Modellbau-Affäre Ermittlungen gegen Haderthauer eingeleitet

In der Modellbau-Affäre wurde das Ermittlungsverfahren gegen Bayerns Staatskanzleichefin Christine Haderthauer offiziell eröffnet. Der CSU-Politikerin droht noch eine Anzeige von einem weiteren Häftling.

CSU-Politikerin Haderthauer (mit Ministerpräsident Seehofer, Archivbild): Verfahren eröffnet
DPA

CSU-Politikerin Haderthauer (mit Ministerpräsident Seehofer, Archivbild): Verfahren eröffnet


München - Die Staatsanwaltschaft München II hat das erwartete Ermittlungsverfahren wegen Betrugsverdachts gegen Bayerns Staatskanzleichefin Christine Haderthauer förmlich eingeleitet. Das teilte Behördensprecher Ken Heidenreich am Freitag mit.

Anlass für die Ermittlungen ist eine Anzeige eines früheren Mitgesellschafters des Ehepaars Haderthauer bei der Firma Sapor Modelltechnik. Das Unternehmen verkaufte hochwertige Modellautos, die von psychisch kranken Straftätern gebaut wurden.

Der frühere Geschäftspartner fühlt sich bei einer Abfindung übers Ohr gehauen. In gleicher Sache wird bereits seit einiger Zeit gegen Haderthauers Mann Hubert ermittelt, wie Heidenreich bestätigte.

Der CSU-Politikerin droht noch eine weitere Anzeige: Roland S., ein wegen dreifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte Modellauto-Bauer, der sich bis heute in Sicherungsverwahrung befindet, wolle Strafanzeige erstatten. Das berichtet die "Bild"-Zeitung. "Mein Mandant fühlt sich von dem Ehepaar Haderthauer ausgenutzt. Deshalb wollen wir Strafanzeige stellen", sagte der Rechtsanwalt Adam Ahmed, der S. vertritt.

Der gelernte Bauschlosser hat laut dem Bericht bis zu 130 Modellautos gebaut, die das Ehepaar Haderthauer für insgesamt mehr als 2,6 Millionen Euro weiterverkauft oder versteigert haben soll. Der Häftling habe für seine Arbeit demnach nur 200 Euro pro Monat erhalten. Er werfe Hubert Haderthauer vor, die von S. gefertigten Modellautos als von ihm selbst hergestellte Modelle ausgegeben zu haben.

fab/AFP/dpa



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insgesamt 98 Beiträge
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tssd47 01.08.2014
1. ist das nicht immer so,
dass der Händler am meisten verdient? Klagen van Goghs Nachfahren, dass er zu seinen Lebzeiten zu wenig Geld für seine Werke erhielt?
B.F.Skinner 01.08.2014
2.
Dass Maßregelvollzugspatienten und Strafgefangene nur für geringes Entgelt arbeiten, ist gesetzlich geregelt. Normalerweise kommen die Erlöse jedoch der Klinik , dem Träger - in diesem Fall dem Bezirk - oder dem Staat zugute und werden ggf reinvestiert. Die eigentliche Frage ist m.E., wie es dazu kommen konnte, dass sich Privatpersonen in derartigem Umfang an der Arbeit eines psychisch kranken Straftäters bereichern!
mvanwoerkom 01.08.2014
3. Unnötig
Das Gefangene Arbeiten können ist eine gute Sache, daher sollte es auch Firmen geben, die dies organisieren. Diese agieren aus Gewinnerzielungsabsicht, also muss auch hier diese Möglichkeit bestehen. Der Fall zeigt doch, das hier Grenzen gezogen werden sollten, das es nicht in Ausbeutung ausartet, auch die Gefangenen sollten nicht beliebig davon profitieren. Warum nicht beide Seiten deckeln und dafür sorgen, das Gefangene und Firmen einverständig einen gemeinnützigen Empfänger auswählen, wo der Überschuss dann hingeht. Ich nehme mal an, das es eher selten ist, das sich große Gewinne ergeben, sonst würde vermutlich schon eine ähnliche Regelung bestehen.
fatherted98 01.08.2014
4. In Bayern...
...ist sowas ganz normal...da regt sich auch auf der Straße oder im Biergarten keiner drüber auf...die Amigos halt...daran hat sich so ziemlich jeder schon gewöhnt...nur wenn es über die Grenzen schwapt und in die Schlagzeilen geht fühlen sich die Ermittler genötigt was unternehmen...was dabei rauskommt kann sich jeder an fünf Fingern abzählen. Im übrigen...könnte auch durch ihre Parteifreunde forciert worden sein...denn Haderthauer will ja gerne Seehofer nachfolgen...könnte doch sein das einer der Mitkandidaten/innen sich da mal an ein paar Freunde in der Ertmittlungsbehörde gewendet hat...man golft ja sicher mal am Wochenende zusammen...und da wird dann jetzt halt ermittelt.
Nandiux 01.08.2014
5.
Zitat von sysopDPAIn der Modellbau-Affäre ist das Ermittlungsverfahren gegen Bayerns Staatskanzleichefin Christine Haderthauer offiziell eröffnet. Der CSU-Politikerin droht noch eine Anzeige, von einem weiteren Häftling. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/haderthauer-ermittlungen-wegen-modellbau-affaere-a-983989.html
Man sieht sich immer zweimal im Leben. Hätten sie ihren ehemaligen Geschäftspartner besser nicht so schamlos über den Tisch gezogen (von der moralischen Sichtweise dieser Geschäfte mal ganz abgesehen). Ich denke, sie wird nicht mehr tragbar sein.
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