Hamburger Pannenprojekt: Ex-Bürgermeister Beust verteidigt Elbphilharmonie

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Baustelle der Elbphilharmonie: Die Eröffnung ist für 2017 geplant

77 Millionen Euro sollte die umstrittene Elbphilharmonie in Hamburg ursprünglich kosten, inzwischen sind es 575 Millionen Euro - trotzdem würde Ex-Bürgermeister Beust die Entscheidung für den Bau wieder so treffen. Das Projekt sei "nach wie vor richtig", sagte er vor dem Untersuchungsausschuss.

Hamburg - Hamburgs ehemaliger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hat den Bau der umstrittenen Elbphilharmonie erneut verteidigt. "Ich stehe zu der Entscheidung, und ich finde sie auch nach wie vor richtig", sagte Beust am Donnerstag im Parlamentarischen Untersuchungsausschusses (PUA) zur Elbphilharmonie. Dort war der Ex-Bürgermeister als letzter Zeuge geladen. In Bezug auf die geplanten Kosten des Projekts und die Risiken habe er den Fachleuten vertraut. "Ich fühlte mich abhängig vom Rat der Fachleute", sagte der 57-Jährige. So sei ihm gesagt worden, der Kostenrahmen von damals hundert Millionen Euro sei realistisch. "Und darauf habe ich mich verlassen."

Beust betonte erneut - wie bei seiner ersten Vernehmung vor einem Jahr -, dass er die politische Verantwortung trage. "Wenn große Dinge schieflaufen, tragen Sie immer die Verantwortung", sagte der Ex-Bürgermeister. Der Ausschuss soll klären, wie es zu den immensen Kostensteigerungen und Zeitverzögerungen bei dem Prestigeprojekt kommen konnte. Ursprünglich sollte das Projekt 77 Millionen Euro kosten und 2010 fertig sein, mittlerweile sind die Kosten auf 575 Millionen gestiegen, die Eröffnung wurde auf 2017 verschoben.

Mit der Realisierung der Elbphilharmonie habe der Senat die städtische Projektrealisierungsgesellschaft (ReGe) betraut, weil man mit ihr bei anderen Vorhaben gute Erfahrungen gemacht habe. Dem damaligen Chef der ReGe, Hartmut Wegener, der direkt der Senatskanzlei unterstellt war, habe er vertraut. Und er habe auch keinen Anlass gesehen, "ihm nicht mehr zu vertrauen".

Er sei ein Freund von Einzelverantwortung. "Die Leute, die die Verantwortung tragen, sollen es auch an einer langen Leine machen", sagte Beust. Solange es keine Beschwerden gebe, gehe er davon aus, "dass die Leute ihre Sachen vernünftig machen". Vor einer Woche hatte Ex-Kultursenatorin Karin von Welck (parteilos) gesagt, Wegener habe seine Möglichkeiten "völlig überschätzt". Als das Projekt aus dem Ruder lief, war Wegener im Sommer 2008 entlassen worden.

Der Ausschuss untersucht den Zeitraum bis Ende 2008. Dabei geht es vor allem um den sogenannten Nachtrag 4, der Ende 2008 verabschiedet wurde und durch den die Kosten für die Stadt von 114 auf 323 Millionen Euro stiegen. Zurzeit verhandelt der SPD-Senat neue Verträge mit Hochtief, die bis zum 28. Februar unterzeichnet werden sollen. Für einen erneuten Nachschlag von 198 Millionen Euro will Hochtief alle Risiken übernehmen und die Elbphilharmonie für dann insgesamt 575 Millionen Euro fertig bauen. Die Eröffnung des Konzerthauses ist jetzt für 2017 geplant.

hen/dpa

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1. Verantwortung tragen?
Thomas_USA 14.02.2013
Zitat von sysopdapd77 Millionen Euro sollte die umstrittene Elbphilharmonie in Hamburg ursprünglich kosten, inzwischen sind es 575 Millionen Euro - trotzdem würde Ex-Bürgermeister von Beust die Entscheidung für den Bau wieder so treffen. Das Projekt sei "nach wie vor richtig", sagte er vor Untersuchungsausschuss. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/hamburg-ex-buergermeister-beust-verteidigt-elbphilharmonie-a-883508.html
Wie traegt der Herr denn die Verantwortung? "Tschuldigung, war ja anders geplant" und gut ists? Haftung mit Privatvermoegen? (ha ha ha...) Suppuku? (nee, geht ja nicht, dann sind der gesamte Hamburger Senat und die Buergerschaft ja auch weg, wenn sie dem Beipiel folgen). Nie wieder ale Politiker kandidieren? (ja, das macht Sinn, aber wer wuerden jemanden, der im Geiste so fern jeglicher Realitaet agiert eh waehlen?) Was bleibt ist nur wieder duemmliches Geschwafel, Unsummen an verschwendeten Steuergeldern und dem Fazit, dass mal wieder niemand aus dem Desaster lernt oder auch nur lernen will.
2. Ach Ole
chuckal 14.02.2013
Zitat von sysopdapd77 Millionen Euro sollte die umstrittene Elbphilharmonie in Hamburg ursprünglich kosten, inzwischen sind es 575 Millionen Euro - trotzdem würde Ex-Bürgermeister von Beust die Entscheidung für den Bau wieder so treffen. Das Projekt sei "nach wie vor richtig", sagte er vor Untersuchungsausschuss. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/hamburg-ex-buergermeister-beust-verteidigt-elbphilharmonie-a-883508.html
Das hat schon seine Richtigkeit, dass Du einen Namen hast, den Hamburger sonst Ihren Wellensittichen geben. Aber auch da nur Zweiter! Buttje ist immer noch an eins! Wer hat das größere Hirn? Spatzen oder Sittiche? So ein skrupelloser Mensch!!! Der Mann hat ja auch schon den Richter Gnadenlos Barnabas Schill zum Koalitionspartner gemacht, damit diesem ultrarechten Kokser zu demokratischen Ehren verholfen und findet das auch immer noch richtig. Jetzt kann man ja mal im Untersuchungsausschuss fragen, wer da von wem welche Aufträge bekommen hat und was da an Geldern und/oder Sachwerten geflossen ist... Eine Verantwortung, die einen nichts kostet, ist das eigentlich eine???
3. Politische Unfähigkeit weit verbreitet
tompike 14.02.2013
Eine Bauauftragssumme wird um das 7 bis 8-fache überschritten. Hier ist eindeutig die wiederholte völlige Unfähigkeit auf beiden Seiten festzustellen. Es kommt laufend vor, dass Milliarden Steuergelder jährlich in der BRD von Dummköpfen verbrannt werden (Berlin z.B..., es folgt Stuttgart 21, etc.) aber es interessiert keinen Politiker. Hauptsache deren Pension und Krankenversorgungen sind gesichert.
4. welche Kosten
darthmax 14.02.2013
fallen denn für den Betrieb weiterhin an ? Wieviel Prunkbauten braucht Deutschland ? Können wir von der Beust´schen Rente die Unterhaltungskosten abziehen oder müssen die Bürger, deren Mehrheit sicherlich die Philharmonie nie von innen sehen wird auch noch für die Tickets zahlen von Menschen, die sich das subventionieren lassen, dann sollte auf jeder Karte der Satz stehen : mit Erwerb dieser Karte darf ich mich als Bettler bezeichnen lassen.
5. Elbdisharmonie
veermaster 14.02.2013
Bei jedem Schlagloch in das ich hineinrumpele, bei jedem heruntergekommenen Schulgebäude, bei jedem Kind, das nicht in der Kita Platz findet, Mami und Papi müssen ja beide arbeiten, es gibt ja keinen Mindestlohn, bei jedem Polizisten, der unterbezahlt und völlig demotiviert im Alltag der Bürger nicht mehr auftaucht, bei jeder Warteschleife im Notruf....usw. denke ich an diese christlich-konservativen Werte aus den Sonntagsreden der Partei, deren Bürgermeister uns diese Kosten eingebrockt hat. Plus die völlig überteuerte U 4. Straßenbahn wär ja auch gegangen, aber das konnte den Herrschaften mit ihren SUV´s ja nicht zugemutet werden, das Büro in einer Gegend, wo ne Starßenbahn (igittigitt) fährt, zu haben.
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