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Haderthauers Modellbauaffäre: Verdächtige Flüge, geheime Gewinne

Von , München

Politikerin Haderthauer: Neue Fragen in der Modellbauaffäre Zur Großansicht
DPA

Politikerin Haderthauer: Neue Fragen in der Modellbauaffäre

Die Affäre um teure Modellautos und Bayerns Staatskanzleichefin Haderthauer weitet sich aus: Bei einer Hausdurchsuchung stießen Fahnder im Mai laut SPIEGEL-Informationen auf brisante Unterlagen. Es geht um Auslandsflüge - und zusätzlich mehr als 140.000 Euro.

Am 21. Mai standen Ermittler der Augsburger Steuerfahndung vor der Villa des Ehepaars Haderthauer in Ingolstadt. Die Beamten ermittelten wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung gegen Hubert Haderthauer und suchten nach Unterlagen der Firma Sapor Modelltechnik. Dabei wurden Dokumente gefunden, die heute auch für die Frage relevant sind, ob die Gewinne von Sapor gegenüber dem Finanzamt und gegenüber einem früheren Gesellschafter bewusst geschmälert worden waren.

Für die Firma Sapor, die das Ehepaar Haderthauer zusammen mit Geschäftspartnern aufgebaut hatte und in der Christine Haderthauer als Geschäftsführerin und Gesellschafterin wirkte, fertigten psychisch kranke Straftäter exklusive Oldtimer-Modelle. 2008 verkaufte Hubert Haderthauer die Firma. Der ehemalige Geschäftspartner Roger Ponton fühlt sich bei einer Abfindung übers Ohr gehauen und hatte Anzeige erstattet.

Fündig wurden die Fahnder im Arbeitszimmer der Staatskanzleichefin, in dem auch Unterlagen von Ehemann Hubert aufbewahrt werden. Das geht aus einem Schreiben der Staatsanwaltschaft an den Bayerischen Landtag hervor. Im einem Regal lagen Kontounterlagen mit dem Aufkleber "SAPOR". Dort ist angeblich zu lesen, dass Christine Haderthauer noch 2007 und 2008 treuhänderische Inhaberin des Firmenkontos gewesen ist. Außerdem fanden die Ermittler eine externe Festplatte neben dem Computer der CSU-Frau.

Darauf befanden sich dem Schreiben der Staatsanwaltschaft zufolge Dateien, die offenbar belegen, dass Christine Haderthauer in diesem Zeitraum persönlich auch den Schriftverkehr mit dem Steuerberater der Sapor geführt haben soll. Gegenüber dem Landtag hatte Haderthauer behauptet, sie sei 2003 nach ihrer Wahl in den Landtag aus der Firma ausgeschieden. Die Geschäfte habe immer ihr Mann geführt.

Die Ermittlungen der Steuerfahndung ergaben zudem den Verdacht, dass die Gewinne aus dem Verkauf der teuren Modellautos wesentlich höher waren, als dem Fiskus gemeldet wurde. So sollen 2007 mindestens 86.000 Euro und 2008 rund 57.500 Euro Einnahmen verschwiegen worden sein, insgesamt also etwa 143.500 Euro.

Auch Mitgesellschafter Ponton soll diese Summen nie erfahren haben. Geschätzt knapp 72.000 Euro sollen ihm so entgangen sein. Haben die Haderthauers Ponton ganz bewusst getäuscht? Von den Gewinnermittlungen 2004 bis 2008 bekam Ponton laut Staatsanwaltschaft jedenfalls nur die ersten zwei Seiten mit dem Jahresergebnis. 13 weitere Seiten mit dem Kapitalkonto wurden ihm nie geschickt.

Reisen nach Paris und in die Türkei

Weitere Dokumente schüren bei der Steuerfahndung den Verdacht, dass nicht nur Erlöse aus dem Verkauf der Modellautos unvollständig angegeben wurden. Auch sollen offenbar Ausgaben "ohne betrieblichen Anlass" in den Gewinnaufstellungen erfasst worden sein. Darunter 2007 ein Flug in die Türkei für 1694 Euro samt Übernachtungskosten von 423 Euro für eine zweite Person neben Hubert Haderthauer. Ebenso reiste Hubert Haderthauer mit einer Begleitung 2008 nach Paris.

Laut Flugticket soll offenbar Ehefrau Christine ihren Mann begleitet haben. Die 1100 Euro Übernachtungskosten für die zweite Person wurden offenbar betrieblich berücksichtigt. Wie die Fahnder feststellten, folgten zeitgleich Kreditkartenabbuchungen von Christine Haderthauers Kreditkarte in Paris. Die Fahnder schreiben später, ein betrieblicher Anlass für die Reisekosten der zweiten Person sei nicht erkennbar. Haderthauer hatte vergangene Woche erklärt, nicht sie, sondern ihre Tochter Christina habe die Reise angetreten, um die Modelle sicher zu transportieren.

5500 Euro für PR-Leistungen

Als ebenfalls merkwürdig stufen Ermittler 5500 Euro ein, die im Oktober 2008 von Sapor an Christine Haderthauer überwiesen wurden - Verwendungszweck "PR IN Projektberatung". Die Staatskanzleichefin erklärte den Vorgang vergangene Woche so: Irrtümlich habe sie zwei Rechnungen der PR-Beratung von ihrem Konto beglichen, dann später bemerkt, dass die Rechnungen der PR IN an Sapor gerichtet waren und sich den Betrag zurückerstatten lassen. Doch welcher Art die Dienste der PR-Beratung für die Modellbaufirma waren, ist bisher nicht bekannt.

Weder möchte sich Haderthauer dazu äußern, noch fanden sich bei der Hausdurchsuchung entsprechende Belege. Der Hintergrund für die angebliche PR-Tätigkeit sei aufgrund der vorliegenden Unterlagen nicht nachvollziehbar, notierten Ermittler.

Die Dienstleisterin immerhin ist Haderthauer gut bekannt. Es ist ihre Stimmkreisreferentin, die Ingolstädter CSU-Stadträtin Dorothea Soffner. Eine Vertraute, die seit Jahren für die Staatsministerin arbeitet. Soffner ist in den Urlaub verreist und weder per Telefon noch per Mail erreichbar.

Die Website der PR IN ist seit etlichen Wochen leer, die Seite werde überarbeitet. Christine Haderthauer möchte sich zu den neuen Details mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen derzeit nicht äußern.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 202 Beiträge
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1. unabhängig...
rumsi 07.08.2014
von der Brisanz der Angelegenheit, stellt sich bei mir die Frage wie Spiegel online an die oben geschilderten detaillierten Informationen nach der Hausdurchsuchung gekommen ist. Alles dürfte ja - nach richterlicher Genehmigung - durch die Staatsanwaltschaft veranlasst worden sein. Bleibt denn gar nichts mehr - bis auf Weiteres - geheim?
2. An die SPON-Zensur: Merken Sie etwas?
premiummails 07.08.2014
Merken Sie, dass Sie zu diesem Thema praktisch NICHTS durchlassen können, so begeistert sind die Leute von Bayerns Regierungsclique?
3. Diese
Checkker 07.08.2014
arme Frau. Da hat sie einen phantastischen Weg gefunden, die ärmsten und schwächsten des Landes hervorragend das Fell über die Ohren zu ziehen und mit dieser Methode einen Riesenschnapp gemacht und dann sowas. Hausdurchsuchung. Was erlauben Staatsanwaltschaft? Hadertauer hat lediglich genau das gemacht, was man als gute bayerische Politikerin von ihr erwartet. Das Volk über den Löffel balbiert. Und daraus soll ihr jetzt ein Strick gedreht werden? Das ist doch der pure Neid, weil man selber nicht auf die Idee gekommen ist. Ich jedenfalls schlage sie glatt für den bayerischen Verdienstorden vor. Für das Lumpenstück des Jahres. Gut gemacht.
4.
pauschaltourist 07.08.2014
Wer betrügt, fliegt? Abgesehen davon: Mit bastelnden Psycho-Mördern Reibach zu machen, der Ehemann verbeamtet und verantwortlich in der Klappse tätig, ist derart absurd und moralisch zu verurteilen, dass es jeder Beschreibung spottet.
5. Mia san mia!
d.fault 07.08.2014
So is des hoid, wenn dahoam d'familie hungert, da miassn se da Vata und d'Muata hoid wos eifoin lossn. Es segt's es jo ah bei de andern CSU-Genossen, dia miassn a schaugn, wo's bleim. Übersetzung: So ist das nun einmal, dass wenn Zuhause die Familie hungert, sich Vater und Mutter etwas einfallen lassen müssen. Man sieht das ja auch bei den übrigen CSU-Parteifreunden, die müssen auch zusehen, wo sie bleiben.
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