Messerangriff in Hamburg Bundesanwaltschaft übernimmt Ermittlungen

Die Bundesanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen den Messer-Attentäter von Hamburg übernommen - "wegen der besonderen Bedeutung des Falles". Ein radikal-islamischer Hintergrund liege nahe.

Eine Frau legt Blumen nieder vor dem Supermarkt in Hamburg-Barmbek
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Eine Frau legt Blumen nieder vor dem Supermarkt in Hamburg-Barmbek


Er stach in einem Supermarkt in Hamburg-Barmbek wahllos auf Menschen ein - nun hat die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe die Ermittlungen zu dem Attentat übernommen. Das teilte die Behörde am Montag mit. Als Begründung wurde die "besondere Bedeutung des Falles" genannt. Ein Mann war bei der Attacke am vergangenen Freitag gestorben, sieben weitere zum Teil schwer verletzt.

Ein radikal-islamischer Hintergrund liege nahe, der 26-jährige Angreifer Ahmad A. habe sich aber wohl selbst radikalisiert, teilte die Behörde weiter mit. Es bestünden keine Anhaltspunkte dafür, dass der Täter als Mitglied der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) oder einer anderen terroristischen Vereinigung gehandelt habe.

Die Ermittler hätten auch keine Hinweise auf andere Tatbeteiligte oder Hintermänner, hieß es. Der Mann habe sich "zwei Tage vor der Tat" für eine islamistische Lebensweise entschieden und "am Tattag selbst" den Entschluss zu dem Attentat gefasst. Die Karlsruher Ermittler beriefen sich dabei auf Aussagen des Verdächtigen. Demnach beschäftige er sich seit "geraumer Zeit" mit radikal-islamischen Themen. Die Tat sei für ihn mit der Hoffnung verbunden gewesen, "als Märtyrer zu sterben".

Video: Ahmad A. war den Behörden als Islamist bekannt

Der Palästinenser, dem nach einem abgelehnten Asylantrag die Ausreise drohte, hatte in dem Supermarkt unvermittelt ein 20 Zentimeter langes Küchenmesser aus der Verpackung gerissen und damit auf umstehende Menschen eingestochen. Er sitzt seit dem Wochenende wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.

Der in den Vereinigten Arabischen Emiraten geborene Mann war 2015 als Flüchtling nach Deutschland gekommen. Den Landesbehörden war er als Islamist bekannt, wurde aber als nicht unmittelbar gefährlich eingestuft. Auch gibt es Hinweise, dass er psychisch labil war.

SPIEGEL TV Magazin über Messerattacke in Hamburg

vks/dpa/AFP

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