dass er fragwürdige Bewegungen auf privaten und personalisierten E-Mail- und Social-Media-Accounts festgestellt habe. Das hat das BSI mitgeteilt. "Zu diesem Zeitpunkt gingen alle Beteiligten von einem Einzelfall aus", heißt es in einer Presseerklärung des Amtes.

"Von einer geplanten oder getätigten Veröffentlichung der gestohlenen Informationen oder einem Zusammenhang mit den durch den Twitter-Account 'G0d' (@_0rbit) veröffentlichten Daten hatte das BSI bis zur Nacht vom 3. auf den 4. Januar 2019 keine Kenntnis", rechtfertigt sich das Amt. "Erst durch das Bekanntwerden der Veröffentlichung der Datensätze über den Twitter-Account 'G0d' am 3. Januar 2019, konnte das BSI in weiterer Analyse am 4. Januar 2019 diesen und vier weitere Fälle, die dem BSI im Verlauf des Jahres 2018 bekannt geworden sind, in diesen Zusammenhang stellen."

BSI-Chef Arne Schönbohm
REUTERS

BSI-Chef Arne Schönbohm

Das Amt verweist zudem darauf, dass man für die betroffenen Fälle nur am Rande zuständig sei. "Das BSI ist zuständig für den operativen Schutz der Regierungsnetze. Für die Absicherung parteilicher oder privater Kommunikation von Mandatsträgern kann das BSI nur beratend und auf Anfrage unterstützend tätig werden." Nach derzeitigem Kenntnisstand seien jedoch hauptsächlich private und persönliche Accounts angegriffen worden, nicht aber das Regierungsnetz.

BSI-Chef Arne Schönbohm hatte am Freitag für Verwunderung gesorgt, als er erklärte, sein Amt habe bereits seit Wochen von dem Datendiebstahl gewusst. "Wir haben schon sehr frühzeitig im Dezember auch schon mit einzelnen Abgeordneten, die hiervon betroffen waren, dementsprechend gesprochen", sagte Schönbohm dem Fernsehsender Phoenix. Es seien auch Gegenmaßnahmen eingeleitet worden. Unter anderem sei ein Spezialteam für Hilfestellungen bei Betroffenen (Mobile Incident Response Team) losgeschickt worden. "Von daher gab es schon frühzeitig bestimmte Aktionen", sagte Schönbohm.

Selbst das Bundeskriminalamt (BKA) erfuhr nach eigener Darstellung von der Veröffentlichung erst in der Nacht zum Freitag.

Schönbohm erntete deshalb viel Kritik von Politikern der betroffenen Parteien CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP und Linke.

"Die Informationspolitik des BSI wirft Fragen auf, wenn das Bundesamt schon im Dezember informiert war", sagte der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Frank Sitta. "Wir wollen wissen, wie das BSI genau vorgegangen ist."

"Es ist zunächst einmal entscheidende Aufgabe der Politik herauszufinden, welche Behörde was zu welchem Zeitpunkt wusste und warum Betroffene nicht eingeweiht wurden", sagte Linken-Parlamentsgeschäftsführer Jan Korte.

Der SPD-Digitalexperte Jens Zimmermann sagte, er habe mit den am stärksten betroffenen SPD-Abgeordneten gesprochen, "keiner von ihnen ist vom BSI informiert worden vorab" - oder bislang kontaktiert worden.


Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir den Namen des SPD-Digitalexperten Jens Zimmermann falsch angeben. Wir haben den Fehler korrigiert.

    SPIEGEL ONLINE berichtet ausführlich über die Hackerangriffe gegen Politiker und Personen des öffentlichen Lebens. Mit Details aus den Datendiebstählen gehen wir allerdings zurückhaltend und vorsichtig um. Privatadressen, Telefonnummern oder weitere Informationen, an denen nach jetzigem Kenntnisstand kein öffentliches Interesse besteht, veröffentlichen wir nicht.

syd/AFP/Reuters



insgesamt 70 Beiträge
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Seite 1
sven2016 05.01.2019
1. Nicht in unserer Zuständigkeit.
Hört man in den super-modernisierten „Amtsstuben“ auch heute immer wieder. Solange es dabei bleibt und Eigeninitiative zur Problemlösung als unethisch angesehen wird, passiert sowas eben. Alternative dann gerne: Tschüss Amtsleiter. Das alleine hilft aber auch nicht immer.
t-alex 05.01.2019
2. Rendezvous mit der Digitalisierung
wie das BSI richtig erwähnt, handelt es sich wohl bei den gehackten Daten überwiegend um private, in der persönlichen Verantwortung des jeweiligen Betroffenen liegenden Informationen. Die Herrschaften sollten vielleicht einfach mal einen EDV-Grundkurs besuchen: "Wie schütze ich meine privaten Daten", "Was sind sichere Passwörter" usw. , um auf den Kompetenzstand eines Schulkindes zu kommen. Hier zeigt sich wieder wunderbar: die Kunst des Schwafelns ist einfach zu erlernen, technisches Verständnis eher schwierig. Vermutlich, nein, ganz sicher, ist es auf anderen Gebieten genauso. Darin liegt wohl der eigentliche "Skandal".
Blenni 05.01.2019
3. #SicheresNeuland
Zum einen müssen die Hacker schnell identifiziert und mit ganzer Härte des Gesetztes bestraft werden - wenn dies möglich ist. Es ist mir unerklärlich, was den Reiz ausmacht, tausende Menschen bloßzustellen und herabzuwürdigen. Zum anderen wird es wichtig sein zu wissen, über welche Apps/Firmen die Daten ins Netz gelangten und von wem sie gespeichert wurden. Nicht nur aus diesem Vorfall ergibt sich die zentrale Aufgabe unserer Gesellschaft unsere digital erfassten Daten abzusichern.
die_WahrheitXXL 05.01.2019
4. Es ist dasselbe wie in der Wirtschaft
IT wird weder von Politikern noch von Vorständen ernst genommen. IT ist lediglich ein unnützes Übel, bei dem auf Teufel komm raus gespart werden muss. Entsprechend stellt sich die Qualität der gelieferten Arbeit dar. Aber wir können trotzdem beruhigt sein: mehr als heisse Luft kann von unseren Politikern nicht gestohlen werden
success4us 05.01.2019
5. Wahrscheinlich
war das BSI fuer 3 Wochen im Weihnachtsurlaub und wird wohl erst ab 7.1. wieder vollzählig sein. Wenn ein 'Interessierter' sich schon Zugriff auf diese Daten besorgen kann, dann haben Russen, Chinesen... diese Daten schon längst abgegriffen Vielleicht denkt man mal darueber nach, die Leitung des BSI einem Profi zu uebergeben
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